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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 5. (1909) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 5. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 Besprechungen: Dr. Jacob Fromer: Geschichte eines Lebens- Werkes. 1909. Selbstverlag. Charlottenburg, Gervinus- Strasse 3. Im' Streite Goldschmidt’s gegen Fromer (s. vor. Nummer) war das nächste Glied, die Antwort Fromer’s, zu erwarten. Sie ist nun eingetroffen. Wie wir vorausgesehen, hat Goldschmidt durch die Heftigkeit seines an sich berechtigten Angriffs dem Gegner die Gelegenheit zur Entgegnung geboten, die er bei niassvoller Behandlung durch Goldschmidt nie hätte erlangen können. Fr. erzählt hier die Geschichte eines Lebenswerkes• Seine Darstellung beweist, dass ich mich in voriger Nummer in der Darlegung seines Werdegangs nicht getäuscht habe. Auch nicht darin, dass er das Weiterarbeiten versäumt und sich mit der stets erneuten Wiedergabe von Jugendeindrücken begnügt und trotzdem auf den Ruhm wissenschaftlichen Strebens Anspruch gemacht hat. Auch hier kehrt eine fast wörtliche Angabe seiner Geschichtsauffassung j wieder, wie wir sie in dem ״Organismus“ lesen. Dass der I Jude des Ostens, der nach dem Westen kommt, wenn er! etwas Geist besitzt, viel bemerken wird, habe ich bereits j angegeben. Aber diese Wahrnehmungen müssen mit den nüchternen Buchstaben alter Quellen und mit der Gesamt-! geschichte in Verbindung gebracht werden. Da hapert’s. |i Fro.t.er spricht von der Verworrenheit des Talmuds, zu ['׳■ deren Verständnis keine Vorarbeiten vorhanden seien. Der Mann weiss nicht, dass ich seit langer Zeit gerade über jj Aufbau und Quellenscheidung der Mischna und demnach ן über die talmudische Aneinanderreihung der Dinge arbeite und dass ich mich mit Pharisäern und Sadduzäern stark '׳ zu beschäftigen hatte. Und"so weiss er auch Anderes nicht. ■: Bei seiner Beschäftigung mit Goldschmidt erinnert Fromer sehr stark an die Angriffe, welche sich die Gold- . schmidtsche Talmudübersetzung hat gefallen lassen müssen. Sie waren; wie ich angedeufet, recht wohl in den Mängeln der Goldschmidt’schen Uebersetzung begründet — trotzdem ״ habe ich dieser Uebersetzung, weil sie uns immerhin etwas |j Ganzes bietet, meine Anerkennung nie verweigert. Durch 11 Fromer sind uns diese Kämpfe wieder zum Bewusstsein 1׳ gebracht worden. jj Das hätte G. sich ersparen können, wenn er bei der an sich verdienstvollen Klarlegung des Tatbestandes sach- 1׳ lieh geblieben wäre. Was Fromer gegen die Galligkeit des 1 Angriffs sagt, unterschreiben wir. Dagegen muss sein Ver- 1 such, Goldschmidt bezüglich der Bealkonkordanz zu wider- 1 legen, als verunglückt gelten,*) denn da sind Tatsachen hervorgekehrt, die Niemand beseitigen oder auch nur ab- I schwächen kann. Wenn Fromer dagegen fordert, dass j der ״Organismus“ und der ״Plan der Realkonkordanz“ als ein zusammengehörige,?־ Ganze angesehen werden soll, so habe ich trotz der ungeschickten Zusammenschweissung der beiden Bestandteile in vor. Nummer ja die geheime Einheit derselben dargetan. Es wäre zu wünschen, A?ss d a m i t die Erörterung j erledigt wäre, da neue Seiten am Gegenltaricrb^nicht zu entdecken sind; denn wenn noch Wichtiges und Neues zu erwarten wäre, würde ich der weiteren Erörterung am ersten das Wort reden. j Ueber biblische Metrik. Erbt. etc. Elia, Elisa, Jona etc. (s. vor. Nummer). (Schluss.) Die blosse Tatsache, dass Erbt Stellen aus dem Jonai buche mit diesen Teilen der Könjgsbücher zu einer Einheit I verquickt, ist an sich schon geeignet, gegen das ganze Vorgehen das grösste Misstrauen hervorzurufen. Solche Geistreicheleien sollten eigentlich der Vergangenheit angehören. Aber wir sind Erbt schon früher auf solchen ן Gebieten begegnet, als wir seine Behandlung des Esterbuches zurückweisen mussten, und zwar in einer Weise, * Mit Ausnahme der Giljonimangelegenheit, welche Läible im Theol. Literaturblatt No. 40 beleuchtet hat. ן die von weiteren wissenschaftlichen Kreisen anerkannt wurde. Der Sprung von den Königsbüchern zu dem Buche Jona, das einer völlig anderen Denk- und Darstellungsweise, wenn auch erzählend, angehört, lässt die Willkürlichsten Annahmen als möglich erscheinen. Die Erbt’schen Fragen, z. B. gelegentlich der Propheteneinsetzung des Elisa, erinnern an die maggidischen Fragen auf den Schriftvers; bei jenen Maggidim mögen die Fragen weit hergeholt gewesen sein — Prediger und Zuhörer wussten darum, und je überraschender und ungewohnlicher die Fragen, desto grösser der Beifall. Wer hat aber damals Bibelwissenschaft in solcher Behandlung des Schriftverses gesucht? Man muss jenen Alten nur eins zugestehen: Ihre Antworten auf all’ die gesuchten Fragen, die schliesslichen Lösungen der erzwungenen und gemachten Widersprüche enthielten bedeutende und erbauende Gedanken von selbständigem Werke mit der Kraft einer Offenbarung. Das kann man von Erbt's Lösungen gerade nicht behaupten, die sind vielmehr so erzwungen wie möglich. Man wird uns fragen, ob diese Bespreenung der biblischen Metrik angehört? Leider’ja. Wie wir in Stärk’s Prophetenstücken wohlgeratene Kinderder Sievers’shen Lehre erkannt haben, so hier das Gegenteil. Bei Stärk dichterische Stellen, die eine möglichst freie Behandlung des Verses erfordern und bei denen der Text geschont wird; bei Erbt erzählende Stucke, die durch Willkür in Sievers’sche Streckverse eingezwängt werden — was nicht hineingeht, verfällt der Prokrustesgewalt. Wir erkennen die grossen Kenntnisse! Erbt's wohl an: aber das Streben alles mit Allem zu vereinen, u. A. auch Winkler’sche Naturmythen und geschichtliche Tat- Sachen in biblischen Stücken vereint zu sehen, die dadurch gebotene Fülle von Möglichkeiten, Fragen zu stellen und Entscheidungen zu treffen, lässt das Einfache als zu wenig glänzend zurücktreten und eifert zu ständigem Geistreichein an. Man bedenke: Die Lesartenjagd, die Verslehre, die Schriftstellenversetzung, die Mischung von Naturmvthus und Geschichte — das Alles bedrängt den alten Text der Bibel, und dem soll er standhalten? Da wird es je eher je lieber eines bibelwissenschaftlichen Kant bedürfen, der die Grenzen unserer Quellenerkenntnis absteckt. Paul Lehmann: Akabjah 110 s/ (Grossquart), Hendel, Halle 1909. Akabjah war des Buches Name, wovon berichtet wurde. Ich־ horchte auf. Von einem Akabjah habe ich einst gelernt, der sich seinen Bekennermut durch keine Verlockungen rauben lassen wollte, und sollte er darum vor den Menschen als ein Tor gelten: von einem Akabjah, dem Gegner der Verwandtenempfehfung, der seinem Sonne die Mahnung mitgab: Deine Taten werden dich empfehlen, deine Taten allein können dich unmöglich machen. Ist der Akabjah Paul Lehmanns von gleicher Abstammung? fragte ich mich. — Nun, dieser Akabjah kann in seiner Arbeit kein Genüge finden und grübelt über das Menschen Los und kann die Arbeitsfreude nicht mehr finden. Aber der greise Assja (der Essäer oder Arzt oder Beides zugleich) soll ihm seine Sehnsucht nehmen oder deuten. Er lehrt ihn dieses Gefühl als Vorzug ansehen, er mahnt ihn, in diesem bunten Weltgewirre das Gesetz zu erkennen. So kehrte Akabjah geheilt zu den Seinen zurück. Er geht hinaus und sieht einen Sämann in seinem Tun, Hoffen und Sorgen, worin er das Bild des Menschenstrebens erkennt. Zu gleichem Tun mahnt er die Menschen und lehrt sie die Verschiedenheit des Bodens und die Kraft der Pflanze erkennen und in diesem Spiegelbild die efgene Kraft schätzen und bewahren und einander in der unendliehen Verschiedenheit ihres Wesens zu achten. So entsteht aus vergangener Tat das Zukunftsleben, wobei im Nehmen und Geben Alle gemeinsam Ewiges schaffen lernen. Der verstorbene Jüngling hat selbst die uugünstige Zeit benutzt, hat mit seiner Kra_ft ein Teilchen Zeit gefüllt und machtherrschend Schriftzüge der Ewigkeit aufgetragen, dem Keime der Vergangenheit entstammt. Jedes Wesen hat seinen Machtraum und achte den Machtraum des Andern* wie verschieden sie seien!

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