Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 5. (1909) · p. Seite 131

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 5. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492408-8773722-8773728--3840-4858897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

131 71—88.) Hier honnte ich für Reim, Stab־eim, alphabetische Ordnung und Zahlenmischna eine weit ent״ schiedener erkennbare Fülle von Einzelheiten beibringen, als dies den Erforschern der biblischen Metrik gelungen ist. Dabei brauchte ich mich nicht luf allgemeine Voraussetzungen zu stützen oder dieselben in das alte Werk hineinzutragen, sondern kennte für jede Annahme so und so viele Beweise aus der Mischna selbst beibringen, und es fügten sich diese Einzelheiten wie von selbst der Gesammtdarstellung ein. Nachdem ich den Anfang des r lischnischen Schrifttums in der. uns überlieferten Zusammen- Stellung etwa in die Zeit Alexander Jann< is oder vielleicht gar in die letzten Jahre Johann Hyrkans hatte verlegen können, wodurch die miscl mische Zeit bis zum Jahre 106 v. Chr. hinaufrückt, während die zweite Schrift spätestens von Schema a und Abtalion, den Zeitgenossen Antipaters, herrührt (s. § 89—90, II. T. S. 9 — 16), hätte ich meine Aufgabe für erledigt angesehen, wenn ich nicht durch die Beweise, dass jüngere tannaitische Bestandteile sich inmitten der Mischna von jenen älteren genau abzeichnen, jeden Zweifel an der Richtigkeit meiner Entdeckung hätte beseitigen wollen. Diese Begründung macht aber einen vollständigen zweiten Teil aus, eine geschiehtliehe Fortsetzung, die mich bis zu Rabbi t ikiba, also bis zum Anfänge jener grossen geordneten Mischna- Sammlungen führt, von wo aus der letzte Ausläufer des tanaitischen Strebens beginnt. Es ist das um so wichtiger, als.man unsere Mischna, ab jesehen von Dr. Hoffmann, der etwa ein halbes Jahrhundert vor den Fall Jerusalems zurückgeht, höchstens dem Zeitalter Rabbi Akibas zusebreibt und es für gewagt hält, weiter zurüskzugreifen. Man fat füf diese Annahme freilich auch nur rabbinische Beweise; nun, aus denselben Quellen stammt u nse re Auffassung, die ebensowenig wie die bisherige sich als unanfechtbaren Glaubensartikel ausgibt, sondern geprüft werden will, bevor man sie abweist. (S. den 2. Teil dieser Schrift und die Einleitung z i unserem ״Die Mischna“.) Die an Hilleis und Sciammais, wie an ihrer Schüler Namen sich knüpfenden Teile, die von ihnen getragenen Sedarim oder Massechtot konnten sich nur als weit jüngere Bestandteile jenes uralten Baues erklären lassen. In der ersten Mischna, die auf schrifgemässem Zusammenhänge weit mehr beruht, als auf Aneinanderreihung innerlich verwandter Gesetze, kamen Bet Hillel und Bet Schanmai nicht vor. Wo sie auftreten, da herrscht eine durch die Gleichheit der Gegenstände bedingte ir nere Ordnung, zu welcher ihre Vorgänger sich nur hin und wieder durchgearbeitet hatten. (II. T. S. 16—20.) Ihre ordnende Tätigkeit liess sich’ durch einzelne an erkennbarer Stelle befindliche Merkmischnas bestimm en worin sie die von ihnen gescraffenen neuen Ordnungen dem Gedächtnis einzuprägen bemüht sind. Auch sie tragen nur die streitigen Punkte vor, während sie alles andere als selbstverständlich auf sich beruhen lassen. (II. T. S. 21 bis 37.) Bis zur Zerstörung des Tempel! treten die Gesetze über Mein und Dein,, über Gläubiger und Schuldner nur soweit auf, als der oberste Gerichtshof augenblickliche Verordnungen darüber erlassen musste, während die thoramässigen -Bestimmungen noch keine Erörterungen wachgerufen hatten. Gerade nach der Zerstörung des Tempels zeigten sich mir alle Lehrhäuser von Hai a’c hot־ des Reinheit s- und Opfergesetzes erfüllt, sodass diese Zeit die letzte Hand an tjie Kodoschim- und Toharotordnung gelegt haben mag, um einen Ersatz für den gesunkenen Tempelgottesdienst zu haben. (II. T. S. 37—53.) Ganz zuletzt scheint erst das Mein und Dein im bürgerlichen Gesetze behandelt worden zu sein (II. T. S. 53—68), und ich glaube Belege dafür geboten zu haben, dass die Zeit Rabbi Ismaels und Rabbi AI ibas sich mit diesen Halachagebieten ganz besonders beschäftigt hat. Ergebnisse dieser Wirksamkeit sind die grossen, an der Spitze der Ordnungen stehenden, von Nebendingen fast oder ganz freien Triktate, die uns den Ordnungssinn und die scharfe Folgerungskraft der Tanaiten auf ihrem höchsten Gipfel zeigen. Hier ist die Darstellung'des Gesetzes schon Selbstzweck, werden die Streitpunkte nicht mehr einseitig hervorgehoben, möglichst wenig Gebiete für selbstverständlich angesehen, vielmehr soll dem entscheidenden Rabbinen ein übersichtliches Gesetzbuch in die Hand gegeben werden. Die Mannigfaltigkeit der Darstellung hört hier auf, die Mischna hat ihr jugendliches Aussehen verloren, sie ist dafür aber auf dem Höhepunkte ihrer Gedankenentwicklung angelangt (II. T. S. 69 -85), von wo aus unsere späteren Arbeiten bis zum Abschluss der Mischna und bis zur Feststellung ihrer nachtanaitischen Bestandteile führen werden. (S. unsere ״Mischna“, besonders die ״Einleitung“ und die in der Behandlung der Traktate jedesmal angegebenen ״amoräischen Bestandteile“.) t In der Darstellung habe ich mich der grössten Schlichtheit beflissen, am liebsten die Tatsachen für mich sprechen lassen und nur dann, wenn die Fülle der Einzelheiten meine Arbeit zu überwuchern drohte, habe ich mich zu einem Ueberblicke erhoben, glaube aber nie mehr gefolgert zu haben, als die vorangehenden Wahrnehmungen mir gestatteten. Indem ich stets die Fragen vorausgeschickt habe, wollte ich von vornherein den Geist dei Leser garnicht für meine später gebotenen Ergebnisse einnehmen. Um so notwendiger ist es, dass dieselben das Ganze lesen, ehe sie zu einem Urteile sich verstehen, denn es kann bei dieser Anordnung leicht der Fall sein, dass die ihnen sonderbar erscheinenden Bestandteile des Buches auf der nächsten Seite schon ihre Erklärung oder Ergänzung finden. Die Ge.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.