Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 32 (1909-1910)
- Issue
- No. 4. (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
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126 Sowohl der Nesanne Taukef, als das dies irae haben ihre Kraft dem Stoffe zu verdanken. Denn sie behandeln die von der Religion verkündeten Wahrheiten einfach und ungeschminkt, in grossen allgemeinen Umrissen, und diese Selbstverständlichkeit, die einen Dichter völlig auszuschliessen scheint, verleiht der Darstellung die einfache Grösse und die ungesuchte Wirkung, welche von der Kunstdichtung niemals erreicht werden wird. פחי ופסי פסק מ שאל ברא גד חטי אבוהי רחיים עבדא דפרד פרה תאב II. Mache umasse. Dies bekannte Stück aus dem Selichot scheint mir im ersten Teil (1—7) trochäisch zu sein, wie etwa die Viersilber (Tetrasyllaben) des Syriers Ephraim. Man vergleiche damit etwa Opera Ephraemi 3. Teil No. 67. נישא דקושטא סיס בכתבא שבקוהי פלעא דשריו שדין Von Vers 7 an haben wir Anapäste mit Daktylen gemischt, etwa nach Art der Parodos in den Tragödien. Während die Trochäen nur annähernd die Regelmässigkeit der syrischen haben, so ist der zweite Teil dagegen ganz regelmässig. Saalschütz und Bikell nehmen trochäische Betonung selbst für die hebräische Metrik an; für die syrische und aramäische ist einfache Silbenzählung ohne Rücksicht auf Silbenlänge anzunehmen. Allerdings müssen die eingeklammerten Worte als Einschub betrachtet werden. Hat man einen Einfluss der syrisehen Kirchendichtung etwa auf Kalliri angenommen, wo nichts daran zu merken ist, so lässt er sich in Dichtungen, wie die vorliegende, nicht nur vermuten, sondern nach weisen. פפית ופחי לחיי עלפא אבוהי לקית פסי לכיביה נפק בסולר ותבר קולרה בדך בוכרך אנן וחטינן קפך הא רוי נפשן בנידין פררין עבדך אנן ופרדינן קפך (חא בפתא הא בשביתא הא בפלקיותא) בפטו פנך ברחפך דנפישין אסי לכיבן דתקיף עלן עד דלא נועי גפירא בשביא In nächster Zeit werden wir mehrere Stücke dieser Art bringen können. Besprechungen. Ueber biblische Metrik. (Fortsetzung.) Dr. Joh. Döller, Rhytmus, Metrik und Strophik in der biblisch - hebräischen Poesie. Paderborn, Schöningh, 1899. Cobb, A criticism of Systems of hebrew metre; Oxford, Clarendon Press, 1905. Bei der Fülle von Versuchen, der hebräischen Dichtung der Bibel ein strenges Metrum unterzuschieben, wird es dem Einzelnen nicht leicht sein, sich einen Ueberblick über das Ganze zu verschaffen. Das an sich enge Gebiet, das so viele Versuche, von einander so verschieden und doch wieder einander so gleich, über sich hat ergehen lassen und über sich weiter wird ergehen lassen müssen, kann bei dem Versuche des Einzelnen, sich alle diese Dinge anzueignen, ihn zur Verzweiflung bringen. Da ist es sehr verdienstvoll, einen Ueberblick über all’ diese Versuche zu bieten. Wir weisen zu diesem Zwecke auf zwei ältere Arbeiten hin, die den Vorzug eines nicht zu grossen Umfangs haben. Beide sind Ergebnisse von Preisausschreiben, und es ist traglich, ob sie ohne dies hervorgetreten wären. Cobb bietet zuerst eine Einleitung, worin er uns eine Anzahl verschiedener Versgebilde der biblischen Dichtung vorführt. Dann beginnt er mit Bellermann, Saalschütz, geht zu Ewald und Emst Meier, dann auf Ley und Budde, auf Bickel! und Müller, auf Grimme und Sievers über. Zuletzt kommen die Ergebnisse. Hat Cobb eine geschichtliche Aneinanderreihung der Forscher versucht, so ordnet Döller sie nach inneren Gesichtspunkten. Zuerst behandelt er den Rhytmus, dann das Metrum, bekundet also im Gegensätze zu manchen Anderen eine Verschiedenheit dieser beiden Gebiete, bringt die Ansichten der Alten darüber; dann kommen die Sylben z ä h I e r, dann die Sylbenwäger. dann die Vertreter der Tonsilbe an die Reihe, dann die Forscher, die Wortton und Sylbenlänge zugleich betrachten wollen. Nachdem Döiler Gründe gegen ein Metrum angegeben hat, kommt die Lehre von den Strophen heran. Das Döllersche Werk tritt anspruchslos, in sicheren Umrissen auf, während Cobb selbstbewusst, ohne recht klaren Plan an die Arbeit ging. Cobb muss auf Schritt und Tritt geistreicheln und jede angegebene latsache mit mehreren Saucen begiessen; oft erregt er den Verdacht, als wenn er während der Arbeit erst in die Quellen hineingeblickt und seine ersten Wahrnehmungen uns nicht erspart hätte, während Döller sofort in medias res tretend uns mit wenigen sicheren Strichen die einzelnen Ansichten vorführt. Hat sich Cobb der zufälligen Folge der Geschichte überlassen, so hat Döller, indem er nach inneren Gesichtspunkten die Versforscher aneinanderreiht, schon d adurch dem Leser das Geschäft sehr erleichtert. Natürlich hat Cobb einen Preis bekommen und Döller nicht, denn — et habent sua fata. Beide sind in ihren Ergebnissen starke Zweifler an den Erfolgen dieser Forschungen; sie scheinen einen Rhytmus anzunehmen, ein Metrum dagegen abzulehnen und haben die Hoffnung auf die jemalige Erforschung des biblischen Versmaasses aufgegeben. Wir würden Cobb bei einer zweiten Auflage grössere Klarheit und mehr Zielbewusstsein wünschen; Döller gegenüber haben wir das Verlangen, er möchte seine Arbeit bis über die Neuesten ausdehnen, dann aber sein Verhältnis zu den Streitfragen zwischen Zenner und Müller genau klarlegen. Eine Fori- Setzung in dem angedeuteten Sinne würde einen wahren Fortschritt bedeuten. Wilhelm Erbt, ״Elia, Elisa, Jona“, 87 S., Leipzig, E. Pfeiffer 1907. (Auch unter dem Titel: Untersuchungen zur Geschichte der Hebräer, Heft 1) 4 Mk. Wie die biblische Metrik zur Quellenscheidung benutzt wird, zeigt die kühne Verbindung zwischen den Königsbüchern und dem Buche Jona, oder zwischen Teilen beider Gebiete, welche Erbt herstellt. Erbt steht in der Auffassung der althebräischen Geschichte auf Winklers Schultern; assyrische Quellen sollen die Bibel belichten. Als besonders geeignet dazu wählt Erbt die Geschichten von Elia und Elisa dazu und Einiges aus Jona, der doch nach Assyriens Hauptstadt zu wandern nat.