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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 3. (1909) · p. Seite 118

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 3. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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— 118 — Besprechungen. Ueber biblische fletrik. So fällt unser Auge nUn auf: (Fortsetzung) Zapletal, Das Hohelied, VII und 152 S. Freibürg, Schweiz, Universitätsbuchhandlung 1907. Paul Haupt, Bibi. Liebeslieder LVI und 135 S. Leipzig, Hinrichs. Trotz seiner Anerkennung der kirchlichen Lieber- Iieferung kennt Zapletal die Aengstlichen, die ihm seine ägyptischen und arabischen Vergleichsstellen, ja, die Sammlung biblischer verwandter Züge verdenken werden, trotzdem er durch die letzteren die bildliche Erklärung stüzt. Vogelstraussweissheit verachtet Zapletal und bittet seine Beorteiler, seine Schrift erst zn lesen. Bravo! Der Satz, eine Folge böser Erfahrungen, Ist ein ganzes Buch wert! Schir haschirim übersetzt Vf. mit ״schönstes Lied“, damit Akiba’s Ausspruch in Jadaim rechtfertigend. Einteilung und Metrum: Braut lj -4 (Metrum 3 u. 3) und 5—6 (3 u. 2), 17—8 (3 u. 2) Beide (Wechsellob): 19—17 (3 u. 2) 21—j (3 u. 2) Braut (liebeskrank). 2«—7 (3 u. 2) Liebeswerben 28—10, 14 (2 u. 2) Bräutigam: 3“—18 (2 u. 2) Liedchen (Füchse etc.) 215 (2 u. 2) Braut, hingebend 21*,17 (2 u. 2) sehnsuchtsvoll 3•—5 (3 u. 3) Königssänfte, Brauteinholung 3®—8 (3 u. 2) Bräutigamsthron und -Krone 39—11 (2 u. 2 u. 2) Bräutigam 4t—'' (3 u. 2) 8 (3 u. 3) 9—» (2 u. 2) 12 u. 16 d (2 u. 2) Braut 4י* ef (3 u.3 ־) Bräutigam 5*a—d (3 u. 3) Trinket! 51 f (3 u. 2) Bräutigams Schönheit 51—68 (3 u. z u. 2 u. 2) - Schönheit der Braut fr—7 (3 u. 2) Fortsetzung 7'—6 (3 u. 2) 77—111 (3 u. 2) Sehnsucht und Hingebung 72) 14—״ u. 2) Braut 8*—4 (3 u. 2) Bruchstücke 8* a b (3 u, 2) £&:—e (3 u. 3) Macht der Liebe 86,7 a b c (3 u. 2) Bemerkung 87 d (Prosa) Braut als Festung 8*—18 (3 u. 1) als Weinberg 11—18 (3 u. 2) soll singen 8'• (2 u. 2 u. 2) Bräutigam als Gazelle 814 (2 u. 2) Nach Origenes Anregungen hat Wächter 1722, ebenso Jakobi 1771 und Franz Delitzsch das Ganze als Drama genommen. Dass ausser Sulamit und Salomo noch ein Hirte als Bräutigam hineinmusste, bewirkten Ewald, Oettli, Rothstein, Smith, Driver und Bruston. In Wirklichkeit ist das Hohelied eine Liedersammlung, die allerdings auf denselben Gegenstand Bezug hat. Zapletal hat eine Fülle Beziehungen zum Wortlaut des Hohenliedes in ägyptischen und arabischen Liedern gefunden und führt Wetzsteins ״syrische Dreschtafel“ an, worin syrische Hochzeitsbräuche beigebracht werden. Danach hat Budde das Hohelied als Textbuch einer palästinischisraelitischen Hochzeit angesehen, worin die gesetzliche Liebe eines Gatten zur Gattin geschildert wird. Zapletal gibt vorsichtig nur das zu, dass diese Hochzeitsgebräuche auf das Hohelied viel Licht verbreiten. Und er gibt selbst eine Masse solcher Züge an, auf welche gestützt schon ein Origenes das Hohelied ein Carmen nuptiale nannte. Theodor von Mopsuesta verwarf die bildliche Deutung und wurde, vom Conzil zurückgewiesen, zumal er das Hohelied als Spottgesang aus dem Kanon ausschliessen wollte. Aber die Ehe als Grundlage des Menschentums kann kejne unzüchtigen Bilder bieten; im Judentum ist die Ehe eine Pflicht; indem man die Reize der berechtigten Ehe schilderte, wollte man den Jüngling, wie Halevy meint, vor Verführung schützen. Es liegt in den Verhältnissen des Ostens, dass ganz offen von Nacktheit und von der Begattung gesprochen wird. Ausserdem kommt das Lob der körperlichen,Schönheit öfter im alten Testament vor. Demnach kann man die Bilder des Hohenliedes nicht für unzüchtig ansehen. Die Bildlichkeit des Ganzen findet in Hosea 1—3, Jeremia 2• 3. Hesekiel 16. Jesaia 50, 62 4,5, 121 ihr Spiegelbild. ln neuester Zeit hat das Naturleben den Stoff zu den Deutungen hergeben müssen, und das ist, wie alles derartige, mit leichter Mühe hergestellt worden. Die in d<*r Sammlung vereinigten Lieder können einem einzigen Dichter angehören, der nach der Ueberlieferung Salomo, nach den sprachlichen Zeichen ein Späterer, nach Halevy 340 v. Chr., nach Budde im 2. Jahrhundert lebt nach Grätz von Theokritos beeinflusst, nach Rothstein ..i durch den griechischen Geist überhaupt. Keineswegs will! Zapletal sie in das Nordreich verlegen. Er entscheidet selbst! nicht! Nach diesen Voraussetzungen gibt Vf. den hebräischen j Text mit Erklärung und Uebersetzung. Er behandelt den Text weit schonender als Rothstein, ohne sich von gewalt- ' samen Eingriffen fernhalten zu können. Die Notwendigkeit paarweiser Strofen hat auch i h n veranlasst, wirksame Schlusssätze, wie lsc l4c 16c zu streichen, gewiss um keine! Fünfer aufkommen zu lassen. Dieser Zug geht durchs ' ganze Buch. Dass beim Gesänge 115 •הנך יפי wiederholt wurde, wie wenn bei uns das Zeichen :,: steht, muss Ver- fasser für unmöglich halten, wie etwa das p לא im ersten! Psalm beim Griechen. Sobald aber der hebr. Wortlaut pnij getastet wird, erfasst den vorsichtigen Beobachter ein :! Schrecken, und er sieht nicht ein, was auf solchem Wege gewonnen wird. 1 Für uns hat das Zapletal’sche Buch den Wert, uns ,I den gläubigen Forscher zu zeigen, der trotzdem schöpferisch | in der Wissenschaft wirkt, ihr ganzes Gebiet überblickt, das Verwandte aus anderen Wissensgebieten einfügt und verj* wertet. So haben wir’s in unserem Nachtrage zu ״Zurück zur Bibel 1“ geahnt, und in derartigen Schriften dürfen wir | eine glänzende Bestätigung unserer damaligen Annahme sehen. Es wirkt erhebend und beruhigend, zu bemerken, dass die vom Herkommen gezogenen Grenzen dem echten Forscher kein Hemmniss bieten, während die strenge i Wissenschaft wiederum, recht verstanden, der Ueberlieferung durchaus nicht feindlich gegenübersteht. Wer’s redlich meint, darf im Lehrhaus und Im Gotteshaus wirken. Kommen wir zur Haupt’schen Behandlung, so zeigt das Buch uns schon äusserlich das Prachtkleid, das amerikanischen Hervorbringungen eignet. H. greift auf Göthe’s und Herder’s Uebersetzungen zurück. Und das ist gewiss angebracht angesichts des Umstandes, dass diese beiden Grossen die Bibel zum ersten Male haben in menschlicher Sprache reden lassen und sie im Rahmen geschichtlichen Lebens betrachtet haben. Herder sah im Hohenliede weit-! liehe Liebeslieder,, sechs Auftritte fand er im Buche, aber i er fasste es nicht als Drama, Singspiel oder Oper auf. I Herder wie Göthe begeisterten sich für die Unschuld und Zartheit dieser Liebeslieder. Herders metrische und strofische Gliederung des Buches ist besser, alsdie Göthesche. Herders im Einzelnen verfehlte Erklärungen lassen den Leser immerhin etwas denken. Der geschichtliche Hinter- I grund gehört nach Herder der salomonischen Zeit an.! Haupt versetzt das Hohelied in’s Jahr 312 und lässt es in Damaskus entstanden sein. Er scheint S. Xlil auf '■ Grätz, der Theokritos als Muster der Lieder ansieht, doch ׳! schliesslich zurückzukommen, allerdings in der Umkehr des;1 SatzeL so dass die Bibel dem Theokritos Vorbild geworden! (vgl. Franz Delitzsch). j Das Frühlingslied (Nr. X) besteht aus dreimal füni | Halbzeilen; sonst gibt es hier nur Strofen von vier Halb- 1 zeilen von je drei, nur ausnahmsweise zwei Hebungen, zwischen denen höchstens drei Senkungen Vorkommen, während bei vieren eine übergangen werden muss. Doch können auch zwei Hebungen wirksam zusammenstossen. Die Begründungen, welche Haupt in der reichhaltigen Fülle der nun folgenden Bemerkungen für seine geschiehtliehen und metrischen Auffassungen bietet, halten sich fern von Kleinlichkeit, wie von den verwegenen Künsten der Neuesten. Die Ordnung des Ganzen ist: I. Der Brautzug. 36—11. II. Schwerttanz der Braut mit Schilderung ihrer Reiz« 69 a d b c, 1s, 71, 7, 5, ,, 9, 6, . b, ־ a. III. Die Brüder der Braut. 61,; 710; 21; 15; 16; 86,9,11—״,s.« IV. Ausser dir verlange ich nichts weiter in der Welt. 811, 1,; 67, 8• V. Ich will dich schützen vor allen Gefahren. 4,8 ׳ VI. Schönheit der Geltebten. S2, 39, 4, 5a d b c, 5?. 1 17, 9, 1.1, 11, 12 a d c, 13: 51,—16.

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