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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 3. (1909) · p. Seite 119

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 3. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
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<b rd VII. Die Braut speist den Bräutigam am Tage na! flOCbZeit. 1|8, 17; 23—6; 11*—i«; *—4; 21g, 17, 7. VIII. Die Reize der Geliebten. 41—4; 10, 10; •16 ,14 ,413 ,18 ,12 ,״1 IX. Der Lustgarten der Braot. 417, 7n,!3; 6!0 X. Liebesfrühling. 2s, 9b, 10—14, j. XI. Weide deine Zicklein. 17, s. XII. Omnia vincit Amor. 31—4, 86, 7• Wenn dies eine Znsammenstellung des Gleicha und zeitlich Aufeinanderfolgenden in der Handluuj Hohenliedes sein soll, so lassen wir die Zusammensf als ansprechend gern gelten. Wenn dies aber der urs. liehe Zusammenhang des Hohenliedes sein soll, so er'lH wir uns dagegen. Da sind uns GÖthe und Herder mit Achtung vor der Urform doch lieber. Zur Budde’schen Ansicht über das Hohelied u Dreschtafel Wetzesteins scheint sich Haupt nicht freuh zu stellen; doch nennt er S. 23 (Bern. 8) den Koni«; Hochzeitsfestes in der Königswoche der 7 Tage. Die ist die Königin. (S. 24). In Aleppo ziehen nicht 60״ Helden“, sondern 100 bis 160 Krieger mit Schwedt Schild dem Bräutigam (Salomo) voran. Der ״Apirjon‘ innert an die Sänfte, in welche man die Braut steigen (S. 25) Die Mutter setzt dem Bräutigam einen Krarz (S. 25). Auf Wetzstein greift Haupt (S. 27)' mit dem Ser־־ inz der Braut zurück, den man in Palästina findet. .,at die Braut bei diesem Tanze hölzerne Stelzschuhe : schön ist dein Gang iu den Schuhen!“ Die Alraunb|e1 werden von den Arabern zu Liebestränken benutzt (t; Apfel, welche Frucht in Palästina gern durch andere wird.) (S. 65.) Mit solchen und ähnlichen Bemerkungen be Haupt den Text des Hohenliedes und bringt dadurch Erdgeruch in die vorzeitliche Dichtung hinein. Jeden zehen seine Arbeiten auf die Früheren, auf Wetzsi Budde, Siegfried zurück. Durch solche Beleuchtungen tritt die Bibel i mehr aus ihrer Sonderstellung hervor, wird allge menschlich auch in ihren Bildern und Verhältnissen, durch wird sie noch machtvoller und wirkt noch gew auf die Leser unserer Zeit. (Fortsetzung der 49—11; 4!a; 61 tigen des;tfellung fjrüngären ihrer (tapu Schöngeistiges. Schuss-Mannheim. Schamsche. Roman aus jüdischen Gemeindeleben. Selbstverlag 1909. Selbstverlag — Roman — das könnte dem Beul den Zuschnitt von vorn herein verderben. Aber wir Wi dass die Erfolgreichen auf dem Büchermarkt nicht i r — 119 — die dlich des raut etwa und erlässt. auf wert- S. 31 Wie eren ach, setzt gleitet den falls tein, Timer ■nein- Dailtiger ölgt.) dem 2 S. teiler ssen, Timer 26: die Berufenen sind, und dass Buchhändler und Bühnenleiter beim Abweisen von Erstlingswerken oft nur Menschen sind, und'wenn sie’s nur sindl Wenn Hamlet vernichtet wird, weil er den Racheauftrag seines Vaters unmöglich ausführen kann, so wird unser Schamsche ein grosser Kaufmann, weil er das Recht seines Vaters gewahrt nat . Und dieser Vater war kein Halbgott, wie der alte Hamlet, er war nicht einmal ein P o 1 o n i u s — er war ein Nichtstuer, ja ein Dauertrinker. Und es handelt sich nicht um Thron, Gattin und Leben, wie im Hamlet, sondern um das Recht, den Hawdolohwein für die Synagoge liefern zu dürfen; Levi, der Dauertrinker, hat sein Haus so weit heruntergebracht, dass die Frau das Recht auf Hawdolohweinlieferung preisgibt, und der Vorsteher vergibt es gegen die Verpflichtung, einen silbernen Becher zu stiften, an den reichsten Kaufmann des Ortes. Aber Levi ruft seinem kleinen Buben Schamsche zu: ״Schaff unserem Hause die Hawdolohlieferung wieder!“ Und der kleine Schamsche, der sich für ein paar Pfennige — er brachte sie getreulich der Mutter — von seinen Schulkameraden hatte prügeln lassen, wird ein Hausierer, dann ein Jahrmarktsfahrer, endlich ein tüchtiger, grosszügiger Kaufmann, der dem jetzigen Inhaber des Hawdoloweinlieferungsrechts seine Kundschaft abnimmt. Der stolze und eigensinnige alte Mann ist gezwungen, seine Tochter Miriam dem Schamsche zu geben; als Mitgift erhält er das Hawdolohweinlieferungsrecht. Mit dem Verlobungsfeste schliesst in alter Weise die Erzählung. Aber so einfach, wie wir das hier umreissen, geht es nicht. Die Gestalten des alten Dauertrinkers, des Vor- Stehers, des alten Kaufmanns, der armen Mutter Beile, der gütigen und milden Gitel, der beiden Miriam und Gelle im Frauenkampf um die Liebe — die müssen in ihrer Greifbarkeit genossen werden. Und dabei ist die Geschichte ohne zuviele Ausrufungszeichen in ganz lesbaren, sprachlieh deutlichen Sätzen geschrieben, ohne neueste Tiefbohrungen — aber mit einer seelischen Vertiefung, die vollkommen in die Handlung umgesetzt ist. Und dabei ist Verfasser ein Kenner des jüdischen Schrifttums, der alten Minhagim, ja, des Talmud selbst, und die von ihm geschilderte Gemeinde versteht etwas. Mein Gedanke führt mich immer wieder zu Judaeus hin: Es ist wohl derjenige, der hier Schule gemacht hat und sein Jünger ein begeisterter Leser seiner Bücher, macht ihm alle Ehre. Möge schneller Wegkauf dem Selbstverlag ein Ende machen, und möge dies Buch den Platz in der jüdischen Erzählungsliteratur einnehmen, der jetzt noch manchen anspruchsvoll sich gebenden, äusserlich aufgeputzten und dabei innerlich leeren Hervorbringungen überlassen ist. Louis Lamm, Verlagsbuchhandlung 1 Berlin C. 2 flekdmann, A 0e$d)id)te der 3uden in Brandenburg a. d. fiauel. 1906 4 fflk., 1;eb. 5 fflk. L J

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