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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 1. (1909) · p. Seite 99

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 1. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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— 99 Heinrich IV., Jerobeam, Ahab, JVUnasse, Jojakim — sie haben eins verstanden: Nachdem sie in den Besitz des Thrones gelangt, sich in dessen Besitz und in ihren Grundsätzen, oder beim Wechsel derselben durch Erlangung besserer Grundsätze wiederum oben zu erhalten — mit welchen Schwächen und Fehlern, gleichviel! Der Staat gerät nicht stets in's Schwanken, man weiss, worauf man zu rechnen hat, an das Heute setzt sich das Morgen an, und die unzähligen Lebenstriebe und Be- Strebungen können sich besser fortbewegen als wenn grundsatzlose Schwäche in das Staatsleben eingreift; dann wird alles gehemmt. Ein folgerichtig herrschender Tyrann war in der Geschichte zur Erhaltung des Ganzen für den Augenblick noch immer brauchbarer, als ein haltlos schwankender Empfindungsmensch, selbst wenn er Menschen fr eund war. Jene erhielten sich, und wenn auch oft nur bis zur Stunde ihres gewaltsamen Todes, aber bis dahin herrschten sie; diese haben die Zügel nie in der Hand gehalten, ihr Staat wurde der Tummelplatz der wildesten Leidenschaften, und das Rad der Geschichte ging über ihre Empfindsamkeit hinweg. Weder die Bibel, nodh Shakespeare können und wollen Tatsachen entstellen; sie müssen Tatsachen zeigen, Weltgesetze vor uns «,ufrollen, ob sie uns gefallen oder nicht — gleichviel! Wer herrschen will, verzichte' auf das Glück des Einzelmenschen, er findet es in der Pflichterfüllung. Wenn schjon das Schlimme durch Folgerichtigkeit Gutes bewirken kann, um wieviel mehr das Gute! (Fortsetzung folgt.) I Don Die anthropologische Stellung der Juden Otto Mendelsohn. (Schluss) Den Uebergang zu dieser Gruppe bildet die Zuckerharnruhr, welche zum Teil auf nervöser Grundlage beruht. Professor Frerichs hat unter 400 Patienten, die er an Diabetes behandelte, 100 und 2ב#|" bei Juden beobachtet. Das rein sittliche Familienleben, das die Juden führen, hindert eine Erwerbung geschlechtlicher Krankheiten, wenigsten bei den Verheiratet! m. Die Mässigkeit im Alkoholgenus‘ ist insofern ein Schutz gegen Syphilis, auch für die Unverheirateten, als der Alkoholgenuss die Widerstandsfähigkeit des Organismus gegen Ansteckungen aller Art herabsetzt, sowohl bei Syphilis, wie bei Tub:rkulose. Es kommt hinzu, dass gerade durch das Behaftetsein mit diesen Seuchen und dem Alkoholismus die künftige Generation in sehr nachteiliger Weise anticipiert wird. Die Zahl der Kinder von Syphilitikern und Alkoholikern, die in den ersten Lebensjahren zu Grunde gehen, ist erschreckend gross. Bei Tuberkulose wird nicht die Krankheit an sich, wohl aber die Disposition, Engbrüstigkeit, vererbt. Als Heilmittel der specifisch jü fischen, auf nervöser Konstitution beruhender Krankheiten, empfiehlt Herr Dr. Hugo Hoppe einen mä«sig betriebenen Sport: Rudern, Reiten, Radeln, Schwimmen, Turnen, Schlittschuhlaufen. Hierdurch wirc die heranwachsende jüdische Jugend ihren Körper stählen, und der Verkümmerung der Gestalt ebensc entgegenarbeiten, wie der nervösen Disposition. Betrachtet man den Wert der simitischen Rasse unter ethischem Gesichtspunkte, so ist zunächst zu konstatieren, dass keinem ändert n Volke in Europa, besonders in Deutschland, ein solches Unrecht geschehen ist wie den Juden, welche man schon deshalb als minderwertig (deterioris conditionis) glaubte betrachten zu sollen, weil sie Semiten seien; aber die Semiten hatten schon lange vor Hörner epische Dichtungen gehabt, ein fertiges Ke Ischriftensystem besessen, grossartige Paläste mit kunstvollen, heute noch angestaunten Bildwerken zu einer Zeit schon geschaffen, wo die Deutschen noch in Höhlen und Erdlöchern wohnten und kaum noch mussten, den Feuerstein zu bearbeiten. Die Semiten haben die Buchstabenschrift erfunden, aus der sich erst ein Jahrtausend später alle europäischen Alphabete entwickelt haben; Die Semiten haben in der Zeit des Kulturschlafes der Indogermanen die grossartige Vermittlerrolle geistigen Lebens und Schaffens zwischen Morgen- und Abendland übernommen, die semitischarabische jüdische Wissenschaft in Spanien gelangte im 8. Jahrhundert nach Christo zu solcher Blüte, dass man aus ganz Europa dahin zusammenströmte, um Mathematik, Astronomie, Medizin und Philosophie, Geographie und Geschichte an der Quelle zu studieren. Das vergisst man zu leicht und zu gern. Man braucht nur an Jerusalem, an Tyrus und Charthago, an Bagdad und Granada zu denken, um die kulturhistorische Bedeutung der Semiten in den 3 grossen Zeiträumen ihrer Geschichte zu erkennen. Was sie politisch und militärisch geleistet, zeigen die assyrischen Könige, die ein Weltreich geschaffen und erhalten haben, wie vor ihnen keines je bestanden, zeigen die Kämpfe der Maccabäer, die Kämpfe Carthagos gegen Rom, die Eroberung der Mittelmeerländer durch den Islam. Mögen die Juden in ihrem Kampfe um den Fortschritt, die Gleichberechtigung und die geistige Freiheit die Erinnerung an ihre grosse. Vergangenheit lebendig erhalten, und die Tugenden ihrer Väter, die Mässigkeit und Sittenreinheit sich immerdar zu bewahren suchen, eingedenk des Götheschen Spruches: Was du ererbi Erwirl) es. ürr es zu besitzen! von deinen Vätern hast,

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