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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 11. (1909) · p. Seite 85

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
31 (1908-1909)
Issue
No. 11. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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85 Gemeinheit so entrüstet, dass er schreibt: ״Man weiss nicht, soll man über derartiges Geschwätz lachen oder die Schamlosigkeit, die sich im Niederschreiben solcher Dinge kundgibt, verabscheuen?“ Apion erklärt die Juden für gebo ene Aegypter, um sie damit in der Meinung der Griechen in Alexandria herabzusetzen. Josephus sch ägt ihn nun in diesem Punkt in geradezu possierlicher Art. Gewiss, Apion hält die Aegypter für gering vertig, darum macht er unsere Väter zu Aegyptern und sich, der in der Oase Aegyptens geboren ist, macht er zu einem Griechen. Josephus deckt so die Lügen Apions auf und macht ihn lächerlich. Die Alexandriner haben ihm das Bürgerrecht verliehen; aus Dank schimpft er gegen die Juden, weil die Alexandriner diesen feind sind. Apion behauptet, die Juden in Aljxandrien seien keine Bürger, er bestreitet ihnen das Recht, in Alexandrien zu wohnen. Josephus beruft sich darauf, dass Alexander der Grosse die Juden wegen ihrer Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit nach Alexandrien verpflanzt und ihnen das Bürgerrecht geschenkt habe. Sollte aber Apion ein derartig verliehenes Bürgerrecht nicht für genügend erachten, dann sei er selber, der geborene Aegypter, gewiss kein Alexandriner, kein Grieche, für den er sich doch auagebe. Mit sichtlichem Stolz weist Josephus darauf hin, dass die Nachfolger Alexanders des Grossen in Aegypten, die Ptolemäner, die Juden ganz besonders begünstigt haben, wie sie sie als Feldherrn ihrer Armeen wählten, als Besatzungen in eroberte Städte legten, wie ein Ptolemäer vor allem das jüdische Gesetz kennen lernen wollte und darum die Bibel ns Griechische übersetzen Hess. Auch die römischen Kaiser zeigten sich den ägyptischen Juden gewogen. Hat etwa Apion, so ruft Josephus enfrüstet aus, noch nicht die Säule in Alexandria gesehen und die Inschrift dieser Säule gelesen, auf der die Rechte der Juden,־ die ihnen Cäsar verliehen hat, verzeichnet sind? Wenn nicht, ist er ein ungebildeter Mensch! Wenn ja, dann ist1 er ein Lügner! Die römischen Kaiser haben den Juden alle Vertrauensämter belassen, die ihnen die Ptolemäer übertragen hatten, die Bewachung des Flusses, die Aufsicht über die Besatzung, die Getreideverwaltung. Apion sagt nun weiter, die Juder könnten keine alexandrinischen Bürger sein, weil sie nicht dieselben Götter Wie die Alexandriner vere irten. Schon der alte Judenfeind verlangt, wie wir sehen, den Taufschein als Entree-Billet für die Schaubühne des öffentlichen Lebens. Josephus meint, das könnten die Aegypter am wenigsten verlangen, dass die Juden dem greulicheu Tierkultus der Aegypter zu Liebe ihre reine Gottesverehrung aufgeten sollten, um so viel weniger, als die Aegypter selber keine einheitliche Religion besässen, vielmehr jeder Landstrich seine eigenen Götzen und Tempel habe. Wenn Apion im Zusammenhang damit die Juden als aufrührerisch bezeichnet und mit teuflischer Bosheit ihnen den Patriotismus abspricht, da sie keine Kaiserbilder in ihren Synagogen aufstellten, so zeigt Josephus, dass alle Unruhen in Alexandria von den Aegyptern ausgingen, die, entgegen der bisher durch die Mazedonier und Griechen geübten Toleran;:, die Juaen in der Ausübung ihres Gesetzes hindern wollten. Die Juden verehrten den Kaiser, opfern für ihn in ihrem Tempel, und die Römer seien grossmütig genug, ihre Untertanen nicht zu Ehrenbezeugunger zu zwingen, die ihr Gesetz■ ihnen verbietet, wie in diesem Fall das Aufstellen der Kaiserbilder in den Synagogen. (Fortsetzung folgt.) Einiges über Haasser scheni. Von Rabbiner Dr. I!. A. Rosenthal. Was das Biur anbelangt, so ist man bem iht, die Seraimpflichten auch n a ch dem Fjalle Jerusalems zu erhalten (59). Einen weiteren merklichen Einschnitt hält die Halakha durch AK und seine Schjule. Vielfach sind Jose und Simon hier die Ue£erliefernden. So lässt AK 23,4 (nach Jose alle Toharoth fortfallen, stimmt er für G J 2ז BH zu und vermindert die Wegeslasjt 2a um des Ganzen. Gewiss in AK’s Namen stellt Jose die unreifen Früchte ausserhalb Streitlinie, wie das Gleiche bezüglich des ßiur von ihm 59 ausgesprochen wird. Bei Funden nimmt R. Jose entschieden erden erleichternden Standpunkt ein (4n); über R ibai haben wir ihn schon 53 gehört; er ist es aich, der 515 von der Beseitigung des Zehnten Bekenntnisses und anderen Bestimmungen Johann Hyrkans berichtet. Wenn R. Simon schon 2t in einer Tempelhalakha erschwert, wie auch 2« in Jose’s Namen, (s. 0), so gestattet erden Kauf von Therumah, selbst wenn dadurch die Genussmöglichkeit vermindert wird, gestattet 310 sogar die Auslösung des gekauften, dann unrein gewordenen MS, wie das Beispiel 311 es geradezu besagt! Hier will Jose n i c h t mit Sim gehen; auch ermöglicht er 313, die Gefässe des MS zu benutzen. Wir sehen, wie, da das MS mit dem Tempel gefallen ist, in der Halakha man bestrebt ist, den Verlust der Mizwah weniger herb zu finden, da der Genuss halakhisch immer mehr beschränkt scheint und die Möglichkeit immer mehr offen liegt, grössere Teile des MS der Pflicht des Genusses zu entziehen. Aus der Möglichkeit dieser geschichtlichen Darlegung, die sich, wie wir annehmen, ohne Zwang aus den halak.hischen Tatsachen ergibt, lässt sich für unsere Quellenscheidung, wie auch für unseren Versuch über den Zusammenhang ein günstiges Vorurteil ziehen. Soweit es uns möglich war, haben wir den Pfaden der Tannaiten uns zu folgen bemüht. Ueber das Verhältnis unserer Auffassungen zur Halakha sprechen wir an anderem Orte.

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