Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 31 (1908-1909)
- Issue
- No. 11. (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
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84 zitieren jetzt wieder wörtlich,! — wir hatten keine Gelegenheit, mit fremden Völkern viel bekannt zu werden. ״Wir Juden bewohnen weder ein Küstenland noch haben wir Freude am Handel und dem dadurch begünstigten Verkehr .mit den Fremden, sondern unsere Städte liegen weit vom Meere entfernt, und wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der Bearbeitung unseres vortrefflichen Ackerbodens. Den grössten Eifer aber verwenden wir auf die Erziehung der Kinder, die Beobachtung der Gesetze, wie der durch sie überlieferten Frömmigkeit machen wir zur wichtigsten Aufgabe des Lebens. Erwägt man nun ausser äem*Gesagten noch die Eigentümlichkeit unserer Lebensweise, so ergibt sich, dass keiner von den Anlässen vorlag, welche in früheren Zeiten einen Verkehr der Unsern mit den Griechen hätten bewirken können, wie ein solcher Verkehr der letzteren mit deu Aegyptern durch die Ein- und Ausfuhr, mit den Bewohnern der phönizischen Küste, durch den Eifer im Klein- und Grosshandel aus Liebe zum Geldgewinn entstand. Auch verlegten sich unsere Vorfahren nicht, wie gewisse andere Völker, auf Räubereien und Eroberungskriege, obwohl ihr Land viele Tausende beherzter Männer aufwies.“ Und trotz dieser einleuchtenden Gründe für den Umstand, dass die Juden, weil mit den Völkern wenig in Berührung, naturgemäss nicht viel erwähnt werden, fehlt ihre Erwähnung durchaus nicht. Die Juden werden in den ältesten Urkunden der Aegypter und Tyrier, die sogar ihre Feinde sind, erwähnt, sie fehlen nicht in den Urkunden der Chaldäer, und besonders der Aegypter Manetho, der doch die Juden schmäht — und mit seinen Schmähungen haben wir uns noch zu befassen! — gesteht bewußt oder unkewußt zu, daß die sog. Hirten, die Juden, unsere Vorfahren, 393 Jahre früher aus Aegypten nach ihrem Stammlande zogen, als Danaos, den die Griechen für ihren Stammvater ansehen, nach Argos kam. daß sie aber von auswärts nach Aegypten in einer Zeit gekommen waren, die um fast 1000 Jahre dem trojanischen Krieg, dem ältesten Ereignis der griechischen Geschichte, voraufgeht. Aus den phönizischen Quellen geht hervor, daß 143 Jahre vor der Gründung von Carthago in Jerusalem durch König Salomo ein Tempel erbaut wurde, zu welchem Werke König Hiram mithalf; dieser Tempel aber wurde erst viele Jahrhunderte nach dem Auszug aus Aegypten und nach der Eroberung des Landes erbaut. Und doch will Apion behaupten, die Juden seien nicht älter als Carthago. «(814 oder 846) Auch die chaldäischen Urkunden bestätigen durchaus die Berichte der heiligen Bücher der Juden und sie beginnen mit der Geschichte der Sintflut und Noahs. Aber auch die besseren griechischen Schriftsteller kannten die Juden; indirekt läßt sich dies von Pythagoras, dem großen Philosophen, von Theophrast, Heradot, Chorilas beweiseu. Klearchus, ein Schüler des Aristoteles, lässt seinen Lehrer eine Geschichte mitteilen, aus der hervorgeht, daß er die Juden kannte, und speziell von einem Juden erzählen, dessen Vorzüge, dessen Bildung und Mässigkeit er rühmte. Hekateus aus Abdera habe überhaupt ein ganzes Buch über die Juden geschrieben. Viele Griechen haben die Juden wohlgekannt, aber sie aus unlauteren Beweggründen, so aus Neid und Hass, nfcht erwähnt; das sei z. B. bei Hieronymus, dem Statthalter von Syrien, der Fall, der die Juden nicht erwähnte, obwohl er, sozusagen, in Judäa aufgewachsen war. Nachdem nun josephus diese Haupifrage, der sein Buch den Titel verdankt, glänzend gelöst hat, wendet er sich der Bekämpfung der gegen sein Volk ausgestreuten Verleumdungen zu. Böswillig- . keit und Schmähsucht sei, zumal bei griechischen SchriftsteHen, nichts Seltenes, ja sie hätten sich nicht gescheut, ihre eigenen Landsleute zu beschimpfen, wofür Josephus viele Beispiele anführt. Missgunst, das Streben, Interessantes und Pikantes zu berichten, sei dafür bestimmend gewesen. Zunächst freilich hätten die ägyptischen Schriftsteller das Judentum zu besudeln versucht und zwar aus 2 Gründen; einmal aus Neid; denn die Israeliten nahmen in Aegypten in uralter Zeit und auch in jüngster Zeit eine ansehnliche Stellung ein und auch nach ihrem Anszuge aus Aegygten war ihnen das Glück hold; dann aber sei es der religiöse Gegensatz, der arge Feindschaft erregt habe; denn der Abstand zwischen ihrer und unserer Gottesverehrung ist so gross, wie der Abstand zwischen der Natur Gottes und der unvernünftigen •Tiere, welche die Aegypter verehren. Man sieht, die Judenfeindschaft erwuchs auch in jener alten Zeit aus denselben Ursachen wie heutzutage. Der Hass gegen die Juden hat nun dem ägyptischen Priester und Schriftsteller in die Feder diktiert, wenn er über den Auszuges Begypten die unglaublichsten Lügen verbreitet, so z. B. dass die Juden von den Aegyptern auf Betreiben ihrer Götter vertrieben worden seien, weil sie mit Aussatz und Krätze behaftet gewesen wären. Auch Moses, den sie mit Rücksicht auf seine Weisheit und Tugend gern zu einem ägyptischen Priester machen wollen, lassen sie von dieser Krankheit befallen sein, ein Unsinn, wenn man bedenkt, dass doch unmöglich Moses solch strenge Absorideriingsgesetze gegen Aussätzige gegeben hätte, wenn er sie auf sich selbst hätte *tfnwenden müssen. Der Hass hat aber Manetho, wie die anderen Aegvpter, blind gemacht, sodass sie ■die Widersprüche nicht merken, von denen ihre Lügenberichte geradezu wimmeln. Mit einem gewissen Abscheu geht nun Josephus an die Widerlegung des Apion. Er ist ein ungebildeter Marktschreier von schlechtem Geschmack, niederem Charakter, ein Schwätzer. Allein von der Menge werden Schwätzer eher angehört, als gewissenhafte Schriftsteller, Verleumder eher als Ehrenmänner; die Menge findet an Schmähungen Gefallen; darum muss Josephus sich der Aufgabe, den Apion zu widerlegen, unterziehen, so unangenehm sie auch ist. Was Apion über den Auszug aus Aegypten Neues sagte, sind ganz gemeine Lügen. Apion ersinnt eine neue Krankheit, die unsere Vorfahren beim Marsch in der Wüste sich zugezogen haben sollen, und der Charlatau spielt hierbei vor der Menge die billige Rolle eines Gelehrten, indem er den Namen des heiligen Ruhetages ״Sabbath“ mit dem ägyptischen Namen dieser Krankheit ״Sabbathosis“ zusammenwirft. Josephus ist über diese Unverschämtheit und