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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 11. (1909) · p. Seite 86

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
31 (1908-1909)
Issue
No. 11. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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86 Besprechungen. Dr. theol. Adalbert Schulte, Professor am Klerikalseminar zu Pelplin: ,.Die messianischen Weissagungen des Alten Testaments nebst dessen Typen‘* übersetzt und kurz erklärt. Paderborn, i| Schöningh, 1908, VI und 208 S.! Man ist in den meisten christlich-theologischen Kreisen '■ i unter dem Einflüsse der wissenschaftlichen Zeitbewegungen längst davon abgekommen, im alten Testament das Christentum und sein Werden ausdrücklich vorausgesagt zu sehen. Nachdem das alte Testament um seine Einheitlichkeit und "Göttlichkeit gebracht worden ist, konnte es eine solche Grundlage für die Lehre des Christentums nicht mehr sein, i und man begnügt sich damit, in den Büchern des alten Bundes der Entwickelungslehre gemäss die geschichtliche 1 Vorbereitung für das daraus heirortretende Christentum zu sehen. So stand die Kirche schliesslich den Propheten freier gegenüber, und sie hat von ihrem Rechte mehr als ausgiebig Gebrauch gemacht. Bekanntlich hat der gleiche Geist in jüngster Zeit j unter teilweiser Billigung bedeutender Kirchenlehrer auch ין den Katholizismus ergriffen, sodass von Rom aus zur Erhaltung des gläubigen Sinnes starke Gegenmassregeln!; ergriffen wurden. Am 29. Juni 1908 sind von der päpst- ' liehen Bibelkommission die alttestamentlichen, besonders die messianischen Weissagungen der Wissenschaftj liehen Erörterung entzogen worden. , Verfasser vorliegender Schrift stellt sich auf den Standpunkt dieser Entscheidung und kann sich auch anders nicht stellen,. nachdem die Bedingungen so .gegeben sind. So wenig nun seine Darlegungen dem Geiste ger Wissenschaft entsprechen können, so klar legen sie uns die Geschichte der angewandten Deutung von Stellen und geschichtlichen Musterbildern innerhalb der Kirche dar, und zwar erstreckt sich sein Arbeitsgebiet über die ganze Bibel. Wir lernen hier ganz genau eine Deutungsart kennen, die noch vor wenigen Jahrzehnten die weitesten Kreise beherrscht hat und auf welche i zurückzublicken der vergleichenden Religionsforschung von hoher Bedeutung ist. Da Schulte seinem Gegenstände keine zu engen j; Grenzlinien gezogen hat, so tritt hier ein vollständiges theologisches Gebiet klar und deutlich vor das Auge des Lesers und Forschers, und wieder einmal werden die zahlreichen Beziehungen des alten Testaments zum neuen uns vorgeführt. ן So gibt es für den echfen Forscher (und als solcher j kennzeichnet sich der Verfasser) keine Schranken — er .;. weiss innerhalb derselben doch Erspriessliches zu leisten. המשיח, hebräische Konversations-Grammatik von J. Rosenberg. Verlag von A. Hartleben, Wien VIII u. 184, 2 Mk. Dieses Büchlein hilft einem Mangel ab, der bisher ן auf diesem Gebiete herrschte. Wenn sich auch die Zahl se׳ner Freunde hauptsächlich aus den Reihen der kkademisehen Jugend rekrutieren wird, so dürfte es trotzdem auch von gebildeten Laien, die der Sache die nötige Hingebung widmen, nicht ohne Nutzen aus der Hand gelegt werden. — j Nach Durcharbeitung des kleinen, aber äusserst mannigfachen ן Buches, soll der Lernende in die Lage gesetzt werden, eine kleine und leichte hebräische Konversation führen zu können, oder auch einen kurzen Brief zu schreiben. Der theoretische Teil des Büchleins berücksichtigt in gedrängter Kürze die biblisch-hebräische, die biblischaramäische, die talmudlsch-hebräische und die talmudischaramäische Grammatik, und wäre es diesbezüglich für den Lernenden natürlich von Vorteil, wenn er zum mindesten einige wenige grammatikalische Kenntnisse schon besässe, um dann gleich zu dem praktischen Teil, der wohl der wertvollere von beiden ist, übergehen zu können. In diesem werden kleine hebräische Konversationslesestücke in punktierter und unpunktierter und auch in Raschischrift dargeboten. Der Text dieser Stücke ist jedoch nicht aus der Bibel genommen, wie bei den bisherigen hebräischen Lehrbüchern, sondern der Stoff ist dem täglichen Leben entlehnt, was für diejenigen besonders angenehm sein wird, die das Neu-Hebräische sich aneignen wollen und au^ttZeitungen und Bücher in dieser Sprache zu lesen gedenken. Nun sei noch der Teil erwähnt, in welchem 13 sehr interessante Facsimiles reproduziert sind. Dieselben stellen teils Inschriften, teils Briefe und Urkunden dar, die in althebräischer (phönizischer), Quadrat- und mannigfachen Currentschriften uns vorgeführt werden. Wenn man die Entwicklung der hebräischen Charaktere von den primitivsten Anfängen bis auf unsre heutige schöne Quadratschrift verfolgt,, so kann man um so weniger den Vorschlag des Herrn Verfassers begreifen, die durch die Literatur und Tradition geheiligten hebräischen Buchstaben mit den lateinischen zu vertauschen I Die Eigenart der hebräischen Sprache ginge gänzlich verloren; umgekehrt sind jedoch europäische Sprachen vielfach in hebräischen Lettern niedergeschrieben, weil diese sich der allergrössten Popularität unter den Juden der ganzen Welt erfreuten. Die hebräische Schrift und die hebräische Sprache sind ein nicht zu unterschätzendes Band, das ganz Israel umfasst. Erlernen wir sie wieder mit erneutem Eifer und mit heiliger Begeisterung! Und so möge dieses Büchlein weite Verbreitung finden als Lehrmittel für einen geheiligten Zweck, und viel Gutes schaffen in Israel. Lili Frank Kleine Nachrichten. Der rührige Pfeifersche Verlag in Leipzig setzt die Wünsche’sche Sammlung ״Aus Israels Lehrhallen“ (III. Bd. 1. Hälfte) fort. Voraus geht ein Vorwort über Prophetie, Spätoffenbarungen (Apokalyphk) und Jenseitsanschauungen; I worauf folgt ״Traktat von Grabesleiden‘•, dann ״Fragen des R. Elieser über die Wiederbelebung der Toten“, III. ״Der [ Tag des Gerichts“, IV. ״Gan Edeu“, V. Nachträge dazu, VI. ״von den himmlischen Hallen“, VII ״Die Mauern und Hallen von Gan Eden und seine Bewohner“, VIII .,Das Mahl der Gerechten“ IX ״Das Gehinnom“, X ״Garten Eden und Gehinnom“. Für bezügliche Sonderforschungen e׳n | reicher Inhaiti Im ״Alten Orient“ (10. Jahrgang, Heft 2, herausgegeben von der vorderasiatischen Gesellschaft, Leipzig, Hinrichs) kamen ״Eduard Glasers Forschungsreisen in Südarabien“ von Dr. Otto Weber heraus, wo in gedrängter | Form wichtige Nachrichten geboten . werden, die auf Geschichte und Religionswissenschaft überraschende Schlag-1 lichter werfen. Das Heftchen kostet nur 60 Pfg. Mit aufrichtiger Freude lesen wir im Münchener I Archiv für Rassen- und־ Gesellschaftsbiologie (5. Jahrg. I 5/6 Heft) die Arbeit des auch unseren Lesern wohlbekannten Berliner Arztes Dr. H. L. Eisenstadt ״Die Renaissance der jüdischen Sozialhygiene“. Verfasser kommt darin zu immer | klarerer Darlegung seiner Anschauungen über die Selbsthilfe,־ die dem Judentum zu seiner Erhaltung nottut. Vom Verein Hekize Nirdamim חברת מקיצי נרדמים geht uns folgender Aufruf zu: Allen denjenigen, die vom Judentum und vom jüdi-1 sehen Leben Kenntnis haben, ist es nicht unbekannt, welche ausserordentliche Bedeutung die hebräische Litteratur für die Judenheit gehabt hat. Die Forscher wissen aber auch, dass viele litterarische Schätze, besonders in den Jahrhunderten vor Erfindung der Buchdruckerkunst, verloren gegangen sind, und dass viele wertvolle Schriften aus allen Gebieten der jüdischen Litteratur — religiöse, poetische hisorische u. s. f. — nur in einer einzigen oder in ganz wenigen Handschriften erhalten sind, welche es voll verdienen ans Licht gezogen und zeitgemäss herausgegeben zu werden,, bevor sie, in Bibliotheken verschlossen, vermodern. Es ist deshalb eine heilige Pflicht aller, welche ein Herz für die jüdische Litteratur haben, dazu beizutragen, dass diese wertvollen Schriften ans Tageslicht gefördert werden können. Kritische Ausgaben, I nach den modernen Editionsprinzipen veranstaltet, sind I nötig, damit sowohl die Männer der Wissenschaft — Juden und Nicht-Juden — als auch das jüdische Publikum, das noch die hebräische Litteratur mit berechtigter Liebe um-1 fasst, unsere Geistesschätze kennen lernen.

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