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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1908-01-01 · No. 6. (1908) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
31 (1908-1909)
Issue
No. 6. (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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46 ihrem jetzigen oder früheren Vollwert verbraucht werden soll. Die Rebaisatzungen als denen des MS verwandt setzen die Schulen 5s durch das Verlangen von פדיק und הזטש (S. T. 5!ל) voraus; die des Biur 5« ff, indem sie selbst um תבשיל (ib.) streiten. So bestätigt S unsere Annahme von A* als alt und vermehrt diese Quelle um Satzungen, die als Voraussetzungen vermutet werden müssen. Aber nur in allgemeinen Zügen tritt S vor unser Auge. Besonderes über die Schulen haben erst die Späteren überliefert. Alle tannaitischen Zeitalter von Elieser und Josua bis auf Rabbi und seine Zeitgenossen befassen sich mit S, so dass die späteren Gestaltungen fast ganz auf beide Schulen zurückgehen. Besprechungen. H D. Dr. Max Lphr: Die Stellung des Weibes zu Jahvereligion und Kult. Leipzig, Hinrichs, 1908. 1 (Auch: Beiträge zur Wissenschaft vom alten Testament, herausgegeben von Rudolf Kittel, Heft 4) 54 Seiten, 1,80 gebunden 2,60 Mk. Löhr bestreitet hier Smend und Stade, nach deren Ansicht die Religion Israels nur Sache der Männer gewesen sei. Er hält es in der sehr gründlichen Untersuchung der j weiblichen Namen in der Bibel für voreilig, bei der geringen : Zahl ״gotttragender Namen“ anzunehmen, dieselben seien | bei den Frauen weniger vorgekommen. Auch fehlt bei der j Namengebung die Mutter nicht, besonders in der älteren |1 Zeit; die persönliche Empfindung bedingte vielfach die;ן Namengebung, so dass man bei der ״Lieblichen“ nicht sofort;j an Istar zu denken hat. Die gesellschaftliche Stellung der ״ Frau mag der Gesetzesform nach in der ursprünglichen Grossfamilie niedrig gewesen sein; in der E i n z e I familie,! wo das Gefühl statt des Gesetzes waltete, hob sie sich, i und so sehen wir die Frauen frei waruleln und gehen, Tänze j aufführen, kämpfen, Tempel und Sener besuchen; sie sind göttlicher Offenbarungen teilhaftig, sind Prophetinnen von Mirjam bis zur späten Noadja; dass sie im Recht des Gejj lübdes beschränkt wird, dass man Nasiräerinnen nicht findet, j ist kein Beweis für das Nichtvorhandensein derselben. Dass j weibliche Opfertiere nicht zu viel erwähnt werden, dient j der Schonung der milchtragenden Tiere. Dass bei der WalL ץ fahrt-nur die M ä n n e r genannt werden, liegt daran, dass j1 nur sie etw3sspenden können. Auch von den Leistungen ij für das Heiligtum waren die Frauen, so weit ihre Zustände j! den Tempel nicht verunreinigten, nicht ausgeschlossen. Löhr folgert gegen Smend und Stade, dass in Altisrael dfe־Frau gottesdienstlich gleich dem Manne dastand, dagegen erst in der späteren Priesterreligion und in der talmudischen Zeit vor dem Manne zurücktrat. Soweit ihn die Bibel leitet, geht Löhr sicher;' nicht so, wenn er an Schürers Hand sich über die Zeit der M i s c h n a verbreitet ] Es hätte ihm doch schon merkwürdig erscheinen I müssen, dass die Leistungen der Frauen beim Zeltbau so hervorgehoben werden. Schreibt die Schule diese Stellen nicht P zu? Und mussten die Frauen in P nicht zurücktreten, wenn es bez. der Frauen eine absteigende Linie gäbe wie Altisrael — Spätjudentum — Talmudismus? Wenn Löhr weibliche Nasiräer vermutet, wovon die Thora nicht geradezu spricht — die Mischna hätte es ihm sagen können, die den Traktat Na sir in die Frauenordnung hineingebraclit hat, ״weil auch Fra uen dies Gelübde ablegen“ und es tatsächlich abgelegt haben, wie die Mischna bezeugt. Und sie spiegelt doch tatsächliche Verhältnisse wieder. Die Mischna verbietet den Frauen nicht das Schema, sie g e s t a 11 e t es ihnen und gebietet es nur nicht. Ebenso steht es mit der Semicha beim Opfer; die Mischna gestattet sie den Frauen geradezu, hält sie nur nicht für unerlässlich. Ebenso steht es mit den Tefillin — eine Tochter des Propheten Jona hat sie nach dem Zeugnis des Talmuds angelegt! Der Talmud und der Rabbinismus haben die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der Frau sehr ge- . hoben, und den zwei bösen Urteilen Lightfoots über die Frauen steht neben manchem Tadelworte, manchem Scherzworte über die Frauen (s. ״Fliegende Blätter“!) eine Fülle von herzerhebenden Worten über die Stellung des Weibes gegenüber! Von selbst wachsen nicht Frauen wie Beruria empor. In denkenswerter Weise hat Löhr hier eine Berichtigung Stade’s und Smend’s geboten, soweit es sich um die Bibel, noch mehr um Altisrael handelt. Was die Mischna anbelangt, so versagt Schürer zumeist, weil ihm einesteils der Blick für den Brauch abgeht, er sich nur auf die H a I a c h a einlässt, und der Minhag steht der Halacha doch berichtigend gegenüber. Wir gestehen Löhr gern den redlichen Willen zu, dem tannaitischen Zeitalter gerecht zu werden — das wird den christlichen Theologen erst gelingen, wenn Schürer nicht mehr Alleinherrscher sein und an der Hand geschichtlicher Quellenscheidung es möglich sein wird, die Mischna so aufzufassen, wie sie selbst gelesen werden will. Textkritische Untersuchungen zum Hebräischen Ekklesiastikus Untersucht von Aloys Fuchs Repetent am Collegium Leoninum zu Paderborn. (Biblische Studien. Herausgegeben von Professor Dr. 0. Bardenhewer in München. Bd. XII. Heft 5. Freiburg in Breisgau. 1907 XI u. 123. Preis 3,60). Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, das Plus der hebräischen Textes des Buches Sirach gegenüber der griechischcn Uebersetzung zu prüfen. Man hat sofort nach Entdeckung der Sirachfragmente erkannt, dass die Fragmente sowohl von der griechischen, als auch von der syrischen Uebersetzung beträchtlich abweichen. Es fanden sich Forscher, die vermuteten, dass der Hebr. Text nicht das Original, sondern eine Rückübersetzung ausdem syrischen sei fMargoliouth D. S. The origin of the Original Hebrew of Ekklesiastikus London 1899 und J. Levi. Bd. G J. 39. p ff) Dies2־ Annahme erwies sich jedoch als haltlos. Wir dürfen heute ohne Zweifel im H. (hebr. Text) das Original sehen. Damit ist aber die Frage von selbst aufgeworfen, wie ist das Plus im Hebräischen gegenüber S. und G. zu erklären? Welche Bewandtnis hat es mit den Doubletten, von denen die eine Leseart bald G, bald S entspricht? Am nächsten liegt die Anwort, die Uebereinstimmung einer Doublette mit G oder S sei der betreffenden Version entnommen und ins Hebräische zurückübersetzt. Dem gegenüber beweist Verfasser mit grosser Sachkenntnis und mit Fleiss, nachdem er im Einzelnen das Plus im H. gegenüber G. untersucht hat, dass es sich in vielen Fällen nur um ein scheinbares Plus handelt, in anderen Fällen haben wir ein ursprüngliches Plus vor uns, in dem G einen oder mehrere Stiche über- -geht oder zwei ursprünglichen Stichen zusammenzieht, und schliesslich ist vieles, womit H. den Umfang des G. überbietet, als eine sekundäre Zutat anzusehen. Das Plus in H. bezeugten auch griechische Zeugen, ferner S gegen G, H. ist aber auch von S. unabhängig, wie Verfasser wichtige und triftige Gründe gegen Levi und Ryssel anführt. Eine eingehende Untersuchung wird nach Verfasser dem Psalm im Sirach nach 51 12, die für die Literaturgeschichte der Liturgie von besonderer Wichtigkeit ist. Wir besprechen den Psalm an einer anderen Stelle ausführlicher, hier wollen wir nur auf diese lehrreiche Untersuchung aufmerksam machen und dem Verfasser für seine Belehrung danken. Jamnitz, den 25. Mai 1908. Dr. A, Marmorstein.

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