Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 31 (1908-1909)
- Issue
- No. 4. (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
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- 29 — der plötzlichen Offenbarung eine allmälige macht 1m Zusammenhang bleiben, seinen Gedanken nicht den gottgelehrten Hintergrund verleihen, sondern die Zeicher der allgemeinen Volksentwicklung seinen Ausführungen zu Grunde legen. Dabei will er die Möglichkeit göttlichen Eingreifens nicht bestreiten. Allerdings nur als stillschweig ände Voraussetzung, von welcher im Laufe der Arbeit [kein Gebrauch gemacht wird. Der erste Teil der Schrift, der allgemeine, behandelt das Sündenbewusstsein in Israel und zwar geht Vf. von Arnos bis zur vormosaischen, bis zur babylonischen Religion zurück. — Und in einem zweiten besonderen Teil kommt die Allgemeinheit der Sünde, ihre Grade, ihr Ursprung, ihre Wirkung und ihre Vergebung zur Behandlung. Die Einleitung zeigt uns die Strenge des Vf’s. gegen sich, wie er den Umfang auch die Quellen seiner Auffassung genau umreisst. Ausser Arnos selbst als Zielpunkt der dargestellten Entwicklung kommt der Prophetenspiegel und weitere Prophetenüberlieferungen, dazu auch Jehu's Thronbesteig jng, (die Elisageschichten scheinen Vf. jünger, 1. Kön. 34 etc. Kap. 11 jedoch deuterenomistisch) zur Sprache. cht ten führt Kön. Satz jei en der jnd jnd rt“. en en, Wichtig sind die Samuelsbücher, deren jüngere Sch i! man auch nicht für exilisch oder nachexilisch zu hajl braucht; die ältere Schrift ist jedenfalls alt, vor 900 ein Schriftsteller kurz nach David uns 2 Sam. 9—20, 1 1, 2. Das Nathanskapitel 2. Sam. 12 hält Vf. (ausser 10—12) für echt. Sodann behandelt Bennewitz die Thora und stellt die für ihn wichtigen Bestandteile fest. Es ist für die heutige Auffassung der Bibel in Kreisen maassgebend, dass Vf., ein maassvoll urteilet) Mann, keineswegs gesagt haben will, dass Abraham Josef nicht wirklich historische Personen gewesen seien dass er den ״Kern des Dekalogs auf Moses zurückfütj Das sind aber schon gewaltige Zugeständnisse. Wirwerä an anderer Stelle auf diese wichtigen Punkte zurückkomm die nicht im Vorbeigehen zu behandeln sind. Sprachlich bedeutet dem Vf. Sünde ein Verfehlen Ides Gotteswillens, mit oder ohne Absicht. Ist einem Arnos die sittliche Seite der Sünde das Wesentliche, so ist diese Auffassung schon vorbereitet. Auch in den von Bennewitz als uralt und befremdend gekennzeichneten Zügen geht der Pfad auf’s Höhersittliche hin; Vätersitten und -Ordnungen sind maassgebend, die Opferstätte dient auch der sittlichen Veredlung, die Priester setzen Mosis Werk fort. Moses selbst als Gesetzgeber hat Bahnen gewiesen, die durch alle befremdenden Schichten hindurch zum Edleren führen; selbst in der Zeit vor Moses ist Israel eine höhere Eig:nart zuzuschreiben, das Schuldbewusstsein, gleichviel für welche Vergehen, ist in ihm lebendig und kann überall in der Geschichte als Macht des Gewissens in Israel entdeckt werden. Das Bewusstsein drückt die allgemeine ausnahmslose Sündhaftigkeit aus; es unterscheidet nach B. ursprünglich nicht zwischen absichtsvollen und absichtslosen Sünden,•doch sind höhere Gesichtspunkte dabei wjrkend, und früh wird das Sittliche übergeordnet. Man will Gott nicht als Ursprung der Sünde ansehen; unter verschiedenen Aeusserunj en des Vf.'s ist es bemerkenswert, dass er Pharao erst mit Recht verantwortlich hinstellt, nachdem er mit Bewusstsein die Gottesmahnungen zurückgewiesen hat. Ebenso lie Kanaaniter Israel gegenüber. Die Paradiesesgeschiclite lehrt die menschliche Wahlfreiheit, aber nicht die Vollkommenhcit des Urmenschen, wohl aber die Anlage zum Guten und Bösen in ihm. Nicht der Ursprung der Süt^־*־ soll dort geschildert werden — sie entstand damals wie heut entsteht. Die Schlange ist nur eine Schlange, so Nichts; des Menschen Kampf gegen sie bedeutet seinien nun beginnenden Kampf gegen die Tierwelt. Das Gesotz wendet sich an den Willen, der eine Gott widersprechende Richtung einschlägt. Von Geschlecht zu Geschlecht wirkt schon durch die Kraft der Vererbung das Böse fort und bringt die Schuld hervor. Doch erkennt auch schon das alte Israel die Stellung des. Einzelnen an, ei|ne de >ie 1 ist eigentliche Erbsünde kenn! man nicht, wohl aber ein fiel es Schuldgefühl von Adam an, selbst durch das Opfer gekennzeichnet. Die Strafe bestimmt Gott innerhalb der Grenzen von Rechtsanschauung und Sitte, oft schnell strafend, oft ,langmütig wartend. Diese Anschauung veredelt Recht und Sitte. Jedes Uebel wurde als Gottes Strafe betrachtet Was den Bund .mit Gott erschüttert, ruft Gottes Zorn hervor, und trotz der Züge, die unserem Vf. darin weniger begreiflich sind, erkennt er an, dass dadurch der Eifer, Gott durch Wahrung des Sittlichen zu dienen, im alten Israel geweckt worden ist. Doch wird der Tod an sich j nicht immer als Strafe Gottes gedacht, da der Mensch auch vor dem Sündenfalle für den Tod bestimmt gewesen. Was ■ die Sühne anbelangt, so hat das Menschenopfer nie einen! Bestandteil der Lehre gebildet, ist aber missverständlich als Volkssitte geübt worden; die Religion stellt sich feindlich solchem Opfer gegenüber. Ein Stellvertretungsgedänke ist beim Opfer wohl zu entdecken. Gebet, Fasten und De- I mütigung sollen die Gottheit günstig stimmen. Aber nicht | nur der bösen Folgen wegen sehnt sich Israel nach Sünden- Vergebung, sondern es will rein vor dem Schöpfer stehen und durch heilige Uebungen die Gemeinschaft mit dem Herrn wiederherstellen. Wundern wir uns nicht darüber, den Vf. so eifrig Dinge erörtern zu sehen, die uns selbstverständlich scheinen. Aber die Quellenscheidung, welche an der Bibel so viele Zeitalter arbeiten sieht, macht heute es jedem Forscher j zur Hauptpflicht, selbst wenn er ihren Standpunkt nicht! teilt, mit ihr zu rechnen und jeden Satz, den er ausspricht, ן mit ihr und gegen sie zu beweisen. Unter diesen Voraus- Setzungen ist Vf. bestrebt gewesen, der Religion Altisraels (wenn man in ihr Vorprophetisches und Vormosaisches zugeben will) gerecht zu werden. Er hat die religionsgeschichtliche Verwertbarkeit derjenigen Bibelquellen ־ in’s rechte Licht gesetzt, die man als die ältesten ansieht — er , hat in ihnen den Keim zu all den Anschauungen gefunden, die, wie weit über, dem Heidentum schwebend, zu einer Verinnerlichung des Glaubens und Tuns führen. Die ungöttlichen Züge, die er in jenen alten Zeiten in Israel entdeckt, sind vom Judentum als heidnische Eindringlinge jederzeit zugegeben worden. Aber selbst wer mit dem Vf. in ihnen vorgeschichtliche Zustände der altisraelitischen Religion sucht, muss die ganze Reihe der Erscheinungen bis über die Propheten hinaus als durch Israel entwickelt anerkennen. Und so bestätigt sich Bennewitz’ Auffassung, ״dass der moderne Betrieb alttestamentlicher Wissenschaft keineswegs dae alte Testament 'entwertet, sondern auch ן dem praktischen Amt Handreichung tun kann in der NadT- Weisung der Entwicklung, in_welcher Gott sein Volk Israel und das Schrifttum dieses seines Volkes hat werden lassen, was es uns geworden ist.“ Sollen wir dies Buch noch empfehlen? Unsere ganze Anzeige Ist nur eine einzige durchgehende Empfehlung. Unsere Verteidiger können hieraus lernen, wie man, nur mit wissenschaftlichen Voraussetzungen, allerdings mit genauer Kenntnis der bibelwissenschaftliche,1 Standpunkte an eine Sonderaufgabe herantretend, von selbst eine Ehrenrettung des Judentums erzielt. Als solche muss diese Schrift eines christlichen Theologen anerkannt werden. Gutmann, Religionslehrer, Teschen: Liturgik, Orchoth Chajim. Zweite verb. u. verm. Auflage. C. Boas Nachfolger, Berlin. XII u. 146 S. Die Wichtigkeit dieses Werkchens ergibt sich schon aus seinem Titel und erhöht sich noch, wenn man erfährt, dass das Ritual und Ceremonialgesetz darin mit behandelt ist Der Anfang bringt die Gebete, der zweite Abschnitt deren, Entwicklung und ihre Beziehung zu Gemeinde und Gotteshaus der dritte Zizith-Tefillin-Mesusah, der vierte Zeitrechnung und Kalender nebst Neumondsatzungen, der fünfte deren Fortsetzung und die Fest- und Gedenktage, der sechste die Berachot, der siebente die Speisegesetze, der achte Challah, Sabbathlicht und Erub, Pidjon Haben, Barmizwah und Konfirmation. Der Anhang den Umriss der Schrift, der Apokryphen und der mündlichen Lehre, dann weitere synagogale Bestimmungen, soweit sie oben nicht behandelt sind. An geeigneten Stellen wir.d auf Schulchan aruch und Talmud als Quellen verwiesen.