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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 11. (1907) · p. Seite 140

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 11. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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— 140 Kaiser, nämlich Alexander Severus (222—235) in römischen Quellen berichtet wird, daß er den Juden ihre Privilegien bewahrt hat, so sind darunter die Privilegien des Septimius Severus und des Antoninus Caracalla verstanden. Es wird auch eine Synagoge des Severus erwähnt, von der man nicht sicher ermitteln kann, ob sie sich in Rom befunden hat; jedenfalls ist sie nach dem den Juden günstigen Kaiser Severus genannt. In dieser Synagoge befand sich auch eine berühmte Thorah- Rolle, wahrscheinlich die des R. Mei'r, die offenbar im Barkochbaschen Krieg erbeutet, nach Rom verbracht und später vom Kaiser der Synagoge geschenkt worden ist. Auch die Schenkung eines Leuchters für die Synagoge durch Antoninus wird berichtet, aus welchem Anlaß Rabbi Gott preist, daß er dem Kaiser den Gedanken ins Herz gegeben habe. Weiterhin wird uns eine Unterredung der Justina, der Tochter des Severus, des Sohnes des Antoninus, mitgeteilt, die sich an Rabbi mit einer Frage wendet, um Aufschluss zu erhalten. Die Agada berichtet uns, daß Rabbi und Antoninus der Jüngere, worunter Caracalla zu verstehen ist, in einem Jahre starben und daß Rabbi dem Antoninus auf seine Frage, wer von ihnen beiden früher sterben würde, geantwortet habe: ״Ich.“ Wenn aber Rabbi, wie oben auseinandergesetzt wurde, 136 geboren ist, so ist er, 217 gestorben, ungefähr 80 Jahre alt geworden und dies stimmt mit der Angabe in Kinjan Thorah überein, daß Rabbi זקנה und ״ שיבהein hohes Alter“ zu verzeichnen hatte. Wir mögen heute in rückschauender Betrachtung uns vielleicht wundern, daß der Talmud offenbar mit ganz besonderer Genugtuung dieses Verhältnis zwischen Antoninus und Rabbi betrachtet, das, von Sagen üppig umsponnen, er uns vorführt! Vergessen wir aber nicnt, daß_ einerseits die Juden in jenem Jahrhundert nach dem letzten Freiheitskampf mit besonderem Dank gegen Gtt. jedes Sternlein wahrnehmen mußten, das durch das tiefe Dunkel der finsteren Zeiten hindurchbrach, daß tatsächlich durch diese freundschaftlichen Beziehungen mit den römischen Machthabern dem Patriarchat ein außergewöhnlicher Glanz zuteil wurde, der umsc mehr das jüdische Herz erfreuen mußte, weil die Patriarchen Nachkommen Davids waren, an dessen Namen damals und heute sich die edelsten Hoffnungen knüpfen. Erwägen wir aber auch weiterhin, daß die Juden in dieser Annäherung eines Antoninus an Rabbi, der nichts als seine Gelehrsamkeit und Tugend zu bieten hatte, eine Verwirklichung des Segens des Stammvaters Isak zu sehen glaubten, indem der mit dem Schwerte siegreiche Esau-Abkömmling, wiewohl Sieger mit den Waffen, den besiegten Zeltenbewohner, der nur mehr geistige Richtung sein Eigen nannte, in seine Nähe zog und, seinen Geist und seine Tugend bewundernd, sich gewissermaßen als seinen Besiegten erklärte. So können wir es wohl verstehen, daß die Juden in dem Verhältnis zwischen Antoninus und Rabbi die Erfüllung einer prophetischen Verkündigung erblickten, wie es uns der Kirchenvater Hieronimus berichtet. Mag nun auch vielleicht die Freundschaft des einen oder des andern dieser Kaiser nicht immer selbstlos gewesen sein, was wir

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