Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 10. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 129 Leibesfehlern behaftete, für den eigentlichen Dienst im Heiligtum untaugliche Priester in der Holzhalle beschäftigt wurden. Sie hatten da das Holz zu ordnen, zu sichten und namentlich vom Wurmfraß und Fäulnis befallene Stücke zu entfernen. Damit das Holz in der Halle nicht verfaule, mußte man es!rocken einbringen. Nach gewonnener Uebersicht der amoräischen Motivierungen empfiehlt es sich, dem Grunde R. Jochanans, als dem zeitlich am weitesten zurückreichenden den Vortug zu geben. Es ist deshalb erklärlich, wenn Maimonides im Mischnacommentar nur diesen Grund für den 15. Ab anführt. Nächst R. Jochanan stehen zeitlich die Gründe Samuels und Rabs; sie sind von einander unabhängig oder wollen es wenigstens sein. Die Autoren der letzten drei Gründe repräsentieren eine spätere Generation und zugleich die Fortsetzung der Schulen R. Jochanans einerseits, und Rabs und Samuels andererseits, indem sie teils mittelbar, teils unmittelbar ihre Schüler sind. Gleich wie Rab und Samuel in Babylonien als Organisatoren der Liturgik wirkten, wirkte auch R. Jochanan mit nicht minderem Erfolge in Palästina. Bei dieser Tätigkeit ist es begreiflich, daß sie das höchste Interesse für die sakralen Altertümer des Volkes hatten und ihnen nachforschten. Bei ihrer Forschung nach Gründen alter Festlichkeiten, denen sie in der Gebetordnung eventuell ein Andenken schaffen wollten, mögen sie auf verscf iedene Anhaltspunkte gestoßen sein. Nur so erklärt sich, daß zu gleicher Zeit drei bedeutende Männer verschiedene Sätze über die Bedeutung dieses Festes aufgestellt haben. Den Antrieb zu diesen Bestrebungen können sie freilich im Lehrhause Jehudas I. erhalten haben. Denn alles Große und Schöne der nächsten Jahrhunderte ist schließlich eine Saat dieses mit Verständnis für Vergangenheit und Gegenwart, sowie nicht minder mit Fürsorge für die Zukunft erfüllten Mannes. Es sind ja genug Anzeichen dafür vorhaiden, daß Jehuda 1. zumindest das Bedürfnis für systematische Regelung der Liturgik geweckt hat. Daß die beabsichtigte Wiedererweckung alter Festlichkeiten im talmudischen Zeitalter hauptsächlich liturgische Zwecke hatte, geht aus unzähligen Talmudstellen h;rvor, allwo diese den Angelpunkt für einzuführende Benediktionen und Gebetstücke bilden. Auch in unserem Falle ist das Erdergebnis - blickt man auf Decisoren21) — ein liturgisches, daß man kein Tachnun sagt und zwar dieses schon zu Mincha am Vorabend. Darnach richtet sich natürliches alles, was von Tachnun aohängt. Wie man den Festtag im Laufe der Zeiten beging, läßt sich nicht mehr feststellen. Jedoch ist bereits gesagt worden, daß er einen rein volksfestlichen Charakter hatte, nicht beschaulich, sondern fröhlich gefeiert wurde, und vielleicht der einzig anerkannte Werbe- und Freiungstag war. Er wird in einer alten Quelle mit dem Versöhnungstage auf dieselbe Stufe gestellt; doch im Charakter grundverschieden, haben sie das einzig gemeinsam, daß sie mächtig auf das ganze Volk eingewirkt haben, der eine in ernstreligiösem, der andere in nur heiterem Sinne **) cf. Qizzur pisqei harosch Ende Tat nith u. A.