Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 9. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 10)
- Language
- German
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114 - Schließlich wird bei einer Vergleichung des Grundes R. Jochanans mit den Gründen seiner älteren, von ihm anerkannten Zeitgenossen Rab und Samuel der Gedanke angeregt, daß er, der ebenfalls, wenn auch nicht ünmittelbar, einen großen Teil seines Wissens der alma mater Jehudas 1. verdankte und alle Tradition der früheren Generationen in sich vereinigte, jene Theorien wohl kannte, jedoch in seiner überragenden Originalität die Frage vertiefte und auf die landläufige Ueberlieferung vom Sterben der Wüstenwanderer gestützt, leicht den Anschluß an die Zeit Mosis fand. Hierzu berechtigt vor allem -der Umstand, daß es für den Satz R. Jochanans, der in keiner anderen Version vorkommt, nur einen einzigen Tradenten, nämlich Rabba b. b. Ch., gibt. Wäre es eine ältere Tradition, könnte man nicht annehmen, daß sie den beiden bedeutendsten Vertretern der Schule Jehudas 1. in Babylonien unbekannt oder von ihnen ohne Berücksichtigung geblieben wäre. 4. ״Ulla sagte: Es ist der Tag, an dem Hosea, der Sohn Elas, die Wachen, welche Jerobeam auf den Wegen aufgestellt hatte, um die Bewohner seines Reiches von der Wallfahrt nach Jerusalem abzuhalten, abschaffte und den Wallfahrern freistellte, zu gehen wohin sie wollten.“ Zum Verständnis des Ullaschen Ausspruches soll eine Talmudstelle8) dienen. Dort wird Rab von den Jüngern Kahana und Assi gefragt, weshalb es vom Könige Hosea heißt9): Er tat, was böse war in den Augen Gottes, nur nicht wie seine Vorgänger, gleich darauf aber: Gegen ihn zog Sallmanassar und führte ihn samt dem Volke in die Verbannung (weil er nicht so böse war wie die ' anderen, darum kam das Unglück in seinen Tagen?)? Darauf antwortete Rab: Hosea stellte wohl jene Wächter ab, die Israeliten gingen aber trotzdem nicht mehr nach Jerusalem. Darum verhängte Gott über sie die Gefangenschaft. Rab meinte also, wenn auch die Israeliten von der Erlaubnis keinen Gebrauch machten, war doch immerhin das Werk Hoseas ein gutes; und von diesem guten Werke sagte Ulla, es sei am 15. Ab zur Ausführung gekommen, weshalb er ein Festtag sei. Als Babylonier mußte Ulla die Theorien Rabs und Samuels kennen, ebenso wie es nicht anzunehmen ist, daß ihm die Mischna und Borajtha fremd waren. Er war aber auch einer jener Gelehrten, die durch ihre fortwährenden Reisen die Verbindung zwischen den Lehrhäusern Palästinas und Babyloniens herstellten, und gilt sogar als Schüler R. Jochanans10), darum dürfte ihm auch die Behauptung seines Lehrers nicht unbekannt geblieben sein. Nichtsdestoweniger bringt er für den 15. Ab eine neue, auf einer anderweitigen Ansicht Rabs beruhende Hypothese. Hiermit wollte Ulla wohl die angeführten viel wichtigeren Gründe nicht verdrängen, denn eine solche Substituierung würde keinen sonderlichen Geschmack bekunden. 8I b. Oittin 88 a. 9) König 11. 1 i,2i. ,0) cf. Graetz IV, 302; Halevy, Dorot harischonim.