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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 9. (1907) · p. Seite 112

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 9. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 112 (sequence 8)
Language
German
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nahm und konnte so die folgenden Generationen von der Einhaltung desselben entbinden. Diese Auslegung fand zur allgemeinen Freude an einem 15. Ab statt, weshalb er zum Volksfeste wurde. Es ist sofort zu ersehen, daß Rabs Ausspruch ziemlich gleich ist mit dem seines Kollegen Samuel, indem sie sich nur in der Wahl der zur Auslegung herangezogenen Worte (Zehadabar oder Mimmenu — von uns) unterscheiden, und so beide einer gemeinsamen Schule oder Bestrebung entstammen können. Wenn es auch den Anschein hat, daß Rab im Gegensatz zu Samuel, der das Verbot des connubiums und die Freude an dessen Aufhebung auf alle Stämme bezieht, den Schwur gegen Benjamin allein richten läßt, so besteht doch im Prinzip kein wesentlicher Unterschied zwischen ihnen. Denn zeigen alle Stämme ein angelegentliches Interesse, den unheilvoll begonnenen und beinahe durchgeführten Vertilgungskrieg gegen einen Stamm in: Israel wieder gut zu machen, müssen sich notwendig alle Stämme an der Freude über die Abstellung des Uebels beteiligen, so daß der 15. Ab für alle zum Festtag wird. Daß Rab von einer Stelle im Richterbuche, Samuel von einer solchen in Numeri ausgeht, tut dem umsoweniger Abbruch, als von beiden die Lösung des Verbotes in die Richterzeit verlegt wird. Da es sich bloß um den Tag des 15. Ab handelt, gibt Rab ebensowenig wie Samuel den weiteren Zeitpunkt an. Dieser kann jedoch wie bei Samuel aus der Geschichte ermittelt werden. Als sich der Prophet zur Salbung des bescheidenen Saul anschickte, wollte es dieser mit einem Hinweise auf die Winzigkeit seines Stammes und der Unansehnlichkeit seines Vaterhauses innerhalb Benjamins abwehren. Wäre da nicht die Berufung auf den Bann viel wirksamer gewesen, wenn dieser damals noch bestanden hätte? Andererseits hätte der seinem Stamme ergebene Saul die Zeit für gekommen halten müssen, diesen Fluch durch den großen Propheten abzutun! Auch jene Nichtsnutzigen, von denen berichtet wird, daß sie nach Sauls Krönung ausriefen: ״Was für Heil wird uns der da bringen? und sie verachteten ihn und brachten ihm kein Geschenk“ hätten ihre Anwürfe gegen Saul besonders erfolgreich mit dem Hinweise auf seine Unfähigkeit infolge seines gebannten Stammes stützen können. Allein das alles geschah ohne Zweifel aus dem Grunde nicht, weil der Schwur längst gelöst und vergessen war, und der neue König aus Benjamin durfte sogar zufolge der Königsrechte Frauen aus Israel nach Belieben zu Dienerinnen an seinen Hof — und wohl auch zu Gattinnen für die Seinigen — heranziehen, konnte ferner ohne weiteres seine Tochter Merab dem Judäer David zur Braut geben. Ja, von da ab verschmolzen sogar Benjaminiten und Judäe! derart, daß ihre innige Gemeinschaft in der nachmaligen Hauptstadt Jerusalem nicht im geringsten eine ehemalige Trennung ahnen ließ. Das führt zu der Erkenntnis, daß der Schwur zu Mizpa noch in der Richterzeit gelöst worden war. Wenn ein Unterschied zwischen Samuel und Rab besteht, so ist es der, daß nach jenem der Zeitraum der Beseitigung des göttlichen Verbotes des conubiums in die erste Richterzeit zu setzen ist, während nach diesem die zu Beginn des Bürgerkrieges vom

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