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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 9. (1907) · p. Seite 110

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 9. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 110 (sequence 6)
Language
German
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— סח zum Gehen?“ Der Blinde wieder sprach: ״Habe ich denn Augen zum Sehen?“ Was tat der König? Er ließ den Lahmen auf den Blinden setzen und richtete beide gemeinschaftlich. So wird auch der Heilige, gelobt sei er, die Seele in den Körper werfen und beide gemeinschaftlich richten, wie es heißt: ״Er ruft zum Himmel oben und zur Erde unten, um sein Volk zu richten.“ ״Er ruft zum Himmel oben“, daß ist die Seele, und ״zur Erde unten, um sein Volk zu richten“, das ist der Körper. Desgleichen muß Antoninus Rabbi Jehuda beipflichten, als dieser auf seine Frage, ob man zu jeder Zeit beten dürfe, mit Recht geantwortet hatte, daß dies verboten sei, wiewohl er sich anfangs mit dieser Antwort nicht zufrieden geben wollte. Rabbi meinte nämlich, es läge in der Erlaubnis, jederzeit zu beten, die Gefahr eines allmählich leichtsinnigen Benehmens gegen Gott. Um aber Antoninus zu überzeugen, ging Rabbi am frühen Morgen zum König, um ihn zu begrüßen: ״Sei gegrüßt, 0 Herr!“ Nach einer Stunde ging er zu ihm und sagte: ״Heil über Dich, o König!“ Wieder nach einer Stunde kam er und sprach: ״Sei gegrüßt, Imperator!“ Antoninus sprach zu ihm: ״Warum achtest Du so gering den Herrscher?“ Darauf Rabbi: ״Mögen Deine Ohren hören, was Dein Mund spricht! Wenn Du, der Du Fleisch und Blut bist, von demjenigen, der in jeder Stunde Dich begrüßt, behauptest, er achte Dich gering, um wie viel mehr darf der Mensch den König aller Könige nicht in jeder Weise belästigen!“ Daß übrigens Rabbi Jehuda den Kaiser nicht gering schätzte, vielmehr mit Takt und mit Bescheidenheit nach jeder Richtung die Achtung vor dem kaiserlichen Freund auch durch die Form zum Ausdruck brachte, zeigt uns folgender Fall, der hier eingeschaltet sein möge: Rabbi sprach zu Rab Ephes: ״Schreibe in meinem Namen an unseren Herrn, den König Antoninus! Dieser schrieb: ״Von Jehuda, dem Nasi, an unseren Herrn, den ״König Antoninus!“ Rabbi nahm den Brief, zerriß ihn, nachdem er ihn gelesen, und sprach: ״Schreibe: ״Von Deinem Knecht Jehuda an unseren Herrn dem König Antoninus!“ Darauf sprach Rab Ephes: ״Rabbi, warum setzest Du Deine Ehre herab?“ Rabbi erwiderte: ״Ich bin nicht besser, als mein Urahne Jakob. Hat er nicht gesagt: ״So spricht Dein Knecht Jakob.“ Auch von Rab Ephes brauchen wir nicht etwa eine Ueberhebung und Anmaßung vorauszusetzen. Rom galt als Nachkomme Esaus. Esaus väterliches Segenswort: ״Du sollst von Deinem Schwerte leben!“ traf ja auch auf das römische Volk und seine Kaiser zu. Rabbi war die Verkörperung des Jakob verliehenen Segens, ein Vertreter der im Zelte webenden Geistes■ forschung; zugleich war er von königlichem Gebliite Davids, reich und angesehen. In der Tat berichtet die spätere Agada, daß man die Verheißung.Rebekkas: ״Zwei Völker sind in Deinem Innern!“ auf Antoninus und Rabbi, als zwei nach der Anschauung des Talmuds mindestens Ebenbürtige bezogen habe, indem man statt ״ גדיםVölker“ gelesen hat ״ גייסGroße, Stolze“ d. h. 2 Stolze sind in Deinem Innern!“ So können wir auch die selbstbewußten Bedenken des Rab Ephes begreifen. Rabbi aber gab ihnen nicht statt.

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