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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 9. (1907) · p. Seite 109

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 9. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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109 — um en Quellen derartiges bewunder nehmen, wenn der i, mit dem er sich in ein verfernersieh in philosophischen privaten wie in öffentlichen [sehen, hoher Auszeichnung zu behandelnden Stoff in (jlie Berichte mitteilen, welche daran diejenigen anreichen, alsdann die zu behandeln, Blumen. Nachdem uns aus nichtjüdiscfi richtet wird, wird es uns auch nicht Talmud berichtet, daß Antonmus den Rab|b irauiiehes Verhältnis eingelassen hatte, von Fragen Auskunft erholte, den er in Gelegenheiten um Rat angeht, wie wir würdigt und vielfach beschenkt. Wir wollen den nun im Folgenden der Weise vorführen, daß wir zunächst philosophisch-theologischen Inhalts sind, welche politischen Charakter tragen, welche private Angelegenheiten betreffeii I. Philosophisch-theologische Fragen. Wir haben bereits gezeigt, daß Mark Aurel an eine Fortdauer der Seele nach dem Tode des Körpers fest glaubt. Der Talmud berichtet uns nun, daß der Kaiser sich mit Rabbi über die Seele, ihren Einzug in den Körper, über den Beginn ihrer Wirksamkeit im Menschen, über ihr Fortleben und die Rechenschaft, die sie nach dem Tode abzulegen hat, unterhalten habe. Der Kaiser ist der Ansicht, daß der Lebensgeist, die Seele in den Körper des Menschen bereits im Mutterschosse ihren Einzug hält. Diese Frage hat nicht nur einen philosophischen Sinn, sondern eine eminent juristische Bedeutung, besonders in Bezug auf Vererbung, was in diesem Zusammenhang nur angedeutet sein soll. Weiterhin meint Antoninus, daß die Le denschaft, der böse Trieb, dessen Wirksamkeit beim Menschen von Jugend auf von der Thorah bezeugt wird, erst mit dem Moment, da der Mensch das^ Licht der Welt erblickt, sich geltend macht. Rabbi war in beiden Fragen anderer Meinung, er lässt sich aber voi Antoninus belehren und bekennt es, daß er die richtige Ansicht durch Antoninus gewonnen; ja er beweist hinterher, daß Antoninus das Rechte getroffen habe. Hingegen muß der Kaiser unserm Rabbi zustimmen hinsichtlich der Frage, ob nach dem Tod der Körptr und die Seele sich etwa durch gegenseitige Bezichtigung der göttlichen Bestrafung entziehen könnten, da der eine wie der andere die Schuld der Sünde von sich ab auf den andern zu wälzen vermöge. Der Körper, so meint Antoninus, könne sagen: ״Die Seele hat gesündigt; denn seitdem sie von mir weggeflogen ist, liege ich wie ein stummer Stein im Grabe.“ Die Seele wieder kann sagen: ״Der Körper hat gesündigt; denn seitdem ich von ihm getrennt bin, fliege ich in der Luft wie ein Vogel.“ Der Rabbi entgegnet ihm mit einem Gleichnis. Ein König hatte einen schönen Garten, in welchem schöne Erstlingsfrüchte wuchsen. Er bestellte zu seinem Schutz 2 Wächter, einen Lahmen und einen Blinden. Da sprach der Lahm? zum Blinden: ״Ich sehe schöne Erstlinge im Garten; komme, trege mich und wir wollen sie holen zum Essen.“ Der Lahme ritt also auf dem Blinden. Sie holten die Früchte und verzehrten sie. Nach einigen Tagen kam der Gartenbesitzer und sprach zu ihnen: ״Wo sind meine Erstlingsfrüchte?“ Da sprach der Lahm2: ״Habe ich denn Füße

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