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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 8. (1907) · p. Seite 100

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 8. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 100 (sequence 12)
Language
German
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100 — teilnehmen konnte, über die man aber den Stab gebrochen hatte. Daher der Spott der Späteren, während die Alten noch den Sadduzäern gegenüber Pharisäer waren. Die Geschichte hat dem Talmud Recht gegeben. Es ist zu allen Zeiten sehr dankhar, pharisäische Bestrebungen anzugreifen; da wird matt gewiß Zustimmung finden. Weniger leicht ist es, solche Bestrebungen in ihrem tiefen, inneren Ernste zu verstehen und ihnen gerecht zu werden. Aber es beginnt damit besser zu werden. Die Neutestamentler fangen bereits damit an *), in den Pharisäern bessere Züge zu vermuten, wenn man sich auch von dem in den Evangelien gegebenen ungeschichtlichen Bilde nicht losreißen kann. Hier muß unsere Arbeit einsetzen, und wir müssen den Tatsachen ernst zu Leibe gehen! Hier strenge Gesetzlichkeit mit weitgehender Verästelung der Einzelheiten, dort jugendlich stürmender Gegensatz gegen Alles, was an alte Formen anch nur erinnert. Auf einer Seite die schwer zu fassende Halacha, ohne die es nicht geht und um die man nicht herumkommt, auf anderer Seite das Vorherrschen des Nichtgesetzlichen, des Gemütvollen und Erbaulichen, des heldenmäßig Dichterischen, das so recht dazu einlädt, Midrasch und Haggada damit zu vergleichen. (Fortsetzung folgt). Besprechungen. I!ic. theol. Pani Fiebig: Ausgewählte Mischnatraktate in deutsch Uebersetzung l)Joma 1905, VII und 34 S., 1 Mk.; 2) Pirque aboth VII und 43, 1,20 Mk., 1906; 3) Berachoth VII und 43, 1,20 Mk., 1906, Mohr, Tübingen. (Schluß). Findet Fiebig nun, daß die Lesarten Lowe’s wenig wertvoll sfnd (S. 9), so beweist das eine plötzlich hervorbrechende Unterschätzung der Hand- Schriften, die, wie wir gezeigt haben, nicht ganz berechtigt ist. Nicht ganz, aber doch zum großen Teil, wie ich der unberechtigten Forderung eines, verbesserten Talmudtextes als unbedingter Voraussetzung talmudischen Arbeitens gegenüber stets betont habe. Ehe jener Text kommt, geht uns der letzte Rest des Talmudwissens verroren. Was sollte man nämlich in diesem Falle tun? Das Wort in die Bablimischna hineinsetzen? Bei Leibe nicht! Die Gemara zeigt uns, daß es im Babli nicht stand; und bleibt es so, wie es ist, so haben wir in diesen zwei Texten die besten Zeugen einer Entwicklung des Mischnatextes vor uns — darum hüte man sich davor, wie I r. Tom sagt, לעבש הספרים! ßs •sl gut, daß Fiebig einmal sicht, wie sehr inan die Lesartenkunde talmudisch über- | schätzt. Einem Juden wird man 1יי nicht glauben. I Einem Juden! Noch dazu Einem. I der auf Schritt und Tritt vorlaut ausruft: Bei mir Seite so und soviel stehlt '! richtiger und besser! Was will er denn i: von Fiebig? Was wollte Fiebig denn? '■< ״Uebersichtliche, nach dem Zusammen- 1' hang zu erforschende Texte liefern. II Einen kritischen Text oder einen auf |, umfassender Kenntnis der jüdischen!; Tradition ruhenden, wissenschaftlich j; endgültigen Kommentar will und kann 1' er nicht bieten.“ Bewahre uns Gott ' vor etwas ״Endgültigem!“ Was sollten ן denn die späteren Forscher unfangen? ן Und Fiebig hat wirklich nichts Endgültiges geliefert! Was ein talmudischj kritischer Text ist, haben wir eben an- : gedeutet. Ebenso, wie wir uns die Forschung, ״nach dem Zusammenhang;־“ denken. Möge Fiebig nur das ihm Zugängliche in kurzen Anmerkungen, mit Beschränkung auf den zu Gebote . stehenden Raum, bieten. Aber nicht so gelegentlich, abgerissen, wodurch auch seine Hinweise auf das neue Testament, wie lehrreich auch immer, |; doch schwächlich bleiben. Eine bloße li Uebersetzung der Mischna ist doch *) Wie wir in der Kürze nachweisen werden.

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