Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 7. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 83 (Fortsetzung.) Von Cornill war ein starkes Ein-, greifen in die Jeremiafrage, besonders eine Abrechnung mit Duhm zu erwarten Schon als Knabe hat Cornill Jeremia feliebt; der junge Philologe wurde heologe — und wieder fesselte ihn gerade Jeremia. Er hätte gern eine Jeremiaerklärung geschrieben — aber Graf’s Arbeit war damals noch allherrschend. Inzwischen hatte Cornill seine berühmte Einleitung, dann seinen Hesekiel herausgegeben — dann erschien sein hebräischer Jeremiatext in SßOT (1895), während die Ueber- Setzung und Erklärung nicht herauskam. Da kam die Aufforderung Taubnitz’, die zweite Auflage des Grätschen Jeremia zu besorgen, Cornill sehr gelegen. Aber Bernhard Duhm hatte den Jeremia für das Mohr’sche Bibelwerk übernommen — nun mußte Cornill das Erscheinen dieser Arbeit abwaiten, deren Bedeutsamkeit ihm im Voraus feststand und die, wie wir gesehen haben, an Eigenartigkeit alle Erwartungen weit hfnter sich ließ. Ist bei Du!.m die Kühnheit des Kennzeichnende, so ist es bei Cornill die bis ins Einzelne gehende peinlichste Selbstprüfung, die den eigenenGedanken nicht überschnell vertraut, dagegen den Auffassungen Anderer gern ihr Recht lassen will; seine Ergebnisse können sich deshalb stets neu gestalten und er wird bereitwillig das inzwischen Hervortretende auf sich einwirken lassen. Es gibt keinen größeren Gegensatz, als den zwischen Cornill und Duhm. Niemand ist trotzdem schneller bereit, die Bedeutung Duhms und seiner Arbeit auszusprechen, als Cornill. Die vorliegende, 1901 begonnene Arbeit ist nach Cornills freiem Geständnis ״im Hinblick auf Duhm entstanden und wesentlich eine Auseinandersetzung mit ihm und dem 1902 erschienenen Buch von Wilhelm Ebt ״Jeremia und seine Zeit“. Zunächst zeigt sich das schon mit Bezug auf die metrische Frage. Die Schritte, welche Erbt bis zu schrankenloser Anerkennung der Sievers’schen Anschauungen geführt haben, hat Cornill nicht mitgemacht. Schon 1901 erschienen Cornills metrische Stücke des Buches Jeremia.*) Trotz mancher neuen Wahrnehmungen steht Cornill noch heute im Wesentlichen auf dem gleichen Standpunkte, daß Jeremia vielfach leicht¬ *) Leipzig, Hinrichs. gebt lieglegep Ansi Inc fortr vora als allhdi Gies< sehe Corpi test; Vers setzn wägi^! sam gege Recht Giese wenn würc uns Stirn prosü wähifi Duh zwu Qiejs׳ wir sein« sehen am , Der Siev« und ute Achtzeiler habe. Die vor- 4nde Uebersetzung gibt uns Geheit, zu ersehen, ob Cornil seine Jchten gegen früher geändert hat. em Cornill freie Metren in Strophenneben den strenggebauten Stücken ussetzt, kann er Stellen, wie 9i2-15 echt ansehen; Duhm mit seiner rrschenden Kinahstrophe und auch gebrecht mitseinen Formforderungen n darin den Bearbeiter. Brauente ill nun keine Textesänderungen, so ittet ihm der leichtere Bau des es und die lockere Zusammenng, Einzelglieder der späteren Erng zuliebe auszuscheiden oder zuihenzuziehen; so 81s, wo der Schluß וז das א׳ן להם חניטה von 1901 mit geschwunden ist; da wäre uns brechts בעבורם lieber trotz der 70, wir für Aenderungen stimmen en. Im Ganzen verpflichtet Cornill zu weniger gewaltsamen Zu-!nungen und paßt die leichte Halbsehr wohl zum Wesen Jeremia’s, end Giesebrecht und noch mehr in den Text mehr zu meistern get)gen sind. sebrecht, dessen metrische Arbeit**) ^1ier am besten berühren, stellt sich n beiden Vorgängern in der metri- Behandlung (er kam 1905, also spätesten! selbständig entgegen. Künstlichkeit und Gezwungenheit ■■ 1-. nn/1 /lAmn<s>*h A 11(«k CT«•!**’** a4a14A rs und demnach auch Erbrs steht er firn, sieht auch nicht die Cornillscheu Vierzeiler im Jeremia, und gewiß teilt er nicht Duhm’s Ansicht von der Gleichheit aller Verse, die Jeremia zuzusclireiben sind. Weshalb die anderen Jeretriia’s würdigen Stücke, weil nicht m Kinamaße, ihm absprechen? Giesebrecht findet in Jeremia Stücke von verschiedenen Maßen, sowohl hinsichtlieh der Zeile, als der Strophe, die durch Jeremia, Baruch oder Spätere zusainmengestellt sind. Die Zahl der Hebtngen ist Giesebrecht maßgebend, wogegen auf Zwei- oder Dreisilbigkeit der Versfüße von vornherein keine Rücksicht genommen worden ist. Daß Gies! :brecht das straffe Silbenmaß 819 und « •m einzelnen Fall aus Scheu vor dem Seltenen durch Aenderung preisgegeben hat, können wir nicht biligen, zurml die Aenderung eine Schwächung ist. Was schadet die Kühnheit im Einzelfajle, wenn man die Sache als Ver- ') Jeremias Metrik. Vandenhoek Ruprecht.