Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 7. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
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— 79 ״Gott ist der Gott der Lebendigen ujid nicht der Toten, und er nennt sich (Matth. 2231 ff; s. die gleiche Auslegung Mekhiltha Bo 16 zu ויאמר die gleiche Deutung, wo es sich um das Schema und die Tefilla handelt) Gott Ahrahams, Isaaks und Jakobs, also müssen diese doch leben.“ Ist es ja bekannt, daß die Frommen erst nach ihrem Tode lebend genannt werden, die Frevler schon während ihrer Lebenszeit man als tot bezeichnet “ 2) Daß wir uns hier in einem Gedankenkreise befinden, der auf das vorhandene jüdische Schrifttum blickt, zeigt die nächste Stelle (ib. 34—40), die an Hillel’s u. Akiba’s Angaben über den Liebeskern des Gesetzes erinnnern (cf, die Paralist) und dabei die Bekenntnisformel des Schemä voraussetzen. Damit hängen auch die Matth. 23י erwähnten Tefilla und Zizith zusammen. Man soll nicht, wie die Weisen, sich Rabbi nennen lassen Tib. 7,8). In Sifri wird zum zweiten Abschnitt das Schemä (Sifri II < ) die Liebe zu Gott dahin bestimmt, daß man nicht, um reich 2u werden, oder sich Rabbi nennen zu lassen, die Thora halten soll :! (cf. Sifri 1138!) So hätten wir im Ev. Matth, eine Art catena über das Schemä und die Tefillah vor uns, deren Bestandteile wir nur da in den halachischen Midarschim finden, wo Schemä und Tefillah behandelt werden. 3) Die halachische Seite zeigt au:h Matth. 2335: ״Weh Euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln auswendig reinlich haltet, inwendig aber ist’s voll Raubes und Fraßes. Sie gleichen (v. 27) übertinchten Gräbern (28) außen fromm, innen Heuchelei und Untugend.“ Hier geht’s ersichtlich auf die Rein lieitsgesetze los. Es ist Kelim 2! b von irdenen Gefäßen die Rede, denen die levitische Unreinheit nur von außen kommen kann, wenn der Unreine den Griff des Gefäßes von außen faßt; nicht aber kann die Tumah die Innenseite des Gefäßes erfassen. Wem das zu gesucht erscheint, der wird in dem Verhältnis zwischen dem Aeußeren und dem Inneren, in der Ungleichheit oder Gleichheit derselben, ebenfalls mit uns einen Toharothbegriff ausgedrückt sehen müssen. Sabbat 16b wird eine Ansicht angeführt, wonach, wenn Aeußeres und Inneres zugleich sichtbar ist, man an keiner Seite des Gefäßes eine Unreinheit annehmen dürfte. Daran erinnert nämlich (beim Streite zwischen R. Gamaliel und R. Josua angeführt) die Verfügung des Nassi ״Derjenige, bei dem nicht das Innere dem Aeußeren gleich sei, dürfe nie 1t in das Lehrhaus kommen.“ Da haben wir auch einen Toharothbegriff auf die sittliche Seite des Menschen angewandt. (Uebrigens ein Beieg dafür, daß man sich damals in Jamnia mit Opfer- und Reinheitssatzungen stark befaßt habe. S. unser ״Ueber den Zusammenhang der Mischna“ II. S. 37ff (Fortsetzung folgt.) Der lfidlsdie Index. Die ״Vossische Zeitung“ No. 349 vom 28. Juli d. J. (Morgenausgabe) erwähnt gelegentlich des römischen Index auch den Umstand, daß das Judentum ebenfalls einen Index gehabt habe.