Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 6. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Dystros-Xanthos. Gerade aber diese Fassung ist maßgebend der Ausgabe ß gegenüber, die dem Vaticanus entspricht. Sie ist entschieden die ältere und steht trotz ihrer vielen Zusätze geistig dem Hebräischen weit näher als ß. Letztere Fassung wußte mit dem Adarnissan Nichts anzufangen und wandelte ihn in Nissan um. Man wird allerdings die Frage aufwerfen, was denn eigentlich Adarnissan bedeutet? ln Megiila 6b wird die Frage behandelt, ob im ersten oder im zweiten Adar das Purimfest zu begehen ist. Da entscheidet der Talmud, der zweite Adar sei im Schaltjahre vorzuziehen, da er der ״Adar nahe am Nissan“ sei und so die beiden Erlösungsfeste Purim und Pesach dicht nebeneinander stehen. Und Jeruschalmi meint, die Tatsachen des Esterbuches hätten in einem Schaltjahre stattgefunden. Das entspricht genau dem Adarnissan, der in a durchgehends für Adar angewandt wird. Es ist der mit Nissan in Ver- Bindung stehende 2. Adar des Schaltjahres, während der 1. Adar wegen der Nachbarschaft mit dem Schewat den Namen Adarnissan nicht verdient. Es lag1 keine Veranlassung vor, den Traum des Mordechai in den Nissan zu verlegen, da doch die darin voraus gesagten Ereignisse den Adar betreffen. Damit fallen auch alle weiteren Folgerungen, welche Zimmern an den Nissan im Esterbuche knüpft. Besprechungen. I Jeremiaerklärer. j 1) D. Carl Heinrich Cornlll, Das Buch ieremia. LII und 535 S. Leipzig. Tauchnitz. 11 Mk. 2) Friedrich Qlesebrecht, Das Buch ieremia. Ueberaetzt und er-! klärt. 2. völlig umgearbeitete Aufj läge. Göttingen, Vandenhoek und ן Ruprecht 1907 XLI und 259 8. (Handkommentar zum a. T., herausgegeben von W. Nowack. Zum gleichen Sammelwerk gehört und im gleichen Verlag ist erschienen I Löhr, Klagelieder, s. 4. Kummer.) I 7 Mk., wozu auch die Klagelieder j bezogen werden können. Gebunden; Beides 8 Mk., Hlblbd. 9 Mk. j 3) D. Bernhard Duhm, Das Buch Jeremia. (Im kurzen Hand-! kommentar zum alten Testament, ־■herausgegeben von Carl Marti.) ( (Fortsetzung.) I Jeremia, einst der eifrige Vertreter des Gesetzes, der in der Treue gegen die Thora die einzige Rettung und in der Beseitigung von deren Satzungen die einzige Ursache des staatlichen Sturzes sieht — Jeremia, die eherne Säule, der flammende Redner, der über die Völker dahinblickt und ihre Zukunft vorausverkündet — Jeremia, der ebenso Entsetzliches vorauszusagen wie Hoffnungen zu erwecken weiß — er, der als Knabe beginnt und als Greis in Egypten endet — was ist aus ihm geworden! Ueber die Weitschweifigkeit und Mattheit so mancher Weissagungen wunderten sich schon die Biuristen, die alten Erklärer suchten Gründe dafür in den Verhältnissen Jeremias; in den Weissagungen gegen die Völker merkte man allein einen kräftigeren Ton. ■ Im Laufe der Zeit kam man dazu, die Jeremiarolle,*die von Jojahim verlesen, von ihm verbrannt und später vermehrt wieder niedergeschrieben wurde, in ihrer zwiefachen Gestalt zu unterscheiden von der Lebensgeschichte Jeremias, die auf Baruch zurückgeführt wurde, und von den Hinzufügungen Späterer. Aber der letzte Teil wurde׳ mit dem Fortschreiten der Jeremia-