Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 6. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492408-6582210-8771045--3569-4858657- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 65 christlichen Märtyrer ebenso trotzig uhd verblendet vorkamen und daß König Philipp die Glaubenskämpfer der Niederlande ähnlich beurteilte. Der Kat, als Judentum voij der Bildfläche zum Besten der Welt zu verschwinden, ist uns schön von Antiochus mit gleichem Recht und Unrecht gegeben worden.*)! Hätten wir den Rat befolgt, wo wäre heute das Christentum? Nach dem Auftauchen des letzteren wurde das Judentum für entbehrlich ningestellt, und doch hat die Reformation an nichts Anderes erfolgreicher anknüpfen können, als an die Bibel, unser Schrifttum! Wie fpr den Deutschen, so ist es auch für den Juden Lebensbedingung, | daß er nicht auf die Dauer gegen die Religion gleichgiltig bleiben [kann. Also auch hier eine Gemeinsamkeit trotz der scheinbaren äußeren Verschiedenheit! Wir haben mit allen diesen Ausführungen nur Andeutungen in großen Zügen gegeben, deren Ausführung dem Einzelforscher überlassen bleiben muß. Es ist schon ein [großer Vorteil, wenn unsere Gegner sich mit der Widerlegung von Anschauungen befassen müssen, weiche ihren alleinseligmachenden Sitz von der grundsätzlichen Verschiedenheit zwischen germanischem und semitischem Wesen bedrohen. Bei dem Gedankenkampfe dürfen wir aber nicht einseitig nach Lichtseiten im Judentum suchen, welche uns zu vollkommenen Menschen machen. Vielmehr müssen wir gründlich an unserer Veredelung arbeiten, dabei abdr unser Anrecht betonen, mit menschlichem Maße gemessen zu werden, nicht besser sein zu müssen als Andere. Dann wird man [vielleicht aufhören, uns eine besondere Beurteilung zukommen zu lassen. Bieten wir Tatsachen/ kein Spiel mit geistreichen Redensarten. Wenn wir mit Zähigkeit den Satz widerlegen ״Der Jude ist körperlich und geistig ewig ein Fremder in unserer Mitte“, dann zwingen wir die gelehrten Schreier im judenfeindlichen Lager, für eine ihrer häufigsten und wirksamsten Behauptungen den Beweis zu erbringet. Hören wir nicht auf, für die Anerkennung des Wortes zu kämpfen, das ja auch ein Deutscher und nicht der schlechteste, ausgesprochen, des Wortes, welches in Israel immer wiederklang, und welche^ Goethe bei seinem Wunsche nach Anerkennung der Weltliteratur zi^m Ausdruck brachte: Gottes ist der Orijent, Gottes ist der Ociident! fldariü$a11. f - In ״Schräder, die Keilinschriften urjd das alte Testament“ 3. Aufl. (Berlin, Reuther und Reichard 1903), neubearbeitet von Zimmern und Winkler, wird 515 ff das Purimfest) behandelt. Da wird auf den Zusammenhang zwischen der Handlung des Esterbuches und dem Nissanmonat Wert gelegt und in der Apmerkung S. 517 gesagt, daß der bekannte Traum des Mordechai in [dem griechischen tsterbuchp (auch in Midrasch Ester und Josippon) auf den 1. Nissan fällt. Das ist ein Irrtum. Vielmehr wird] der Monat in der griechischen Uebersetzung, die Lagarde auf der ersten Seite**) als a abdruckt und die Lambertus Bos Vetus Altera nennt, Adarnissan genannt, griechisch *) Man denke an Fromer u. Gaulke. S. unsere Entgegnung ״Deutscher Kampf“ 1907 No. 10. **) Libr. vet test. pars 1 p. 504. Bos, Septuaginta Franeker 1708.