Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 5. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 50 — weitert vorlegt. Ebenso hatte er im Jahre 1905 am 24. November dort über ,die grundsätzliche Stellung der katholiscnen Kirche zur Bibelforschung“ etc gesprochen und den Vortrag gleichfalls erscheinen lassen. Wir naben darüber in vorliegender Zeitschrift 1906 No. 1 berichtet und über ,Bibel und Naturwissenschaft nach den Grundsätzen der katholischen Theologie.“ im ״Israelit“ 1906 No. 50. Indem wir auf jene Besprechungen verweisen, wenden wir uns vorliegender Schrift zu. Die Kirche stellt für alle biblischen Bücher (auch für die apokrypischen) ׳ unbedingte Offenbarung fest; ihre Ver-; fasser sind irrtumslos, soweit sie von I ihnen selbst geschrieben worden sind. ] Davon sind die blos berichteten An- | sichten zu trennen, ebenso die nicht j behaupteten Sonderansichten. Das Ursprüngliche zu suchen, ist Sache der Wissenschaft. Demnach hat sich der Forscher, den Zusammenhang der I kirchlichen Grundsätze aller Zeiten | vorausgesetzt, den Fortschritten der j Bibelwissenschaft nicht zu verschließen. i So ist die Quellenscheidung selbst | in biblischen Dingen nach N. P. eine Pflicht, nichtein Recht des Forschers. Die geschichtlichen Ergebnisse der Pentateuchforschungen sind für das Verhältnis des Glaubens zum Wissen in den Kernfragen des Schöpfungsberichts von nicht zu großer Wichtigkeit Peters will von einer vermittelnden j Deutung, die aus sechs Schöpfungstagen sechs Zeitalter machen will, niaits | wissen1), da die Schrift sechs wirkliche . Tage meint und nichts mehr. Die Reihenfolge der Hervorbringungen läßt das Tageslicht von der Sonne unabhängig sein, die Darstellung selbst macht die Erde zum Mittelpunkt aller Dinge. Diesen und anderen Teilen der Dar- Stellung gegenüber urteilt die Natur- Wissenschaft anders; sie kennt keinen Himmel, läßt die Sonne vor der Erde entstehen, die Lebewesen aus einander erwachsen. So kommen wir zur Entwickelungslefye, die keine Einzel- Schöpfungen durch Gott zuläßt. Und gerade den Entwicklungsgedanken nennt Peters ,einen der tiefsten, die je ein Menschengeist gedacht hat.“ Aber wie dies einheitlich-gewaltige I Weltbild mit dem Glauben in Einklang bringen? Vermittlungen bleiben, wie geistreich auch immer, schwach und unbefriedigend. Textesverbesserungen verbessern hier gar nichts, da der Wortlaut von Gen. 1 wohlbezeugt ist. Gegen Umstellungen hat E. König (Glaubwüri digkeitsspuren etc.) mit Recht sich er- 1 klärt. Hier muß Glauben und Wissen entweder unvereinbar sein oder ein Teil : ist von falschen Voraussetzungen aus-! gegangen, und die Mitwelt wird gewiß ן nicht den Naturforscker für den Irrenden halten. Welchen tatsächlichen Wert ' haben die berichtenden Seiten des Bibelanfangs? j Das Altertum, so lautet Peters Ant- | wort, und demnach auch Israel kannte I keine einfache Naturerklärung. Sollte I Gott nun dem Menschen das offenbart I haben, was er selbst entdecken muß? I Soll die ungesunde Spannung zwischen ן Wissen und Glauben sich noch steigern, •_ wodurch der Unglaube die Vernichtung •: des Glaubens voraussagt? Ist denn ■ aber die Erklärung der Tatsachenweit der Zweck der Offenbarung?! Jene ist Sache der Vernunft. Die i Offenbarung beschränkt sich dagegen I auf die übernatürlichen Heilswahrheiten, J wogegen die Träger der Offenbarung { im Bereiche ihrer Zeitalter bezüglich; ihrer Welterkenntnis durchaus stehen geblieben sind und die irdischen Gefäße für den Heilsschatz ausmachen. Dem- ,: nach kann die Bibel nur in göttlichen I! I Dingen vollkommen sein, während sie W hezüglich äußerer Kenntnisse sich schon 1 zu Gunsten der Volkstümlichkeit J eine Schranke auflegen mußte. Die j Dichtkunst z. B. scheut geradezu das ] wissenschaftlich enge Gewand, und so! allein wirkt sie, und so allein konnte die i Bibel selbst wirken, wenn sie die Sprache i der Menschen im Leben beibehielt.!: Die Uebereinstimmung der Väter und der Kirche, nicht die Bibel allein,'' stellt das höchste Offenbarungsgut fest, und diese Väter und die Kirche, können j ebenso in den Punkten irren, in denen | sie menschlich begrenzt sind. | Auf so kühnen Voraussetzungen d fußend, nimmt Vf. die Scheidung des Göttlichen und Menschlichbeschränkten : in der Bibel vor; und wenn man fremde, ] selbst heidnische Urbestandteile nun dem J heiligen Zwecke gemäß umgewandelt I findet, stört das den Glauben an die! Offenbarung nicht, die Alles verwendet ') Den gleichen Standpunkt nehmen wir in ״Zurück zur Bibel“ ein.