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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 5. (1907) · p. Seite 55

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 5. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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— 55 — zu betrachten sein? Oft schneidet der Uebers. Uebergänge fort und schädigt die Frische des Ausdrucks. Daß er Stücke, die im Hebr. zweimal stehen, nur einmal hat, will Giesebrecht auch nicht unbedingt zu Ungunsten des MT., sondern auf Streben nach Vereinfachung deuten. Auch die Versetzung der Völkerstücke (MT 45 ff, LXX 251s) hielt Giesebrecht für das Spätere. Ganz anders Duhm. Die LXX gingen auch nach ihm der Festsetzung des Hebr. voran, und noch nach ihnen haben Abschreiber den hebr. Tert absichtlich durch Wiederholung von Worten vermehrt, um Zeilen zu füllen und die Handschriften prächtiger zu gestalten, während die LXX nach Vereinfachung der Vorlage strebt. Von zwei Grundfassungen wird keine Rede sein, nur von verschiedenen Zeitpunkten und Richtungsn der Abschlußbestrebungen. An Schreibfehlern sollen beide Quellen gleich gewesen sein. Den Uebersetzungs fehlem des Griechen stehen Schreibfehler und Mißgriffe des Hebr. gegenüber. Auch die Massorethen sollen stark geirrt haben. Allgemeine Ergebnisse stellt Duhm nicht auf, er hält die Entscheidung von Fall zu Fall für wichtiger. Im allgemeinen hielt er den MT für unzuverlässiger als den Griechen, Die Sammler von Lesartenfamilien unternehmen nach ihm etwas Aussichtloses. Cornill hat es uns ganz besonders leicht gemacht, uns das Verständnis für den Gegensatz zwischen dem Hebräer und dem Griechen selbst zu verschaffen. Er hat iu der Uebersetzung durch verschiedene Sehrift den Bestand des Hebräischen und Griechischen in ihrer | Sonderung und dann in ihrer Ueberein- I Stimmung gekennzeichnet und dadurch dem Leser das sich Hindurchwinden zwischen den verschiedenen Ueber- Setzungen und Lesarten erspart. Dies j Mittel bewährt sich ausgezeichnet. Aller- : dings habe ich die gleiche Einrichtung ' schon bei Norbert Peters in seinen Beiträgen zur Text- und Litterarkritik sojvie zur Erklärung der Bücher Samuel“ gefunden (Freiburg Herder 1899), so ן daß es dafür wohl schon ältere Vorj bilder gibt. Jedenfalls ist diese Ein- ן richtung kaum bei einem Buche wich- I; tiger, als bei Jeremia, wo uns die 70! auf Schritt und Tritt hemmen können.!1 Aus Cornill’s Jeremiaausgabe von 1894 1! ersehen wir, wie aus seinen metrischen Stücken daß er zwischen Giesebrecht und Dulim die Mitte einnimmt 25»—1! hält er z. B. für eine Einleitung der Völker» e!ssagungen, aber das sind die Sätze durch eine Ueberarbeitung der Schlußworte geworden. Demnach naben die Völiterstücke zuerst wie im MT am Schlüsse des Buches gestanden und sind erst dann hinter 251» gerückt und zwar m :int Cornill, daß es auch hebr. | Fassungen dieser Gestalt gegeben hat, wie die Erhaltung der Umwandlungsformel im MT beweist. Auch die Reihenfolge van Kap. 46—51 scheint Cornill ן gegenüber LxX 25!4—31 als die ur- 1 sprünglichere. (Letzteres gegen Duhm.) ' Aus diesen Urteilen über die 70; werden die Auffassungen verständlich, : welche in den drei Büchern über Jeremia gef eben werden. (Fortsetzung folgt.) Horinsrt Peters Hbarenznng zwisdßn Glauben nndVisseo. Norbert Peters, Professor der Theologie an der biscböfl theol. Fakultät zu Paderborn. Glauben und! Wissen im ersten biblischen pfungsbericht- XII u. 80 S. ningh, Paderborn 1907. 1 Mk. Pfff. rbert Peters, Papst Pius X. das Bibelstudium. 83 Seiten, eher Verlag. 1 Mk. 10 Pfg. Seht) Schp׳ 40 N0: und Gle: Norbert Peters geht unentwegt auf der Bahn weiter, auf der wir ihm gern trotz mancher grundsätzlichen Verschiede iheiten gefolgt sind. Glauben und Wissen in ein richtiges Verhältnis zu einander zu bringen, scheint ia die Aufgabe unserer Zeit zu sein, wird aber doch nur, da man den strengen Gedanken cctten heute nicht viel zutraut, vou We nigen und wenig betrieben. Und doch hängt davon die Treffsicherheit unserer Emzelarbeiten ab, daß wir uns allgemeingültige Voraussetzungen dafür schaffen. Der unermüdliche Vf. hat am 5. Dezember 1905 in Berlin einen Vortrag über Glauben und Wissen imSchöpfungsbericht ) gehalten, den er uns hier er- ') S. academia Dec. 19.5 u. Jan. 1906.

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