Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 5. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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— 54 — tuenden Einfluß ausgeübt haben. Er heiratete im Jahre 1824. Anläßlich dieser Feier gratulierten ihm seine Freunde mit hebräischen Dichtungen, die mir jetzt vorliegen. (Schluß folgt.) Besprechungen. Jeremiaerklärer. 1) D. Carl Heinrich Comill, Das Buch Jeremia. L1I und 535 S. Leipzig. Taachnitz. 11 Mk. 2) Friedrich Giesebrecht, Das Buch Jeremia. Uebersetzt und erklärt. 2. völlig umgearbeitete Aufläge. GöttiDgen, Vandenhoek und Ruprecht 1907 XLI und 259 S. (Handkommentar zum a. T., herausgegeben von W. Nowack. Zum gleichen Sammelwerk gehört und im gleichen Verlag ist erschienen Ltfhr, Klagelieder, s. vor. Nummer.) 7 Mk., wozu auch die Klagelieder bezogen werden können. Gebunden Beides 8 Mk., Hlblbd. 9 Mk. 3) D. Bernhard Dohm, Das Buch Jeremia (Im kurzen Hand- 1 kommentar zum alten Testament, herausgegeben von Carl Marti. Die Cornill’sche Jeremiaerklärung vom vorigen Jahre bietet mir die längsterwartete willkommene Veranlassung, an der Hand der 3 Hauptwerke von Giesebrecbt (nun in zweiter Auflage herausgekommen), Duhm und Corniil die Jeremiafrage in unsererMilte hervorzukehren. Welche Wandlungen hat das Urteil über Jeremia nicht durchgemacht I Galt seine Sprache einst für matt und breit dem Jesaia gegenüber, so ist er nun zum anziehenden Dichter von Stirnmungsbildem geworden. Seit dem Erscheinen des welterschüttemden Duhmsehen Werkes bekommt man Gewissensbisse, wenn man irgend eine feurige Rede Jeremias für echt zu halten wagt. Aber Giesebrecht, der sich in seiner Neuausgabe nicht zu weit von seinen früheren Anschauungen (von 1895) entfernt hat, und Corniil, der als Herausgeber des Graf’schen Jeremias, allerdings in vollkommener Umwandlung, nach peinlichster und aufrichtigster Selbst- Prüfung, eine Abrechnung mit Duhm vornimmt, bieten uns Veranlassung, dem fesselnden und lehrreichen Duhnvschen Buche gegenüber unsere Selbständigkeit zu wahren und selbst eine Entscheidung zu treffen. Vor allem ist zu bedenken, daß der griechische Jeremia sich vor dem hebräischen durch größere Kürze, Um- Stellung mancher Teile, durch viele und weitgehendä Streichungen, wie auch durch Zusätze, abgesehen von einer Fülle anderer Gegensätze, unterscheidet, so daß man jedem Erklärer um sein Urteil über diese Umstände zu befragen hat. ehe er uns über seine Jeremiaauffassung Aufschluß zu gehen vermag Den großen Unterschied zwischen Septuaginta und MT schrieb Eichhorn zwei jeremianischen Ausgaben zu, von denen die letzte die frühere ergänzen sollte. Workmann urteilt ähnlich, während Andere (Graf etc.) dem Uebersetzer Leichtfertigkeit und Willkür zuschreiben. Giesebrecht will selbst in Lucian, der die Hexapia voraussetzt, an manchen Stellen eine gute Ueberlieferung vermuten. Im Ganzen hält er die hebr. Handschrift, aus der LXX geflossen, für fehlerhaft; oft gibt der Grieche gute Lesarten, oft verfährt er aus Unwissenheit frei mit dem Hebräischen; er umschreibt das Hebräische, greift ungeduldig tastend in den Text ein, errät aus dem Zusammenhang und gibt die Glaubensauffassungen seinerzeit wieder. Manches in der LXX Fehlende hält Giesebrecht für späteren Zusatz des Hebräischen, den der Uebersetzer noch nicht vorhatte. Anderes, wie Namen und Titel, hat die LXX gekürzt. Wo aber der Grieche größere Teile nicht hat, warn) Giesebrecht vor Ueber- Schätzung seiner Zuverlässigkeit. Da in Jeremia eine gewisse Breite vorherrscht, so kam Uebers. dazu, zu kürzen und fortzulassen. Wie würde sonst erade der dritte oder vierte Ausdruck ei Begriffshäufungen immer als Zusatz