Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 5. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
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53 - Druckerei eine Lebensstellung erlangt hat und nicht mehr das allernötigste entbehren muß; er denkt nicht an sein eigenes, trauriges Loos und an sein jammervolles Elend sondern an einen handschriftlichen Kommentar des More in der Wiener kais. Bibliothek, den der Freund ihm jetzt abschreiben wird. Doch ist es nicht unsere Aufgabe, die Verdienste dieses JVannes zu würdigen, seine Werke aufzuzählen, seine Bescheidenheit und sein Martyrium für seine Wissenschaft hier öffentlich zu bewundern, wir wollen vielmehr der Frage, die sich schon mancher vorlegte, der einen freundliehen Blick für Dukes hatte, nähertreten: Wer nährte in Dukes in dem damaligen Preßburger Ghetto das Verständnis für die Dichter und Denker vergangener Zeiten? wer weckte in des jungen Dukes Seele das Interesse für grammatische Studien und literarhistorische Forschungen? Wer lenkte seine Aufmerksamkeit auf die herrlichsten Perlen jüdischer Weisheit, auf die Sprüche und Gnomen der Lehrer in Israel? Bereits früher war es bekannt, daß ein Jünger des Moses Schreiber, der nachmalige! Rabbiner zu Trebitsch, Chaim J. Pollak, der später das Werk Isak Aramas, Akedah, kommentierte und wie der handschriftliche Nachlaß lehrt, ein bedeutender Forscher des vorigen Jahrhunierts war, die ersten Keime der wissenschaftlichen Forschung in den Geist Dukes streute (vgl. bereits J. Reich: Beth. El. II 1859.45). Dukes besuchte auch die Schule des R. Moses Sofer, aber nicht lange; trotzdem ist er seinem Lehrer treu geblieben und verehrte ihn bis an sein Lebensende. Charakteristisch für Dukes ist der am 4. Nov. 1832 in München an Stern geschriebene Brief, in welchem er sich für die Approbation seiner Raschi-Uebersetzung seitens seines! Lehrers bedankt und über denselben ausführlicher zu sprechen kommt: ״Die Haskomo von meinem Lehrer (den Gott lange erhallen möge!), welche du so gütig warst zu kopiren, und welche jetzt vor mir liegt, machte mir ein außerordentliches Vergnügen: 1 tens. Doch wozu brauche ich dir dies zu sagen? Du kennst ja den Zweck aller ״Haskomoth“? Ich werde lange zu arbeiten haben, tis ich alles wahr machen werde, was in dieser Haskomoh steht. 2 tens gab mir der große und ehrw. Mann, den ich schon längst achtete, neuerdings Gelegenheit, ihn noch mehr zu achten. Die Wahrheit zu gestehen, ich dachte nicht, daß eine Haskomoh meir Werk bis zum Publikum eskortieren wird; und wenn es sein :sollte, so wird sie nur — stellte ich mir vor — einige Zeilen enthalten, um mich, seinen ehemaligen Schüler, nicht ganz leer ausgellen zu lassen. Der Mann spricht seine Zufriedenheit damit in Worten aus, welche sowohl mir, als dem frommen, kaufenden Publikum durchaus nichts mehr zu wünschen übrig lassen.“ Der Brief enthält am Schlüsse noch einen Vorwurf gegen die starre Ortodoxie, ״die manchen Verdruß sich hätte ersparen können; aber was sie einpt nicht gutwillig taten, wird sie die Zeit zu tun zwingen.“ Neben Sofer hatte Dukes sehr viel seinem genannten Lehrer zu verdanken. Pollak besuchte in den zwanziger Jahren des v. Jhts. die Preßburger Hochschule, wohin die Hörer nicht nur aus Ungarn, sondern in großer Anzahl aus Mähren und Böhmen strömten und mit ihrer Bildung einen sehr wohl-