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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 5. (1907) · p. Seite 51

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 5. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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rden die deutschen Namen immer seltener, die Ver- Jniversitätslehrer immer Dinge anzuführen, weil — 51 — die Vlämen um ihr Recht streiten; beobachten wir die in den russischen Ostseeprovinzen sich kundgebenden Bestrebungen, das Deutschtum zu vernichten! In Rußland we) der Minister und Generäle neuerdings gewaltigungen deutscher Pfarrer und häufiger. *) Wir tragen kein Bedenken, derartig^ wir daran festhalten, daß gehaßt zu werden, keine Schande ist! [Gerade der Deutsche muß auf Grund geschichtlicher Tatsachen zu dem Schlüsse gelangen, daß die Meistbene deten, die Meistgehaßten nicht die schlechtesten sind. Wer durch T atkraft und Zähigkeit sich überall eine Stellung erringt, zieht sich Neider und Verfolger zu. Wir kommen zu dem Vorwurfe, der jüdische Geist sei vorzugsweise zersetzend; der Jude sei ein Grübler und Nörgler, dem in Folge dieses wühlerischen Dranges Nichts heilig sei. Er greife gern zu Berufen, die besonders Denken erfordern, aber weit von körperlicher Tätigkeit abführen. Hier gegen können wir auf die vielfachen Belege verweisen, welche für die Wertschätzung der Arbeit aus dem jüdischen Schriftthume gesammelt sind, ferner auf den nachweislich sehr großen Anteil, den z. B. die östlichen Juden an allen Beschäftigungsarten nehmen, schließlich auf die vielfachen Be- Strebungen der deutschen Juden zur Verbreitung des Handwerks und 8 des Ackerbaues. Man darf aber auch die Hindernisse nicht unterschätzen, welche dabei den Juden entgegenstehen und für die größere oder geringere Zahl der jüdischen Handwerker an einzelnen Orten " maßgebend sind. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß der Jude, wo er es kann, gern durch seinen Geist wirkt. Aber ist das nicht bei allen Menschen der Fall? Wer wird es vorziehen, Steine zu klopfen, wenn er sich befähigt glaubt, sich den höheren Berufsarten zu widmen? Der Jude, welchem so viele Berufe grundsätzlich verschlossen werden, muß schon aus diesem Grunde den begreiflichen Drang haben, sich mindestens die Gebiete zu erhalten, die ihm belassen sind; er scheut es aber auch nicht, manche Jünglinge, deren Begabung für gelehrtes Wirken wohl genügend erscheint, dem Handwerk und der gewerblichen Tätigkeit zuzui ühren. Dringen trotzdem noch immer zahlreiche jüdische Jünglinge n die Gebiete der Wissenschaft ein, so muß man bedenken, daß der Andrang zu den gelehrten Berufsarten im Allgemeinen immer noch zu groß ist; daß aber auch der aufs Geistige gerichtete gedankliche Zug in den Juden keine Kluft bedeutet, die sie von den Deutschen trennt; hat man diese nicht das Volk der Dichter und Denker genann? Das Land, aus welchem die befruchtendsten und weiterschütterndsten Gedanken kommen, tief und sonderbar, erhaben und eigenartig — es ist Deutschland. Dem Juden aus seiner gedanklichen Neigung ein Verbrechen machen, heißt die Waffe gegen Etwas führen, was auch von dem deutschen Wesen nicht getrennt werden kann! Der aufstrebende deutsche Geist war es, der einen Mendels- *) Man vergesse nicht, daß der Vortrag 185ג gehalten worden ist.!

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