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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 4. (1907) · p. Seite 42

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 4. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 42 (sequence 6)
Language
German
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vornehmen Trauerspiels und des Satyr-; spiels herrscht hier die roheste Wirklichkeit. Ein Ueberbrettl in grauester; Zeitl Die Narrenmütze, der Clown, der ' genarrte Weise, der weise Narr — sie ׳׳ Alle haben in den Mimen ihren Ur- 1 Sprung; von Gesetz und Kirche wurden sie für ehrlos gehalten, wenn auch so 1 Manche von ihnen, wie Theodora bei!| Justinian, hoch emporkamen. Laberius!, und Syrus, die Zeitgenossen Cäsars, jj sind bekannt. Von Syrus haben wir; eine Anzahl den Mimen entnommener :: Weisheitssprüche, die uns auf Besseres : und Höheres blicken lassen. Das Wort Mimus selbst lässt sich sprachlich durch das Arabische, He-! bräische ff bis zum französischenPossen- 1 helden verfolgen; Shakespeares Gej staltcn (s. Reich lOtes Kapitel über j ״Zettel den Weber“) haben sich Vieles! aus dem Mimus gewahrt und darin; liegt oft ihre zwerchfellerschütternde jj Kraft. Der Mimus wird uns im Mo- |; hammedanismus, in der Kirche vor- || geführt, der syrische Philogelos, eine |1 Fülle von Erzählungen erheiternder Art, die von Mimen stammen (für Kenner j| des Syrischen wegen der Bemerkungen ׳; von besonderem Werte); der Mimus in! jüdischen Quellen wird nicht vergessen, j und mit dem egyptischen Schattentheater schließt das Buch. Wie berührt der Mimus das Juden- '| tum? S. 16, 17 erwähnt Vf. das Hai mansspiel, das Sauh. 64 b angedeutet , und bei Nathan ben Jechiel (irri Aruch)! geschildert wird: Die Verbrennung eines ' hölzernen Haman, welcher Scherz im \ Theodosianus verboten wurde. ן S. 89 bringt Vf. den ״Mimus in!: jüdischen Quellen'‘. Der Jude selbst j: war schon früh ein beliebter Gegenstand mimischen Spottes. Philo er- |•' wähnt den Mimus oft, was auch häufig; in Midraschin geschieht. Simon ben Lakisch, der berühmte Schwager R. Jo-!: chanans, hebt die erheiternde Wirkung!: der mimischen Lustigmacher als be- 1' sänftigend hervor. R. Abahu war daii gegen nicht so erbaut davon; wurde! doch die Langlebigkeit eines jüdischen!j Festgewandes verspottet; ein Kamel in ■ Trauer tritt auf, weil die Juden im .Schebithjahre ihm die Dornen fortessen; vor Vasthi’s Vater kamen Herrscher als Minnen; die Miminnen erregen den bösen Trieb; die klugen Einfälle in Echa Rabbathi führt Verfasser auf mimische Vorbilder zurück; solche Er- Zählungen sind auch in Tausend und eine Nacht übergegangen. Vorliegende Schrift ist dem Kenner eine große Förderung; auch der gebildete Leser wird viel Packendes und Erheiterndes darin finden. Ohne daß die Absicht hervortritt, hat Vf. aber gezeigt, daß der Jude, dem man damals noch eher den Kunstsinn hätte absprechen können, als heute, wohl die Kunst auf sich hat einwirken lassen. Mas Löhr, ״Die Klagelieder des Jeremias‘‘, übersetzt und erklärt. 2. nmgearbeitete Auflage. (Auch: ,,Handkommentar zum alten Testament“, heransgegeben von D. W. Nowack, 3. Abteilung 1. Teil 2. Band) XVI und 23 S. 1 Mk. (mit dem vorhergehenden Bande*) zusammen 7 Mk., in Leinwandband 8 Mk., in Halblederband 9 Mk.) In wenig Jahren eine zweite Aufläge! So geht es bereits mehreren Bänden des ״Handkommentars‘•. Empfehlend für das große Bibelwerk, aber auch ein ehrendes Zeugnis für die lesenden und — kaufenden Kreise. Wie viel Jahre wären bei uns dazu nötig gewesen? Die Klagelieder des Jeremia — ein kleines Buch, aber von wieviel Einleitungsfragen umgeben! Wo ist sie hinf. _ mia? Wird man nicht bald glauben, bis zur Makkabäerzeit mit den Klageliedern zeitlich hinabsteigen zu müssen? Nach Löhr stammten gewisse Klagelieder auf Josia wirklich von Jeremia, worin er dem sonst in der Wissenschaft nicht sehr beglaubigten Chronisten (II 3525) Glauben schenkt, ln der angegebenen Stelle hat man Jeremia schon ״das Buch der Kinoth“ zugeschrieben, weil die Josiaklagen von ihm stammten. Der Verfasser von Thren. 3 war ein Zeitgenosse des Chronisten; er brachte seine Dichtung als Mittelpunkt zwischen 2 und 4, die er als jeremianisch ansah. 1 und 5 nahm er aus schon vorhandenen Liedersammlungen. Im Jahre 1891 erklärte Löhr 2, '3 und 4 als aus einer Hand stammend. *) Dies ist Giesebrechts Jeremia, in 2. Auflage soeben erschienen. Wird von uns nächstens in Verbindung mit den Werken von Cornill u. Duhm besprochen.

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