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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 4. (1907) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 4. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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־30- Abstammung, Deinem Körperbau geijnäß unsere Kunst und unsere Wissenschaft überhaupt nicht innernd)! mitempfinden!“״ Denken wir uns diese Anschauungen auf die Berufsarten des Lebens übertragen — was ist einfacher als die Folgerung, daß der Jude nicht mit Ehre den Degen zu tragen verstehe, daß der Talar des Richters ihm nicht zu Teil werden dürfe? Wären dies Hassesrufe niederer Volkshaufen, dann dürften wir auf ihr allmähliches Verhallen hoffen. Was aber in Gestalt aer Wissenschaft erscheint, muß gründlich und immer von Neuem widerlegt werden, ehe es sich überlebt und keinen Schaden mehr erzeugt. Müssen wir die Macht des wissenschaftlichen Gedankens hier!anerkennen, wo er schädlich wirkt, so müssen wir auch die Notwendigkeit fühlen, gegen diese Wirkung ebenfalls wissenschaftliche Waffen anzuwenden. Dabei gilt es, Tatsachen gegen Tatsachen zu halten, zuzugeben, was wir richtig finden, auszusprechen, was wir mit Fug und Recht behaupten dürfen, und uns unentwegt auf dem Gebiete der Völkerwissenscnaft mit der gegnerischen Seite zu messen. Dabeji ist schon das Streben ein Erfolg, denn dadurch wird der Kambf mehr und mehr auf einen höheren Standpunkt geführt, wo die Leidenschaft notwendig erlischt. Wird es auch nicht gelingen, zu überzeugen, wo der Gegner nicht überzeugt werden will, so fehlt! es doch auch im Feindeslager nicht an solchen, die im guten Glaupen handeln und eine falsche Ueberzeugung gern mit der besseren! vertauschen.*) Unter den Zügen der Juden, ]welche ihn nach Angabe der Gegner dauernd von dem Arier, besonders von dem Germanen trennen, wird stets die Unstetigkeit erwähnt. Der Jude, sagt man, ist nicht seßhaft, nicht an die Scholle gebunden. Wenn er sein Glück nicht hier findet, sucht er anderswo Wohnort und Heimat. Ist er nun seinem inneren Wesen nach ein Nomade, so kann er keine Liebe zu einem Vaterlande haben; er wird nur dessen beste Kräfte an sich ziehen, um das abgewjeidete Land mit einem anderen fetteren Boden zu vertauschen. Wenln wir die Wahrheit dieser ungeheuerlichen Sätze anerkennen müßten, so wäre immerhin erst noch aer Nachhweis nötig, daß dem Menschengeschlechte der Wandertrieb weniger genützt habe, als das Haften an der Scholle. Wie kommt aber gerade der Deutsche! dazu, hierin einen Gegensatz zu seinem Wesen zu suchen? Gerade der Deutsche ist und war stets von dem Wandertriebe erfüllt, welcher bei ihm wohltönender ״der Zug in die Feme“ genannt wiird. Ohne den germanischen Wandertrieb hätte aus den Trümmern des römischen Reiches sich nichts Neues mit gesunder Kraft entwickeln können, ohne ihn hätte die Weltgeschichte eine völlig andejre Wendung genommen. Der Germane wurde nie vollkommen einsimit den natürlichen Bedingungen des Bodens, sondern bewahrte ihn) gegenüber seine persönliche Freiheit. Wer entschließt sich noch heute leichter dazu, seine Heimat aufzugeben, und das ihm im Vaterlapde nicht erblühte Glück außer- *) Im Jahre 1895 war ein solcher Weckruf noch mehr am Platze, als heute, wo schon Manches zur Verteidigung des;Judentums geschehen ist, aber die Hauptsache doch noch zu tun übrig bleibt.

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