Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 4. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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38 — Was frommt Dir das Gold nun, der reiche Besitz, Wie Adler so flüchtig? Was ist es Dir nütz? Doch hast Du zum Wohltun ihn redlich verwandt, Wird er Dich verteidigen im Totenland, Wenn dereinst sich die Riegel bewegen, Und die Schläfer da unten sich regen! Aus Tozeoth chajim. Neu bearbeitet von Rabbiner Joseph Nobel, Rödelheim, S. Lehrberger & Comp. (S. 244.) Dentsdie nnd luden.*’ Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preuß. Stargard. Keines der antisemitischen Schlagworte hat so tiefe Wirkungen ausgeübt, wie der Satz von der Verschiedenheit des semitischen und des germanischen Geistes. Auf Untersuchungen beruhend, welche nicht Jeder prüfen kann, ist dieser Satz verständlich genug, um auch von den Massen erfaßt zu werden und fortwährend Verwertung zu finden. Da sich eine Verschiedenheit der Stämme, in Bezug auf Körperbau, auf die Art, Empfindungen zu äußern und sich in der Geschichte geltend zu machen, nicht leugnen läßt, finden die wissensehaftKchen Haßverkünder Einzelheiten genug vor, welche sie den Zweiflern entgegenhalten und womit sie in denjenigen Kreisen Anhänger gewinnen können, deren Geist sich auf rohe Weise nicht fesseln läßt, deren Gegnerschaft für uns aber besonders Verhängnisvoll wird. Wie läßt es sich nun verhindern, daß uns aus unserem Körperbau, aus der Eigenart unseres Tonfalls ein unverzeihliches Verbrechen gemacht wird? Wie läßt sich der Wall unklarer und unwahrer Voraussetzungen erstürmen, hinter welchen sich unsere Angreifer nach allen Einzelniederlagen flüchten, hinter welchem sie sich sicher fühlen, weil dieser Wall geistiger Art ist? Der Jude sagt: ״Ich liebe mein Vaterland!“ ״״Redensart!“״ tönt es ihm entgegen. ״״Du kannst Deiner Eigenart gemäß es nicht lieben; Du täuschest Dich selbst damit!““ ״Ich liebe die Kunst, die Wissenschaft; ich will darin schöpferisch wirken; ich will damit dem deutschen Geiste Ehre machen!“ ״״Weit gefehlt!““ ruft der Widerpart, ״״Deine angebliche schöpferische Kraft ist Nachbeterei, geschickte Benutzung fremden Gutes! Deine Wissenschaft muß der Tiefe ermangeln, denn Du wirst nur das leicht zu Erlangende und das Gewinnbringende lieben. In der Kunst wirst Du der Vertreter des hohlen, blendenden Scheines sein, ohne Empfindung für das einfach Schöne und Wahre. Du kannst Deiner Vergangenheit, Deiner *) Dieser Aufsatz erschien im Jahre 1895 in der Zeitschrift ״Im deutschen Reich“ nach einem im ״Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ gehaltenen Vortrag. Er wird wohl auch heute noch zur Klärung in Fragen, die in letzten Wochen aufgetaucht sind, nicht ganz ohne Wert sein.