Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 3. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492408-6582210-8771042--3531-4858622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 2× ep/1002670
OCR text
eilte, um für die Unglücklichen Rettung zu erflehen. Nur ein Fall anstatt vieler sei hier angeführt. Im Jahre 1391 waren auf Antrieb , des fanatischen Judenfeindes Fernando Martinez in Spanien blutige Religionsverfolgungen ausgebrochen, die sich wie ein Lauffeuer über das ganze Land ausbreiteten. Die Juden von Portugal hatten es aber dem kräftigen und zielbewnßten Einschreiten des jüdischen Leibarztes Don Moses Navarra zu verdanken, daß sie von der über ihrem Haupte schwebenden Gefahr verschont blieben und überdies zahlreiche Flüchtlinge gastfreundlich aufnehmen konnten. So waren die ״Heiler der Kranken“ auch zugleich die ״Erlöser der Gefesselten.“ Anmerkung. Schärfer und zugleich kürzer läßt sich wohl die hohe religiöse Bedeutung der Medizin in keiner Sprache ausdriicken, als in dem talmudischen Satz, der aus drei Worten besteht: chantira sekantha mets-sur.i ״Gesundheitsschädliches ist strenger als Religionswidriges verboten.“ Ctobari und Illidrasch. (Nach hebräischen handschriftlichen Bemerkungen.) In Ludwig August Frankls ״Nach Jerusalem!“ (Leipzig 1858) im zweiten Teil wird S. 434 ff Einiges aus Thabaris arabischen Ge- . schichten angeführt, was in mir agadische Erinnerungen erweckte: Jakob glaubt den Söhnen nicht, daß Joseph zerrissen worden sei,! zumal ihm im Traum der Todesengel verkündet, daß er Josephs Seele nicht habe. S. dazu Raschi zu Gen. 37s:-., wo es heißt, daß man Todgeglaubte, die noch leben, innerlich nicht preisgibt. Der Traum . Jakobs bei Thabari ist ein inneres Erlebnis dieser Art. Nach Thabari wäre Joseph der Frau des Potiphar erlegen, wenn nicht sein Vater im Augenblick ihn drohend angeschaut und gewarnt hätte. — Raschi zu Gen. 391! bemerkt nach Sotah 36b, daß nur das Bild des Vaters Jakob, das Joseph in den Sinn gekommen, ihn vor der Versündigung geschützt hätte. Thabari berichtet ein Gespräch Josephs mit dem Engel Gabriel, j wonach ihn dieser wegen seines Vertrauens auf den Mundschenk, der ihn befreien soll, tadelt. Da nimmt sich Joseph vor, nur Gott zu | vertrauen. — S. Raschi zu Gen. 40•••», wonach das blinde Vertrauen Josephs auf den Mundschenk ihm noch zwei Jahre im Kerker zugezogen hätte. (S. Geh. Rabbah Anfang Mikez). (Wir sehen in diesen Bemerkungen eine willkommene Ergänzung zu Barths ,,Midraschische Elemente in der muslinischen Tradition“ aus der Festschrift zum 70. Geburtstag A. Berliners). Unser Gewährsmann, der uns diese Bemerkungen in hebräischer Sprache bietet, hat uns dieselben etwas zaghaft übersandt. Daß er den Thabari nur aus Frankl kennt, daß er nicht weiß, wie oft die persischen und türkischen Uebersetzungen aufgelegt worden sind, 1 daß er deren Druckorte nicht kennt, ja, daß er nicht iii der Lage ist, gelehrte Sprachbemerkungen zu machen — das Alles ruft in ihm Bedenken hervor. Er wollte zuerst mir diese Bemerkungen gar nicht