Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 2. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 — 2) Sd>aartb Cbora. Oorstuft des Ueber• sctzungsuntenidits im ßebriiscben. J. B. Ceoy, Cebrer in franbfurt a.fll. 1906. Gebunden 40 Pfennig. Aach das angebängte Verzeichnis der im Gebetbuch enthaltenen Psalmen ist dankenswert, weil die Schüler dadurch einen Einblick in den Ban eines 80 wichtigen bibliBcben Buches gewinnen. Ueberall sind die Ueberschriften der Seiten punktiert, auf de^ zweiten Seite das Gebet stets deutsch gegeben, geeignete Bemerkungen über Verwertung der Gebete eingefügt, so dass vom Anfang bis zum Ende die genaueste Rücksicht auf die Fassungsgabe des Kindes vorherrscht. Von dem Herausgeber dieses Buches ist noch im gleichen Verlage ״Schaareh Thorah“ erschienen. Da beginnt jedes 8tflck mit einigen Mustersätzen mit Uebereetzung, und es folgen dann einige Beispiele zur Selbstübung. Das Kind wird allmälig mit dem Wortschätze des Hebräischen vertraut und merkt gar nicht, wie es in die Gesetze der hebräischen Sprache eingeführt wird. Die Vor-; und Schlusssilben der Wortbeugung sind dabei! durch grössere Schritt bei der ersten Angabe ge- . kennzeichnet und das 80 vereinzelt Gebotene wird j bald bei Wiederholungen zu einem Ganzen zusammengezogen. Nach genauer Durchnahme der 22 Seit« ist das Kind 80 weit, später im Gebet- . buch und im Pentateuch auf Schritt und Tritt auf Bekanntes za staesen. i -So hat die Verlagsbuchhaudlang hier zwei . Schulbücher geboten, die unter Abstoesung allee unnütz« Ballastes und unter Berücksichtigung der Hauptsache dem Unterrichte im Hebräischen eine ganz neue Gestalt geh« werden. Möge dies Stieb« durch weiteste Verbreitung dieser Bücher in Schal« belohnt werden! Wilhelm Völler: Die messianische Erwartung der vorexilischen Propheten, zugleich ein Protest gegen moderne Texteszersplitterung. Gütersloh. Bertelsmann, 1906. 398 S. 6 Mk., gebunden 7 Mk. (Schluß.) Aus den von uns gebotenen Einzelheiten wird man Möllers gediegene Arbeit in ihrem ganzen Geiste zu würdigen im Stande sein. Daß wir alles bei ihm unter- , schreiben sollen, wird er selbst nicht verlangen. So scheint uns Jesaia 28s ff. als auf den Messias gehend unmöglich, weil | es auf Gött geht. V. 7 beweist, daß V. 6 : sich nicht auf den Messias beziehen muß. Ebenso 32, ff., welche Stelle Forderungen an das Königtum und das Volk auch der Gegenwart enthält. Außerdem gerade eine Stelle wie 33«, die sogar etwas Aeußerliches, die Schönheit des Königs erwähnt. Mit Recht fragt Möller stets, wo man dem betreffenden Propheten Dinge abspricht, das Unmöglichste dagegen dem *) Vom Standpunkte der Gegner M’s. **) Poppelauer. späteren Ueberarbeiter zutraut: Und dieser, der doch mit Vorsicht an sein Werk gehen mußte, durfte und konnte so wenig angemessen schreiben? Doch treffen solche Einwürfe an jenen Stellen nicht zu, die z. B. von einer Verbannung des Volkes handeln; diese hat*) der Spätere erlebt und konnte sie deshalb einfügen. — Ferner ist es durchaus berechtigt, dem Propheten vom gläubigen Standpunkte aus die kenntnis der spätesten Dinge zuzutrauen; zu prüfen wäre nur, ob diese Möglichkeit I ohne Annahme der Wortoffenbarung sich I halten läßt und ob sie da zur Sprache kommen kann, wo man dem Andersdenkenden entgegentritt. Die Trennung dieser Standpunkte haben wir im Nachtrage zu unserem ״Zurück zur Bibel I"**) vorgenommen. Auf die Stellung Möllers zur Kirchenlehre haben wir hier nicht einzugehen, auch nicht zu untersuchen, wie weit sie seine Ergebnisse beeinflußt hat. Wenn wir dem Vf. diese Bemerkungen entgegenhalten, so soll das die Anerkennung nicht mindern, die wir ihm entgegentragen. Wir haben in Möller einen durchaus selbstständigen Denker vor uns, der sich an I keine bestehenden Ansichte» bindet. Er 1 besitzt die große Gabe, sich über die i herrschenden undanerkanntenAuffassungen 1 hinweg zum Bibelworte zurückzuflüchten, | von da aus auf sie zu blicken, als wären j sie erst im Entstehen, und sie selbst zur Festigung seiner Anschauungen zu benutzen. J , Er geht auf die halbvergessenen älteren ן Erklärer zurück und zeigt, daß das Gute | nicht nur bei den ״Neuesten“ zu finden ׳ ist. Er spricht offen aus, daß er ohne | öffentliche Bücherei sich lieber an wenige : Schriften hält, ohne daß er zu fürchten 1 hat, man könnte das für unmöglich halten; 1 er macht es möglich. Er besaß stets die Selbständigkeit, die sich nur an die Sache hält und alles Andere als unmöglich beiseite schiebt. Möller war einst eifriger Wellhausianer und ist dann ins Lager der Gegner übergegangen. Im Jahre 1899 erschien im Bertelsmann’sclien ן Verlage seine Schrift ״historisch-kritische * : Bedenken gegen die Graf-Wellhausen’sche :ז 1 Hypothese“, die alles zusammenfaßt, wo-!! I durch die Wellhausen’schen Grundsätze I erschüttert werden können. Hat er so die I Mängel der Grundlage kennen gelernt, so ist er gerade der geeignete Forscher, die darauf sich aufbauenden Auffassungen bezüglich der Propheten zu zersetzen. Er hat in sich den Entwicklungsgang durchgemacht, den jede Wissenschaft zu durch- , messen hat. An das Alte tritt das Neue j vernichtend heran; es vollendet seinen ' glänzenden Siegeslauf; aber sobald es zu Herrschaft gekommen ist, wird es wieder aus. i