Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 2. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
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— 21 durch etwas anderes entthront. Ohne dies! Gesetz würde alles der Erstarrung verfallen. , So scheinen sich gegen die herrschenden Ansichten der Wellhausianer allgemach die Gegensätze schon zu regen; sie bohren sich in die schwachen Teile des Baues hinein und beginnen die Zersetzung mit der gleichen Entschiedenheit, mit welcher unter vielen Mühen das Ganze aufgeführt worden ist. So war's, so ist’s und so wird's bleiben, und Cidher findet bei seinen Rundfahrten immer ein anderes Bild. Dr. Ipaiz Ziegler. Der Kampf zwischen ÜNdetttam and Christen!«* in den ersten drei christlichen Jahrhander• ten. 94 Seiten, 2 Jllk. Berlin, Poppel■ j auer. 2 fflk., geb. 2,50 JPk. (Schluß.) Johannes der Täufer wurde zu Elia; die jünger gingen stets zu den Juden, um sie zum Glauben an den Messias und zur Buße zu bringen. Die Ausgießung des Geistes mit der Vielsprachigkeit kommt von derSinaioffenbarung in siebzigSprachen her. Viele Griechen hielten es mit den Juden, ohne Juden zu werden. Jede Glaubensform warb Anhänger, auch die messianiscbc. Aber die Juden wiesen sie ah, die Griechen wandten sich ihr zu. Aber die jüdischen Satzungen! So kam Paulus dazu, sie nur vor den im Talmud erwähnten Hauptsünden, Götzendienst, Mord und Unzucht zu warnen; Paulus war es, der dies Ziel erstrebte. Aber gerade er hatte Jesus nie gesehen, so handelte er mit der Aufnahme der Heiden gegen dessen Wort und Geist. Er beseitigte die Satzungen und Gebräuche der Thora nicht nur für die Heiden, sondern auch für die Juden. Daher die Rechtfertigung nicht durch Gesetzeswerkc, sondern nur durch den ( Glauben. Nun trat an Israels Stelle eine 1 Allnation. Jetzt erst mußte das Judentum die neue j Lehre bekämpfen. Ob dies geschehen?;| Gewiß entrollen die christlichen Quellen 1I ein lebhaftes Bild der Kämpfe, die aber I die Jünger nicht an ihren Bekehrungsreisen I hinderten. Ist der Kampf aber wunderbar? I Soll man den Ullramontanen nicht die I gleichen Vorwürfe machen? Aber das ' Beth Din Jerusalems kämpfte nicht mit, ן da es mit sich und mit den mehr als ein ׳ Jahrhundert währenden Aufständen gegen j Rom zu tun hatte. Inzwischen wurden Paulus und die Seinen, was Jesus nicht gewesen war: Gegner des Judentums. Zur Zeit Hadrians war der Sieg dieser neuen Lehre außerhalb Palästinas entschieden. Palästinensisch war die Bewegung nicht 1 mehr, und die Streitgespräche der Weisen . mit Nichtjuden betraten nur heidnische Gegenstände, in denen Christen und Juden eins waren. Elieser, Chanina, Josua's Brudersohn, und Akiba waren den Juden- Christen so wenig feind, daß allen Frommen auf Erden das Jenseits zugesprochen wurde. Erst von 95 an betrachteten sie die neue Lehre. Cäsarea wurde Bischofssitz und Hochschule, und die.Rabbinen hatten nun zu kämpfen. Nach Paulus’ Tode verschwanden Sabbath und strenge Gotteseinheit, der Messias ward Gottessohn, bald war die Dreieinigkeit da, und das Vorwalten der Heidenchristen brachte die Feindseligkeit gegen das Judentum hervor.! Wir haben einen Teil dieser Schrift j möglichst genau Umrissen, und unsere ' Leser werden es uns Dank wissen und nun begierig sein auf die weitere Entwickelung; wir verweisen dabei auf das Buch selbst. Vf. wird wohl denken können, daß bei aller Anerkennung seines Strebens wir in manchen Punkten anders denken. Wir stellen uns das Verhältnis der alten Juden zu den neuen nicht so friedlich vor, wie er es zuerst geschildert, da doch schon der Sadduzäismus, der die Thora anerkannte, so starke Kämpfe hervorgerufen hat. Zu Ismaels und Akiba's Zeit ist der Kampf gegen die Gnosis schon in hellen Flammen da; die Gnostiker kämpften wie Heiden gegen die Glaubhaftigkeit der Schrift und der jüdischen Grundlehren. Vf. setzt die Gnosis zu spät an. Für die Sonderung zwischen Sanhedrin und Beth Din hätten wir genauere Beweise verlangt. Dagegen hat Vf. eine Fülle neuer Gesichtspunkte geboten und Licht über viele dunkle Punkte jener bewegungsreichen Jahrhunderte verbreitet. Seine Arbeit wird von Niemanden übersehen werden dürfen, der sich mit der Geschichte des jungen Christentums beschäftigt. Ganz besonders ן mutet Uns die Ruhe und Milde an, mit! welcher er den schwierigen Gegenstand 1 behandelt. In einem Punkte stimmen wir ganz besonders mit ihm überein, es ist! das eine Losung, die wir immer betont haben : Wir wollen nicht mehr christlichen Forschern die Hauptarbeit überlassen, die das Judenthum so sehr in Mitleidenschaft zieht, sondern mit eigenen Augen sehen und mindestens ebensoviel bieten, wie wir sonst empfangen. Trotz mancher tiefliegenden Gegensätze zu den Ansichten des Vf. können wir nicht umhin, seine verdienstvolle Arbeit aus vollem Herzen zu empfehlen, und möge die gute Aufnähme seines Buches ihm Mut zu weiteren Veröffentlichungen dieser Art einflößen.