Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 2. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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19 wähl dieser Stücke bietet immer Seiten, die das Judentum verherrlichen, den sittliehen Ernst seiner Träger hervorkehren und den Weg zu seiner Verteidigung weisen. Das Inhaltsverzeichnis nimmt bei Bäck 12 Seiten ein. Außer den Ueberschriften der Abschnitte bietet es stets eine kurze Angabe vom Inhalte, so daß man hier am Anfänge schon eine sehr dankenswerte kurze Uebersicht über den ganzen Stoff hat. Dafür finden wir bei Kroner wiederum die wichtigen Zeittafeln am Schlüsse, die in übersichtlicher Weise die gleichzeitigen Ereignisse nebeneinanderstellen und die Reihenfolge der Tatsachen so schon äußerlich erkennen lassen. Diese 15 Seiten sind für die Wiederholung äußerst wichtig. Die Darstellung, in beiden Werken schlicht und fesselnd, wird allen Richtungen des Judentums gerecht, so daß wir nur in Verlegenheit kommen, weiches von beiden Büchern wir nun eigentlich empfehlen sollen. Jedes hat seine eigentümlichen Vorzüge, wie schon die kurze Anzeige dargetan hat. Aber ich nehme an, daß dies die beste Empfehlung für die beiden Geschichtswerke ist. Es ist nun Sache der Lesewelt, des Hauses und der Schule, durch Anschaffung und Einführung ihre Anerkennung den verdienten Verfassern und der regsamen Verlagsbuchhandlung zu bieten. Reius von Samuel Sänger und Trank• Turf er: Chomas Cariyic-Gotbe von Samuel Sänger. — Uon gekrönten IjäHTtern von $. Trankfnrter. — Oesterheld $ £0., Berlin. Carlyle — Göthe — — welche Erinnerungen an Jugendeindrücke rufen beide Namen wach! Wie stolz waren wir darauf, dass Carlyle undColeridge deutschenDichtergeist und deutsche Denkerkraft nach England so eifervoll verpflanzten! Da war von einem Gegensatz zwischen Deutschland und England keine Rede. In einer Zeit, die nach Goethe’schen Apfelschnitzeln fast mit noch grösserem Eifer forscht, als nach neuer Durchdringung seines Lebenswertes, ist es ein guter Griff, | dass Samuel Sänger uns hier den Briten zeigt, der noch den lebenden Goethe vor sich hat, seinen Todestag erlebt und seine Verewigung sich zum Ziele gesetzt hat. Wir haben hier keine Uebersetzung, keine planlose Auswahl Carlyle’scher Gedanken voruns — vielmehr wird hier das Carlyle’sche Goethebild sorgfältig nachgezeichnet. Von dem Wege, den Carlyle zu Goethe zu I j machen hatte, bis zu den jüngsten Be- ן Ziehungen Englands zu Goethe bietet Sänger 1 z. Th. mit CaVlyleschen Worten, aber mit 1 selbständigem Geiste ein lebensvolles Ganze. | Er bleibt aber dabei nicht stehen. Von der Verhimmlung des gerade vorliegenden Schriftstellers, in diesem Falle Carlyle’s, ist er weit entfernt. Vielmehr kennt er die ' Schranken, welche Carlyle nicht überschreiten kann: Es ist nicht der Dichter, dem Carlyles Empfänglichkeit entgegenkommt, sondern der Gestalter des Lebens, der Lcbenskünstler und Lehrer der Menschheit. Der Weg von Carlyle bis zur neuesten i Zeit hat die Engländer mehr von Goethe i entfernt, ais er sie ihm näher gebracht hätte. Sollte darauf nicht vielfach die staatliche Stellung Englands Deutschland gegenüber j eingewirkt haben? Vielleicht geht Sänger nun an die Dar- , Stellung Schillers in Carlyle’scher Beleuchtung. Wir möchten den Eindruck״, den seine vorliegende Arbeit aut uns gemacht hat, gern festhalten, ja, in uns erneuert sehen. In diesem unserem Wunsche liegt wohl die beste Anerkennung seiner Bestrebungen. Frankfurters ״Von gekrönten Häuptern•1 führt uns in stimmungsvoller Weise kurze ׳ Novellen vor, die uns Herrschergestalten! in verschiedenen Verhältnissen darstelien. Wir sind Zeugen ihrer menschlichen Beschränkthcit, nehmen Teil an ihrer Glückssehnsucht, müssen aber erkennen, daß auch ihr Teil am Leben vorzugsweise in Leiden und Enttäuschungen bestelle. ״Die heimlichen drei Könige“ zeigen uns dagegen Volkskreise, hiervon ihren Leidenschaften, von den menschlichen Glücks- und Ehrenzielen als von heimliehen Königen beherrscht werden. Man glaubt hin und wieder bekannte Gesichts- : ziige zu entdecken — aber bald werden 1 wir ins Reich der Dichtung wieder hin- ] versetzt und merken, daß wir nur die! dichterische allgemeinmenschliche Wahrheit der Schilderungen ׳ als Wirklichkeit empfunden haben. Der rührige Verlag hat diesen Schriften ein ansprechendes Festgewand verliehen. SchuiDMcftcr aus 3. KaufTman« Oerlag, TraNkftirt a. m. (Schluß.) 1) Siddur Scbaareb Cefilla. Gebetbuch für Synagoge, Schule und Gaus. J. B Ceuy, Eebrer in Frankfurt a. fll. 1906. XXV u. 372Seiten, in gutem Scbulband 1 fllk., in elegantem gepresstem Ganzleinutandband 1,20 fllh.