Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 30 (1906-1907)
- Issue
- No. 1. (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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4 1 21—3 sind also die Segensworte und enthalten die Versöhnungsgabe des zuerst zürnenden, dann sich bedenkenden Gatten. So hat man doch auch in der Neuzeit das Ehebild aufgefaßt. ״Büßen soll es Samaria!“ ruft Gott; und ״Kehre zurück, Israel, zu Deinem Gott!“ Womit ist diese Sache zu vergleichen? Ein Gau empörte sich gegen den König. Da sandte der König seinen Feldherrn, um die Sünder zu vernichten. Der Feldherr war ein wohlerfahrener und besonnener Mann. Er sagte zu ihnen: Nehmt Euch einige Tage Frist — wo nicht, so tue ich Euch, wie ich jenem Lande, jenem Bezirke getan!“ Welchem Bezirke? Samaria! Samaria mußte es büßen und ist untergegangen. Der Gau, der sich empört, ist also das Reich Juda. An dieses Reich richtet Hosea seine Worte; also hat Juda mit diesen Zukunftshoffnungen zu tun• Juda soll sich durch das Schicksal Samaria’s warnen lassen. Daher wendet sich 141 an Samaria, 14« an Juda. So meinte es Rabbi. So meinen es auch die Neuesten unter den Neuen. Die Trostreden sind nicht hoseanisch - israelitisch, sondern nachexilisch-judäisch. Warum sie nicht hoseanisch sein dürfen? Wer sagt uns, daß die gesamte Hoffnung der nördlichen Prophetenpartei nicht sich auf Juda stützte, nicht bei Zukunftsbildern stets an Juda dachte, von wo doch ein Arnos hergekommen war und wohin ein Amazia den Arnos wies? Ist es möglich, daß es anders war? Nehmt das Reich Juda unter Usia und Jotham fort, und die Hoffnungen auf eine Besserung selbst Samaria’s sind dahin. Juda? wird mancher Bibelforscher erstaunt fragen. Wird denn in Hosea Juda erwähnt? Sind nicht die Be- Ziehungen auf Juda in Arnos und Hosea späterer Einschub? eit wann? lautet unsere Gegenfragje. Rabbi, der Ordner der Mischna, hatte noch keine Ahnung davon, daß es einem Arnos und Hosea bibelwissenschaftlich verboten ist, an Juda zu denken. Es ist ja bekannt, daß der ganze Gedanke einer genaueren Prüfung bedarf. Mit] nach und nach wird die Welt aucn auf andere Behauptungen aufmerksam, die Rabbi noch nicht einleuchtend waren. Wenn eine Preisfrage heute lautet, inwiefern es Gnzdenverheißungen bei den vorexil sehen Sehern geben könne, so lieg: darin schon das halbe Zugesiändnis, daß das wiederum für möglich gehalten wird. Rabbi hat es sicher angenommen und es zu erk ären gesucht. Und welche gemütvollen Gleichnisse hat er aus Fragen gezogen, die heute nur zum An; weifein halber Bibeibücherführen! Und sollten die Zweifler selbst Recht behalten — sind die Hauptzwecke der Bibel denn nicht solche, die auf das Gemüt zu wirken haben? Und bevreisen Bibelstellen ihre höhere Wairheit nicht dadurch, daß sie dazu geeignet sind? Kehren wir zum Anfang zurück: Die alten Mischna- und Gemaraweisen kannten, wie des Weiteren durch unzählige Beispiele gezeigt wei den kann, diejenigen Fragen, die ma ו heute bibelwissenschaftlich nernt; sie kannten die tiefere Auffassung der Bibel, wie man sie in ihnsn nicht vermutet. Sie wußten uno glaubten, darum konnten sie trösten und erheben, wo man heute lei( ht verneint und für minderwertig erklärt. Tri Qu (dri reidi /es« glei :1 Berichtigung. 11 meinem ״Maasseroth“ (Straßburg bner), zu ״Die A׳lischna; Aufbau una :llenscheidung“ gehörig, bitte ich, S. 2 itter Absatz, Zeile 3) statt ״bei Samen“ vielmehr ״bei Gartenkräutern“ zu n. Ebenso S. 7, Absatz 3, wo der he Ausdruck vorkommt. — S. 18 statt.