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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 1. (1907) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 1. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Ewigen, Deinem Gott!“ mit den darauf folgenden Zukunftsbildern. Wie kommt Solches zusammen? Von den Gemeinden sind gerade Hosea 21 und 14» besonders geschätzt worden; der eine Abschnitt ist die Haftara des Wochenabschnitts Bemidbar, der andere zur Haftara des wichtigen Bußsabbaths genommen worden. Solche unvermittelt in den Zusammenhang sich eindrängenden Verheißungen werden von den Heutigen fern als Zusätze Späterer behandelt, enen die Mahnungen und Drohungen des Propheten zu schroff vorgekommen sind. ״Darauf konnten die Früheren nicht gut kommen, weil sie die Fragen des Zusammenhangs nicht verstanden haben. Sonst würden sie derartige Stellen auch angezweifelt haben.“ So denkt heute Mancher und blickt herablassend auf die Alten, besonders aber auf die Weisen des Talmuds herab. Die Weisen des Talmuds? Ihre Auffassungen über Zusammenhang und Aufbau sind, wie wir in •unseren ״lieber den Zusammenhang der Mischna“, ״Die Mischna; Aufbau und Quellenscheidung“*) nachgewiesen, nicht nur mustergültig, sondern lassen sich erst nach genauester Forschung erkennen. Sollte besonders Rabbi, der Zusammensteller und Ordner der Mischna, Sonderbarheiten der Aneinanderreihung nicht gemerkt haben? Allerdings! Gerade über die angegebenen Hoseastellen sagt Rabbi, als wollte er unsere Annahme beweisen: **) ״Viele Abschnitte stehen nebeneinander und sind einander fremder, als der Osten dem Westen. So heißt es: Ihr seid nicht mein Volk (Ende Hosea 1), und es heißt (Anfang Hosea 2): ״Und sein wird die Anzahl Israels wie der Sand am Meere . . .“ Ebenso heißt es: ״Büßen soll es Samaria, daß sie sich gegen ihren Gott empört (Hosea 141), und es heißt: ״Kehre zurück, Israel, zum Ewigen Deinem Gotte! (14*). (Sifire I 131.) Da sind nebeneinander diese beiden Stellen berührt, welche die Ausgangspunkte aller Unechtheitserklärungen in Hosea gewesen sind. Es wäre auch sonderbar, wenn das schroffe Aneinanderprallen einander so entgegengesetzter Stellen dem Ordner der Mischna entgangen sein sollte. Was hat er nun getan, um einen Ausgleich herzustellen? Hat er dies in Hosea für unvereinbar gehalten und demnach einen Teil, entweder die Strafandrohungen oder die Verheißungen, für nichthoseanisch erklärt? Das hatte er nicht nötig. Bedenken wir, daß die obige Talmudstelle nur einen Hosea kennt, der aber vor seiner Ehe ein Anderer gewesen, als nachher. Dort haben wir den unabhängigen Jüngling, hier den durch die Ehe an Rücksichten gebundenen Mann. Die Ereignisse erziehen ihn und nehmen ihm die Einseitigkeit. Indem Hosea das menschliche Gefäß für die verschiedenen Eindrücke ist und bleibt, ist es möglich, menschlich wichtige Folgerungen daraus zu ziehen, die sich von selbst verbieten, wenn wir statt eines Menschen noch eine Fülle unbekannter Ergänzer vor uns sehen. Wie erklärt nämlich Rabbi diese Gegensätze? Durch Gleichnisse. ״Ihr seid nicht mein Volk!“ spricht Gott, und bald darauf soll Israel dem Sand am Meere gleichen und Volk Gottes heißen. Da höre man folgendes Gleichnis: ״Ein König zürnte seiner Gattin und sendete den Sofer, ihr den Scheidebrief zu schreiben. Ehe der Schreiber anlangte, versöhnte sich der König mit seiner Frau. Da sagte der König; Soll der Sofer ganz umsonst gekommen sein? Mag er kommen und ihr die Kethubah verdoppeln.“ ) Trübner, Strassburg■ **) Sifri Balak.

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