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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 1. (1907) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 1. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ו — 5 — heute gerade die weitgehendsten Bibelwissenschaftler tun? Nun, der Talmud fasst 1 und 3 als wirkliches Erlebnis auf. Pesachim B7 heisst es: ״Als der Heilige, gelobt sei er, zu Hosea sprach ״Gesündigt hat Israel“, da hatte er erwidern müssen: Deine Kinder sind’s, Kinder der durch Dich Vielerprobten. Kinder Abrahams, Isaaks und Jakobs. Wende ihnen Deine Barmherzigkeit zu! Nicht genug, dass er nicht so gesprochen, sagte er noch: Vertausche sie gegen ein anderes Volk! Da sprach der Heilige, gelobt sei er: was soll ich mit diesem Lehrer tun? Ich werde ihm sagen: Geh, nimm Dir ein Weib, und sie wird buhlen und Dir Buhlenkinder gebären. Und dann werde ich ihm sagen: Auf und scheide Dich von ihr! Und wenn Du dazu im Stande bist, trenne ich mich auch von Israel. Nachdem ihm zwei Söhne und eine Tochter geboren waren, sprach der Heilige, gelobt sei er, zu Hosea: Hättest Du nicht von Deinem Lehrer Moses lernen müssen? Sobald ich mit ihm geredet, trennte er sich von seiner Frau; so trenne auch Du Dich von ihr! Da sprach er zu ihm: Herr der Welt, ich habe Kinder von ihr und kann sie nicht hinausschicken und mich von ihr trennen. Da sprach Gott zu ihm: Du, dessen Frau eine Buhlin und dessen Kinder Buhlkinder von unbekanntem Ursprung — und nun dagegen Israel, meine Kinder, die Kinder der durch mich Vielerprobten, die Kinder Abrahams, Isaaks und Jakobs . . . und du sagst: Vertausche sie um ein anderes Volk?“ Da haben wir’s! Den Alten erschien’s, wie uns Neuen, als wirkliehe Ehe. Die Reden Hosea’s von 4 bis 14« erschienen ihnen als die älteren, *) denn dort steht Hosea auf dem Standpunkte, daß es auch ohne Israel geht.. Die Anfangskapitel sind dagegen aus späterer Zeit und zeigen uns den Propheten in milderer eine Stimmung, wie sie sich aus Hosea 2 endlich herausringt, und zwar aus der Tiefe der eigenen bitteren Erfahljung. Die Rabbinen haben also, wie die Neuesten, zwei an sich unvereim bare Gegensätze im Hoseabuche erkannt: Die Straf- und die Trostreden. Die Gottgebotene Unglücksehe ist das Mittel, ihn von den überstrengen Folgerungen, die er aus den sittlichen Anforderungen zogen, zu reinmenschlichen pfindungen zn bringen. Wie ist uns nun? Ist das oberflächliche Auffassung, oder wird hie־ nicht vielmehr das Ganze wie mit einem Schlaglicht erhellt, wodurch sich die Rätsel lösen? 2) Auf zwei Punkte blickten die Forscher von jeher, als sie an die Schwierigkeiten in Hosea herangingen: Hosea 2!—* und 14•»—10. [Die erste Stelle lautet: ״Und sein wind die Anzahl der Kinder Israels wie des Meeres Sand, der nicht gemessen und nicht gezählt wird, und es wird sein, statt daß man ihnen sagen wird: Ihr seid mein Volk nicht, wird man von ihnen sagen, des lebenden Gottes Kinder. Und sammeln werden sich die Söhne Juda’s, die Söhne Israels, und setzen sich ein einziges Oberhaupt und steigen aus dem Land empor, denn groß ist der Tag von Jesreel. Nennt Eure Brüder mein Vo|lk und Eure Schwestern Geliebte.“ Aber Kapitel 1 schließt mit den rten: ״Ihr seid nicht mein Volk, ich will nicht zü Euch gehören!“ an die obige Stelle schließt sich Wort: ״Hadert, hadert mit Eurer Mütter! Denn sie ist nicht mein Weib!“ Wie kommen die Verhe Bungen so unmittelbar zwischen die heftigen Strafreden? Und 141 lautet: ״Samaria büße es, daß sie ihrem Gotte Widerstand geleistet hat etc.“ und unmittelbar darauf: ״Kehre zurück, Israel, zum

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