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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1907-01-01 · No. 1. (1907) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
30 (1906-1907)
Issue
No. 1. (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Wissenschaftliche Arbeiten. Der Talmud und die bibelwissenschaftlichen Kernfragen. Ton Rabbiner Dr. I.ad*ig A. Kosenlhal. I. Hosea. Der neuzeitliche Bibelwissen־ schattier nimmt zumeist an, die Alten hätten die von ihm gestellten Fragen nicht gekannt. Wie hätten sie sonst den Glauben an die Echtheit der biblischen Bücher wahren können? Mit dem schärferen Blicke auf die Einzelheiten des Bibelworts, meint man, wären die Fragen erst entstanden. Deshalb herrscht allgemein das Gefühl, dass Kenntnis der betreffenden Bibelstellen und ihrer Sonderbarkeiten unvereinbar sei mit dem Glauben an ihren Ursprung. Den Talmudweisen sollte man eine Kenntnis dieser Umstände um so weniger Zutrauen, als sie ja nach den herrschenden Ansichten die Verfälscher des reinen biblischen Geistes, die grilligen Umdeuter des biblischen Wortes sein sollen. Sollte da unser Versuch, ihre Beziehungen zu den biblischen Kernfragen zu kennzeichnen, nicht zu ihren Ungunsten ausschlagen? Und wenn wir nun den Versuch machen sollten, diesen Männern eine tiefere Auffassung der Schrift beizumessen? Sollte das von vornherein als oberflächliche Geistreichelei abgetan werden? Doch zur Sache. Heute sind die Propheten, besonders auch Hosea, wichtige Streitpunkte geworden, nachdem sich die von Wellhausen herrührende Geistesbewegung über die Thora und die geschichtlichen Bücher der Schrift dorthin gekehrt hat. 1) Einst wurde das Hoseabuch von der Frage umtobt, ob die Ehegeschichte am Anfang nur ein Seher- Besicht, ein dichterisches Bild oder atsache sei? Hosea soll eine I! unzüchtige zur Frau genommen | haben, auf Gottes Befehl? War!; Gomer, als er sie freiete, noch untadelig, so ist doch die Frau von Hosea 3, ob es Gomer oder eine; andere ist, von vornherein unrein! j Die Schule des Origenes im Alter- : tum, Rabbinen wie Maimumi und 1 Kimchi im Mittelalter, in neuerer 1 Zeit Hengstenberg u. A. nehmen die Sache als inneres Erlebnis an. Es j waren vorwiegend sittliche Bedenken, welche daran hinderten, hier;1 etwas wirklich Geschehenes zu sehen. Heute wird man zumeist, dem :1 Wirklichkeitsdrange unserer Zeit!; gemäss, es als wirkliches Erlebnis : Hosea’s betrachten. Man übersah 1 früher, wie schielend das Ganze als I blosses Gleichnis bleiben muss, wie j tief und gewaltig es als Tatsache!, durch die Doppelehe gilt! Gott er- zieht Hosea durch Leiden zum Propheten, so erzieht er auch sein Volk; Ereignisse sind Hosea gegen- :j über Gottesworte, Ereignisse werden |l auch Israel die Stimme Gottes vernehmen lassen. Die Treulosigkeit Gomers ist ein Bild der Treulosigi, keit Israels gegen Gott; - die Versöhnung Hoseas mit der Ungetreuen (setzen wir sie einmal als bibel- ״ wissenschaftlich allgemein anerkannt ׳ einen Augenblick voraus) ist ein II Bild der dereinstigen Wiederaufnahme Israels durch Gott. Als Maimuni und Kimchi (und nach ihnen die Biuristen im Geiste!ן Mendelssohns) darin nur ein Gleichnis li sahen, schienen sie den Zeitgenossen : gemäss dem Geiste der Neuzeit, des j Aristoteles, der Vergeistigung des 1' Grobsinnlichen zu urteilen. Dieser Standpunkt, heute veraltet, erkämpfte ״ sich seine Anerkennung damals mit!! eben der Gewalt, mit der heute ון eben das Sinnliche zu seinem Rechte gelangt. Sollen nicht damals die 1Alten, die Frommen auf buchstäbliche Annahme des Hosea 1 und!: 3 Erzählten gedrängt haben, wie es

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