Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 2. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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6 und Steigerung damit verbunden — ich will nur, daß man daun diese Standpunkte unentwegt und folgerichtig durchführe, weit entfernt, sie zu teilen und zwischen der Schätzung der Propheten Untersehiede anzunehmen und Jesaia, Joel, Zephanja — Jeder hat seine Zeit und in ihr seine Wirksamkeit. Hat man in Joel den Nachempfinder älterer Propheten sehen wollen, trotzdem er in Stoff und Ausführung so eigenartig wie möglich ist, so möchte ich in Zephanja bis auf wenig auszunehmende Sätze unbedingt und mit mehr Recht das Gleiche behaupten. In herkömmlicher Weise erwähnt er die Sünden Israels, in farbloser Aufzählung der Strafen kommt er mit dem Tage des Herrn, und wo er den Ton etwas erhebt, da 6ind es, wie wir gezeigt, Stellen aus Nahum, Habakuk und Joel, die man damit vergleichen kann. Die beanstandeten und die nicht bezweifelten Stellen in Zephanja enthalten in gleicher Weise diese Anklänge. Soll man annehmen, daß Zephanja ebenso wie seine angeblichen Ergänzer durchaus .dieselben Vorbilder gesucht haben? Noch mehr, daß Joel, Nahum und Habakuk gerade den Zephanja, den man erst entdecken muß, zum Muster genommen haben sollen, um dann ihr Vorbild in Geizt, Anlage und Durchführung so weit zu übertreffen? Eins nur wäre hier als möglich anzunehmen: Daß sie seine Zeitgenossen seien und daß sie zum Teil in ähnlichem Geist geweissagt, zum Teil, wähj-end er an den alten Mustern hing und bezüglich der Götzen und sonstigen Vergehungen den Alten mit schwacher Zunge naehsprach, sie dagegen in neuem Geist auf Tatsachenwelt und geschichtliche Bewegungen blickend, ermutigend auf ihre Zeit einzuwirken suchten. . Was .dem Zephanja die Gunst grhält und die Forseher mit Zweifel auf jene drei Propheten blicken läßt, mag auch der Umstand sein, daß der seiner Trostreden entleerte Zephanja (und diese erinnern auch an jene drei Propheten, wie die Strafreden, nach unserer obigen Aufstellung) Israel die unbedingte Vernichtung ankündigt, während jene mehr in Tröstlichem Sinn sich äußern. Elin Prophet Israels muß aber nach der herrschenden Ansicht Israels durchans den Untergang ankündigen, ohne Lichtblicke, öhne Trostwort! Ein Ausblick in,die Zukunft würde nach ihrer Ansicht dem Seherwirken jede Aussicht auf Erfolg nehmen. Da werden dann die herben Strafreden und Unheilsverkündigungen möglichst als echt angesehen; kommt aber eine mildernde Stelle, da sieht man bald den Einfluß Hesekiels und des zweiten Jesia. So mag es gut zu der Auffassung passen, daß die Auflösung Israels mit zum Wirken jener Seher gehörte, da das Judentum nicht Selbstzweck, sondern nur eine Vorbereitung sei, um. wenn das Bessere kommt, zu verschwinden. Die Einflüsse, die im Propheten auf. ein Bestehen Israels hinarbeitqn, sei es durch gottesdienstlich-gesetzliche Mittel, sei es dureh den Ausblick in eine große und heilvolle Zukunft, betrachtet man als minderwertig, ja, unheilvoll. So verworfen, so sittlich unrettbar verloren ist Israel, daß man ihm ja kein erhaltendes Trostwort zurufen darf — es könnte vielleicht bestehen und würde den angeblich göttlichen Plan seiner Vernichtung Lügen strafen. Das ist aber nicht voraussetzungslos, nicht wissenschaftlich, das ist geistlich gedacht. Die Geschichte hat mit Männern nichts zu tun, die kalt den Untergang der Ihren verkünden und darin den Zweck ihres Wirkens sehen sollen. Das sind keine Mustermensehen, sondern entweder absichtsvolle Umsturzhelden (und auch solche wollen ein Vaterland, nur in anderer Gestalt, als bisher) oder seelenlose Stelzpuppen. E^ir mich ist der Prophet, der nicht mit Entsetzen an den Fall seines Landes denkt und nicht ausruht und sich gern labt an den Bildern einer besseren Zukunft, ein Unding. Auch das Aussprechen sittlicher Forderungen, das ausdrückliche Rügen von Fehlern kennzeichnet nicht allein den Propheten. Dann wär’s bald getan, und zwei oder drei Sätze mit herkömmlichen Anklagen, zwei oder drei Sätze mit herkömmlichen Androhungen würden einen Zephanja weit über Joel erheben, während, wie wir noch zeigen werden, dieser sich ungeheuer über Zephanja erhebt. Der Prophet ist nicht nur der Lehrer, er ist auclj der Verkünder des Gotteswillens, der Zukunft, ja, oft zeigt er sich erst in seiner ganzen Kraft, wenn er ״sich auf dem Warte türm stellt־ und, seine Zeit und die Völker überblickend, die Zukunft erkundet. Oder die Zukunft des eigenen Volkes müßte etwas sehr Geringes sein. '' Von diesem Standpunkt aus wollen wir an die drei Propheten herangehen, um an der Hand der von uns oben gewonnenen Wahrnehmungen die bestehenden Auffassungen über sie und ihren eigenen Inhalt zu prüfen. (Fortsetzung folgt) הצור תמים Das G8bet bei der Leichenfeier. Von Rabbiner Adolph Gerloczy in Fiume. Vergleicht man dieses Gebet mit dem Kadischgebet der Waisen, so finden wir weder hier noch dort, daß mit einem Worte der Trauer und Klage erwähnt wird; vielmehr wird in beiden Gebetstellen die göttliche Allgerechtigkeit, Allgüte, Allmacht und Allbarmherzigkeit anerkannt — Das Gebet will uns belehren, daß es sich für den Gattvertrauenden nicht ziemt, um die Verstorbenen zu viel zu trauern, weil das gleichsam wie ein Murren gegen das göttliche Geschick angesehen wird, als wäre bloß diese Welt der Zweck des menschlichen Daseins, als glaube man nicht an eine jenseitige Belohnung und Strafe. — Darum heißt es im 3. Buche Moses, Kap. 19, Vers 28 ושיט לנפש לא תחנו*בבשרכם■ וכתבת קעקע ל>? תחנו בכם ״Und Einschnitte ob einer Leiche machet nicht an euerem Leibe, und eine Schrift der Aetzung machet nicht an euch.“ — Im 5. Buche Moses, Kap. 14, Vers 1 — ־־־ לא תתגרדו ולא תשימו קרחה בק עיניכם לטח ״Ihr sollt euch keine Einschnitte machen und