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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 23/24. (1904) · p. Seite 97

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 23/24. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 97 (sequence 5)
Language
German
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97 ן׳יT7'^ -+ja-^3a,l£■ •y■ ־ä^JCW|?W1r5K; •. .• ־ •» U* ־ {TTV^C■;"ל *ר^י - 97 - Einigung unmöglich und der Streit ein dauernder. Diese Wahrnehmung ist es,' die uns betyog, auf diesen Gegenstand so genau einzugehen; |betreffen diese Folgerungen doch nicht eine Religion, sondem alle. Bousset glaubte ganz aufrichtig, im Nalmen der Wissenschaft aufzutreten, als er die Episteln und besonders das Gefühl ins Feld führte. Er trat aber nur, ohne es zu wissen, als Vertreter des Gtefühls, des Bedürfnisses auf. Man wollte inm das Heiligste rauben, ihm und der Gemeindje. Das konnte er nicht ertragen, er mußte mit! seinem warmen Herzen das beleben, was sein Gegnler schon für tot hielt. Daß ihm nach seiner Ansicht das, was er beabsichtigt, gelang, ist selbstverständlich; es mußte gelingen, denn hier hieß es: siegen oder sterben! Aber konnte er mit solchen Gründen den Gegner vor der Welt bezwingen, auch pur eine einzige seiner Darlegungen gegenstandslos jnachen? Kalthoff war ja nur wissenschaftlich 1 weiter gegangen als Bousset — dieser hatte einen Teil der zersetzenden Richtung sich selbst mit zuzuschreiben. Nicht er allein, sondern die gesamte cnristliche Theologie, die ja selbst im neuen Testament nicht einen Stein auf dem andern gelassen hatte.! Es ist nicht möglich, mit derselben Feder, die so!viel von den Glaubensquellen streicht, mit einem Mal die Echtheit auch nur eines geringen Teils derselben Quellen beweisen zu wollen. Es liegt in!der Art der Wissenschaft, die doch den Trieb, sichzu betätigen, wie alle Richtungen der Menschheit, in sich hat, mit Grundsätzen vorwärtszugehen, nicht sttehen zu bleiben. Hat der eine Forscher sein noli me) tangere an dieser Stelle ausgesprochen, so tritt der [Nächste zersetzend an das noch Gebliebene heran, und was er übrig läßt, das muß der Dritte noch streichen. Das liegt in der Gradlinigkeit, mit der sich alle allgemeinen Grundsätze betätigen. War die Glaubenslehre des Christentutns aufgegeben und hatte es die Theologie nur mijt' einem Menschen zu tun, so war es die Sache einep jeden, diesem Menschen zu folgen oder nicht. Denn ein Prophet war er nun auch nicht mehr, nachdem die Wortoffenbarung aufgegeben und alles Göttliche bloß zum inneren Erlebnis geworden war. Da jeder Mensch nun doch innerlich etwas erlebt, wepn auch nicht im Zustande der Verzücktheit, so ist er berechtigt, sein Gefühl als herrschend und maßgebend für sich zu bekunden, er müßte denn überzeugt werden, daß der Schöpfer seiner Glaubensquelle richtiger empfunden, als er. Was konnte Bousset bedeutendes gegen Kalthoff sagen, was dieser nicht auf ihn konnte zurückprallen lassen? Wenn du das Ganze anerkennen würdeist, das klang aus Kalthofls Worten heraus, dann härtest du mich als einen anderivbehandeln können. Aber bist du denn gläubiger als ich, wenn du aüs dem Gottmenschen einen Menschen machst, aus dem Propheten einen menschlichen Denker, und wenn ich nun frage, ob er von alledem, was berichtet wird, auch nur das Geringste gedacht hat? peinem Gefühle von einer geschichtlichen Person mit einem kleinen Rest von Sprüchen, die sie geäußert haben Er veTtrat etwas Erhebendem, soll, steht mein Gefühl von eine ׳ Entwicklung der Zukunft gegenüber, deren Held der Träger und Vertreter aller menschlichen Bestiebungen sein 8011 Gefühl also gegen Gefühl, das heißt nach dem Geist unserer Zeit Offenbarung gegin Offenbarung! Welche ist nun berechtigt? Weshalb trat nun aber Bousset auf? das Bedürfnis der Gemeinde nach nach etwas durch Ueberlieferung Heiligem. Dies Bedürfnis ist stärker, als alle Wissenschaft und alle Textforschung. An dies Bedürfnis hat Kalthoff nicht gedacht, als er seine Augen nür dfer Zukunft zuwandte, ohne zu bedenken, daß jede Entwicklung eine Vergangenheit hinter sich ha1 und diese berücksichtigen muß. Wir sind noch nicht da, wo er uns hinwünscht; und jenes von ihm dargestellte Zeitalter der Zukunft, es wird die Far je der Vergangenheit nicht loswerden. Und wenn es da sein wird, 80 werden nicht alle Menschen, nicht alle Stände die hohen Gedanken und Ziele in sich tragen — es wird sein, wie es stets gewesen: Cie leitenden Kreise werden ein Bewußtsein davon haben, andere werden unwillkürlich■ davon mitgezogen werden, und die große Masse der Menschen wird ihr Alltagsleben mit .ihren Alltagsgedanken weitsr fortführen, wie es seit Adams Zeiten gewesen. Wirft Kalthoff seinen Gegnern theologische Beschränk heit vor, so verleugnet sich.auch in seinem Zukunftsbild, trotzdem er sich einen so weiten Blick fCr die Verhältnisse der Völker erworben hat, der ho!!!!gestimmte Mann der Kanzel nicht, der außer seinen Riesenziel nichts sieht und nichts gellen lassen wil . Darum sind die letzten Seiten seines Buches meh ׳ beredt, als klar und überzeugend. Es spricht da mehr die Begeisterung, als die Weisheit des zielbewußten Denkers. Gerade hier, bei den Folgerungen aus dem Ganzen, darf der Schriftsteller nicht sich so allgemein äußern — da verlangt man von ihm Sonderzüge, er muß irgend einen klaren Begriff von seinem Zukunftsbild haben, die Möglichkeit von dessen Verwirklichung dem Leser zur Ueberzeugung bringen. Nenne er das nicht schale Nüchternheit — Nüchternheit* tut uns not, wo es sich um das Dasein so wichtiger Begriffe handelt. , Bei aller Schätzung, die wir lern Kalthoffschen Werke entgegenbringen, und troti des Gegensatzes, in den sich Bousset zum Judertum gestellt hat, können wir diese Wahrheiten n cht unterdrücken und stehen nicht an, zuzugeben, daß Bousset mit seinem Auftreten unbewußt zwar kein Zeugnis der Wissenschaft, aber des Gefühls für die Not- Wendigkeit des Anschlusses an iie Vergangenheit abgelegt. Nicht mehr, aber aucli nicht weniger. Wird er dabei gelernt haben, nit weniger herablassender Miene das Judentum antusehen, nachdem er erfahren, wie von seiner eigen an Grundrichtung aus alle christlichen Lehren beseitigt werden können? Wie steht es aber in unserer Mitte? Man hat es immer als einen großen Vorzig des Judentums angesehen, daß es über diese Gegenstände nicht streite. Das ist aber geschichtlich nicht wahr. Hellenisten und Chassidäer, Sadduzäer und Pharisäer, Karaiten und Rabbaniten haben sehr wohl über all- .Aitti

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