Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 22. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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׳«**י־מהממ^ימ^זי^י־ג — 91 — die Ritus des synagogalen Gottesdienstes, Seite 9). Hieraus ist ersichtlich, daß Zunz all 3 die .von mir oben angeführten Stellen gar nicht berücksichtigte, sondern die Haskara einfach als <Jer Christliehen Liturgie entnommen ansah. Unsere heutige Seelenfeier entspricht tnehr dem ״Zeitgeiste'L^ls der Frömmigkeit, es spielt bei dem ganzen Akte ״die Pietät“ eine Rolle, qa wir in Rührung gedenken der Wohltaten, welche! die Verklärten uns erwiesen, der Tugenden, womjit sie uns vorangeleuchtet; wie spenden aus Dankbarkeit und Liebe, um ihr Andenken zu ehren, nicht! aber, um ihre Seelen durch unsere Gaben zu erlösjen, damit durch unsere Gaben Gott ihrer zum Gutep gedenke. Neue Schriften über die talmudische Zeit. n&iti ungen des .6ם, kritisch Schichte d:1r- Poppelauer. I. Dr. Joseph Klausner. Die messianischen Vor stell jüdischen Volkes im Zeitalter der Tann: untersucht und im Rahmen der Zeitgei gestellt. V und 119 Seiten. Berlin. 1904. 2,50 Mk. Die Hoffnungen Israels auf einen Erlöser haben schon manche Federn neuerer Forscher in (Bewegung gesetzt. Ist es doch der Messiasgedanke, de!- religionsgründend nach außen hin gewirkt, in!Israel die Kraft zum Ertragen der schwersten Verfolgungen gemehrt und den Antrieb zur Selbsterkenntnis und zur Veredlung des Judentums geboten hat. Die bisher erschienenen Werke über diesen Gegenstand beschäftigen sich entweder! mit einer besonderen Einzelheit, oder sie treten ain das talmudische Schrifttum nicht heran, und wjenn sie es tun. dann reihen sie die Sätze, die der Talmud darüber bietet, aneinander, ohne die verschiedenen Zeitalter der überliefernden Weisen auseinander zu halten. Welch ein weiter Zeitraum trennjt nicht die tannaitischen Midraschim von den letztenjagadischen Erzeugnissen, die erst aüs dem zwölften Jahrhundert stammen können! Verfasser unterscheidet die Zeit vor dem Barkochbakriege und die Zeit danach. Auf das Werden des Messiasgedankens, also auf die vorialmudische Zeit geht er nicht ein, da dieselbe schön von anderen mehrfach behandelt worden ist. Bis zum Fall des Tempels finden sieji, wie Verfasser zeigt, wenig oder keine messianitechen Aus- Sprüche talmudischer Weisen. Als abeij die Staatliehe Selbständigkeit dahin war, trat die( altprophetische Messiashoffnung in den Vordergrund, und zwar von seiten der Hoffnung auf ein üjtaatsleben aus. Verfasser meint, daß der Messias nach den damaligen Anschauungen nicht von E)avid abzustammen braucht, da Akiba den Barkochba ohne weiteres zum Messias ausgerufen hat.! Als dieser aber den Satz דרך כוכב מיעקב auf ihn anwandte, als er, der Frommgläubige, seiner inneren Stimme folgend, diese als Gottes Stimme ansah, w!ird er auch sicher dessen Abstammung von David als selbstverständlich angenommen haben. Hi fiten sich doch die Makkabäer selbst nicht für die Gesalbten der Messiaszeit, weil sie nicht von David stammten, i Es läßt sich vielmehr nachweisen, daß gerade in der vorhadrianischen Zeit man sich mi dem Vorrecht der davidischen Familie viel befaßt hat, wozu ja das Vorherrschen des Nassihauses den besten Anlaß bot. Und da sollte man einen nichtdavidischen Messias anerkannt haben? Gerade au‘David gingen ja die staatlichen und freiheitlich 3n Hoffnungen Israels zurück. Glaubte man also, daß Barkochba der Me!ssias sei, ja, daß man bere;htigt sei, sich ohne göttliche Zeichen selbst zu erheben (das hat, wie wir wo anders gezeigt, einen großen Streit gekostet), so glaubte man auch, daß Barkochba alle Erfordernisse eines Messias in sich vereinigt. Wenn Verfasser selbst anführt, daß die Kaiser den Davididen nachspüren ließen, um keine Empörungen durch sie möglich bleiben zu lassen, so ergibt sich schon daraus, daß die Fordering davidischer Abstammung unerläßlich war. Und von Akiba sollten keine messianischen Sätze da sein? Die vom Verfasser ang eführte Mischna Edüjoth 2to steht nicht allein; sie hat neben sich eine andere, welche die alexandrinische Ueberliele- 1-ung enthält, Israel sei nicht 400 Jahre in Egypten gewesen; das Verdienst der Väter hitte die Zeit der Freiheit beschleunigt. Ja, wenn dort die Leiden Hiobs ein Jahr dauern, so ist Hiob das Sinnbild des unterdrückten Israels. Diesen Sätzen entsprechen viele Mechiltaabschnitte, die im Geist Akibas die Hoffnungen jener Zeit iredigen. Die Opferhälacha, meint Verfasser, ist nur darum damals behandelt worden, weil man an die baldige Befreiung glaubte. Nach Eie asar ben Asarjas Zeitgenossen, also wohl Akiba und Ismael, ist nicht nur das Gebet Gottesdienst, sondern auch das' Lernen. Weshalb sonst ist in t-auriger Zeit der Satz ausgesprochen worden, das L3rnen bringe zur Tat? Schon in dieser Zeit sollte das Lernen der Opferhalacha das Opfer selbst ersetzen. Hätte man ohne diese Hoffnungen etwa die Uempelgesetze in Vergessenheit sinken lassen? Nach dem Fall Bethars tritt die staatliche Seite des Messiasgedankens zurück (wie wir ebenfalls an anderer Stelle gezeigt haben), und die Tannaiten sprechen statt von dem kämpfinden von dem leidenden Messias. Der Messias ben Joseph muß sterben, der Retter der Zukunft wird durch seine geistige Ueberlegenheit ohne K1.mpf die Völker überwinden. Der Messias kommt unerwartet, niemand sieht ihn voraus. Aber wen ב sich die Gestalt des Messias auch vergeistigt hat, ganz und gar sind in der tannaitischen Zeit die politinchen Hoffnungen nicht gewichen. Die Amoräerzeit entfernt die J1!den immer mehr vom heimatlichen Boden und da zeigen die messianischen Hoffnungen entweder ho<!hfliegende Bilder, oder sie traten ganz zurück, wie )ei den Amoräem Hillel und R. Jehuda. Die berühmte Deutung von השבעתי אתבם etc. braucht trotzden nicht amoräisch zu sein, sie ist in der Septuaginta zum Hohenliede