Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 22. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 schon vollkommen' angedentet, und sie kann sehr wohl den Gegnern des Barkochbakampfes angehören, die nicht etwa die Messiashoffnung fallen gelassen, sondern Gott die Erfüllnng der Hoffnungen anheimstellen wollten. Damit hat also die Amoräerzeit nichts neues geleistet. Und Samuel merzt die Prophetenbilder nicht aus, sondern deutet sie, wie nach ihm Maimonides, wohl bildlich. Mit Recht will Verfasser von einem Antiraessias nichts wissen. Er ist nicht vorhanden, weil er nicht vorhanden sein kann. Es kann sich immer nur um ein Abmahnen von tatsächlichem Eingreifen handeln, nicht aber, vielleicht von R. Hillel abgesehen, um ein Aufgebön des Messiasgedankens. Zu der Sonderung von Messiashoffnung und Olam haba hat Verfasser wichtige Beiträge geliefert; er hat nachgewiesen, daß beide Begriffe in ältesten Zeiten auseinandergehalten worden sind. Auch die Frage, ob die Bekehrung im Judentum erstrebt wurde, wird in diesem Zusammenhang behandelt. Die Gegnerschaft gegen die Bekehrung scheint Verfasser in spätere Zeiten zu verlegen, und selbst auch damals war sie, wie er zeigt, keine grundsätzliche. Doch zeigt der tannaitische Midrasch, wie wir längst dargetan, daß man bereits in den Schulen Eliesers und Josuas, ebenso bei den nachfolgenden Tannaiten (bei Behandlung der Jitrogeschichte) Gegner und Freunde der Bekehrung gehabt hat. Nach der ganzen Entwicklung des Gedankens ist das Messiasreich Israels, wie Verfasser richtig zeigt, zumal er Olam haba davon trennt, von diese/ Weit Aueh die Sünden weiehen nicht vollkommen? Wenn wir die vorliegende Schrift als Ganzes nehmen, so bedeutet sie einen bedeutenden Fortschritt nicht nur für den behandelten Gedanken, sondern für die talmudische Forschung und für die 80 wichtige Seite der Quellenscheidung überhaupt. Verfasser hat eine reiche Fülle des so zerstreut liegenden Stoffes wohlgeordnet uns dargeboten und jeden Satz mit der Zeitgeschichte in Verbindung gebracht. — Es braucht garnicht gesagt zu werden, daß die einzelnen Bemerkungen, die wir eben über unsere abweichende Meinung gegeben, sich nicht nur mit der Wertschätzung des Buches vertragen, sondern sie beweisen. Ueber ein minderwertiges Buch gibt es keine Erörterung, und Erörterung tut uns not, wie nicht genug hervorgehoben werden kann. Die Nachweise für unsere obigen Ansichten hätte Verfasser in den Semitic Studies (Calvaiy) finden können, wo wir ״Die Hagada in der Mechiltha“ im Jahr 1896 behandelt haben. Da findet sich auch die Nachweisung des Unterschiedes, welche die Mißerfolge des Barkochbakampfes in den Ansichten Israels bervorgerufen. Diese Arbeit ist dem Verfasser entgangen. Wenn sie auch nicht die Messiashoffnung an sich behandelt, so legt schon der Gegenstand eine starke Berührung dieser Hoffnungen nahe. Klausners Arbeit ist nicht nur dem Kenner,, sondern jedem Gedildeten zu empfehlen, der sich' Über die Geschichte dieses in unserer Zeit doppelt j wichtigen Gedankens unterrichten will. i Predigtumrisse. וישלח• Der Kampf mit dem Unbekannten. Jakob ist ׳ auf dem Wege nach seiner Heimat, and während er sorgenvoll der Begegnung mit seinem Bruder harrt, nähert eich ihm ein Gewaltiger, der Nachts mit ihm ringt. Es ist nach der Deutung unserer Weisen Esaus Schutzgeist der mit ihm um die Berechtigung seines Segens rechten will. Es ist das Sinnbild der feindlichen Außenwelt, die gern im Dunkel mit uns ringt. Aber wie Jakob selbst, so wächst auch uns die Kraft und das Vertrauen im Kampf. Sobald der Morgen graut, will der Feind entfliehen, denn das Licht kann er nicht ertragen. Aber Jakob will sein Zugeständnis, daß er im redlichen M&hen und Ringen den Segen sich erst zu eigen gemacht hat. Wohl trägt Jakob an sich das Zeichen, daß er nächtlich hat kämpfen müssen, aber der Fremde muß zugeben, daß er nicht mehr Jakob, der Beinsteller, von ihm genannt wird, sondern Israel, der redliche Gotteskämpfer, der Gott und Menschen gegenüber redlich gekämpft und redlich gesiegt hat. Und da geht ihm nach dem nächtlichen Kampf die Sonne auf. וישב• Chanuka und Monatsweihe. Das Lichtwunder. — Makkabäer haben gesiegt. Statt Siegesfeste zu feiern, suchen sie den Zweck ihres reinen Kampfes, den Tempel, auf. Syrer hatten das reine Oel entweiht, aus Haß gegen das ewige Licht der Thora Makkabäer wollten zuerst dasselbe anzünden, denn für dies ewige Licht hatten sie gekämpft. Aber nur reines Oel — oder keine 1 Denn rein war ihre Gesinnung, und unverfälscht soll Thora bleiben. Sie suchten — das war das erste Wunder! Andere hätten auf neues Oel gewartet. Aber sie hatten ja das reine Oel der Gesinnung in ihren Genossen auch gesucht und gefunden. Wer dies aufrichtig sucht, wird es stets finden! Sie fanden — _ aber zu wenig) Dies anzünden, sich dem Spott der Feinde wegen za schnell erläschter Lampe aussetzen? Doch hier gilt’s nicht die eigene Ehre, hier ist Zögern nicht Klugheit, sondern Verbrechen. Sie zünden die Lampe damit an, wie sie den Kampf mit wenig Genossen begonnen. Solcher Festigkeit gegenüber tut Gott ein zustimmendes Wunder, und es reicht aus, bis reines Oel kommt. — So glauben auch wir, daß heilige Begeisterung für das Gute, für das Licht der Thora nicht-erloschen ist — mögen wir unter schwersten Verhältnissen hoffen und das Ünsrige tun — dann können wir das Uebrige Gott überlassen! Babel und Bibel oder Babel gegen Bibel Von ]Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosenthal. — ■w Eine Antwort an Professor Delitzsch. ».«« Zweite Auflage. M. Poppelauer, Berlin C., Neue Friedrichstrasse 59. Preis 60 Pf. Von jeder Buohhasdlung zu beziehen.!■halt der ■ummer 22. Wissenschaftliche AsftXtze: Habakuk — Nahum — Joel. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. (Fortsetzung.) — Die Seelenfeier. Von Rabbiner M. Adolph Gerloczi. (Sohlaß.) — Neue Schriften über die talmudische Zeit. — Predlgtaanissa. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin. ii