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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 22. (1904) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 22. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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Und unvermittelt geht die Darstellung weiter. Die Beziehungen zeigt ein genauerer Einblick. Gerade diese Züge machen die Gesänge feierlich, odenartig. Wer dies uns als au allgemein nicht zugeben kann, der höre folgendes: Nah. 17b * ״Br kennt, die bei ihm sich bergen, Doch mit brausender Flat Macht er ihre Stätte zunichte — Und seinen Feinden folgt Dunkel.“ Und * 687 .,Die Einsamen bringt Gott in das Haus, Gefangene führt er zum Glücke hervor, Doch Abirrende weilen im Oedland.“ Dies ואויביו ירדף חשך, dies אף סוררים שבנו צחיחה, beides Nachsätze, muß man als Gleichheit der Wortfolge und demnach der Dichterempfindung betrachten. _ Der Gegensatz, mit welchem Gott im Verhältnis zu Beinen Freunden und Feinden steht, findet sich wie im Nahum, so 4 683 ״Wie Wachs vor Feuer schmilzt, — So schwinden die Frevler vor Gott, Doch die Gerechten jubeln . . .*• Vergleiche man damit den Schluß des Deboraliedes: ״So schwinden all’ deine Feinde, Herr, Doch seine Freunde, Wie Sonne geht hervor in ihrer Kraft“ Immer dies beredte וצדיקים ואויביו, ואהביו ו als Zeichen des Gegensatzes: 'Deutlicher erkennbar ist folgendes: Nahum IT ״Was denkt ihr von Gott? Er übt Vernichtung! Nicht zweimal kommt die Not!“ 6817 ~ ״Was hadert ihr steilen Berge Gegen den Berg, Den Gott zum Sitz sich ersehen?“ Diese plötzliche Frage מה תחשבון, jene andere למה תי־צחן ist nur noch zu vergleichen mit jener des Deboraliedes למה ישבת בץ המשפתים (Richter 5!6). Um in dem gleichen Kreise zu bleiben, finden wir Nahum 3וסיס דוהר י und im Deboraliede 22 מדהרות דהרות אביריו• Wem diese Ausbeute gering erscheint, der darf auch Hab. 3 nicht in den Kreis dieser Psalme und Thora- und Bibelstücke überhaupt ziehen; ist doch auch da nur auf die Verwandtschaft d^s Tones im allgemeinen, xen>ger auf die Gleichheit des Wort- Schatzes hingewiesen worden. Dann hätten wir hier eine neue gemeinsame Seite in Nahum und Habakuk gefunden, die sich auch noch von diesem aus auf Joel übertragen läßt. (Fortsetzung folgt.) Die Seelenfeier. הוכרת גשמות Von Rabbiner M. Adolph Gerloczi in Fiume. (Schluß.) 1׳ Im Jelamdenu vor dieser Stelle steht der Passus ״ לכך רגילין להזכיר הסתים כשבת שלא ישובו לניהנםEs ist Gebrauch, der Toten am Sabbat zu gedenken, damit sie zur Hölle nicht zurückkehren sollen“. — Nach dieser Stelle halten sich genau die Sefardini, sie halten die öffentliche Haskara nur am Vorabende des Jomkipurs — nach dem Rezitieren des ״Kolnidre“; an jedem Sabbat oder Festtag kann jedoch ein zur Thora Aufgerufener für die Verstorbenen eine ״Haschkaba“ sagen lassen. — Die sefardischen Juden haben überhaupt nicht die Seelenfeier, weil diese weder im Hamanhig noch Maimonides sich vorfindet. Minhag Aschkenas auch nicht.*) — Aus den älteren liturgischen Schriften und Ritualbüchern seien noch einige Stellen angeführt: Machsor Vitry cditio M. N. § 3:53־ פ־סקין צדקה- בי־בים על המתים ובבל הרגלים אהה ביצא פיסוק צדקה ביום קרות איש כמחנה ידו■ Im Szefer Rokeach hagadol von Eleazar aus Worms § 217: ופוסקין צדקה רמחים בבל ארץ אשבנו רק היום לבדו• — nämlich nur Jomkipur. Ibid § 219: יפוסקין צדקה עבור אבותיו וקרבן נשמית לפי שסמין בסיף ואתה תציה הבפורים אחת בשנה יכפר ונתנו איש כופר נפשו לד'• Diese Stelle ist auch nur für Jomkipur. Dem widerspricht § 297: ובבל הס ועדים פוסקין צדקה בשקורין בל הבבור לפי שבתוב איש במתנת ידו בברכת ד' אלוקך■ Hier stände zum ersten Mal, daß man an den Festtagen spendet für die Verstorbenen. Rabbi Zidkiahu bar Abraham, der Verfasser der ,,Schibule Haleket“ bringt eine ausführliche Be- Schreibung der Haskara u. z. § 239; dort werden schon die drei Feste hervorgehoben: וביים שקורין כל הבבור נהגו לפסוק נדבתן לשלש פעמים, על שם שלש פעמים בשנה יראה כל וכורך• Daher heißt auch diese Feier an den drei Festen: סדר מתנת יד — Nach Orach Chajim, Magen Abr. At. S. § 621 wird die Seelenfeier am Jomkipur aus dem Grunde abgehalten, weil die Erinnerung an die verstorbenen Angehörigen geeignet ist, den Menschen zu einer an diesem Tage erforderlichen Demut zu stimmen. Manchesmal rief man die frommen Toten an, daß sic für die Lebenden beten sollen, darauf deuten die Worte — זבד צדיק לברכה — Proverb. 10. 7; ebenso beteten nach Talmud babli Taanith 16a die Lebenden manchesmal für die Toten. — שיבקשו עלינו מתים בי־חמים — Der Bahnbrecher der jüdischen Wissenschaft Leopold Zunz 8. A. entlehnt diese Feier der ״christlichen Liturgie.“ ״Der Gebrauch, in dem Gottesdienste die Namen der Verstorbenen zu verlesen, war schon vor dem neunten Jahrhunderte in der christlichen Liturgie: hieraus entstanden im Abendlande die mit Spenden verbundenen Seelengedächtnisgebete, an welche sich Gebete für Märtyrer — dergleichen auch die alte christliche Kirche kannte — anreiheten. Aus solchen gingen die jetzt üblichen Totenfeiern hervor.“ (Siehe ß ') Nur der sogenannte ״Minhag Polen.“

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