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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 21. (1904) · p. Seite 87

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 21. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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väterlichen Gräbern beizusetzen. — Indeta! sie nun alle den gerecht richtenden Herrn priesen, der das Verborgene offenbar macht, wandten sW sich zum Gebete, daß die begangene Sünde gänzlich getilgt werden möchte. Der edle Juda (Makabih aber ermahnte das Völk, sie sollten sich vor per Sünde hüten, da sie mit Augen gesehen, was um j der Sünde der Gefallenen willen geschehen wäre. Und nachdem er vermittelst einer Sammlung unter seinjen Leuten 2000 Drachmen Silbers zusammen gebrächt hatte, sandte er dieselben nach Jerusalem, damit pin Opfer für die Sünde dargebracht würde, [woran er sehr schön und edel handelte, indem er auf die Auferstehung bedacht war. Denn wenn er nicht erwartet hätte, daß#die Gefallenen wieder auferstehen, so wäre es überflüssig und töricht gewesen, für (gestorbene zu beten“. — ״Er zog ferner in Betracht, daß denen, welche in Gottesfurcht gestorben sind, der herrlichste Gnadenlohn aufbewahrt ist; ein billiger unjd frommer Gedanke! Daher verrichtete er ein Sühneopfer für die Getöteten, damit sie von dir Sünde erlöst werden.“ — Der Talmud babli Hprioth 6 a, nimmt Bezug י׳ auf den Vers in der Thorä כפר לעמך ״',ישראל כו׳Vergieb deinem Volke Israel, wo diese Stelle auf die ausJEgypten gezogenen'verstorbenen Israeliten gedeutet wird. — כפרה ו שתכפר על יוצאי מצרים — Ibid: die Stelle, wo Esra, um die Sünden dps Götzendienstes zu Zidkia’s Zeiten zu sühnen, die 12 Sühnopfer mit den aus Babylon heimkehrenc.en Juden darbrachte (Schlagwort אמר ר׳ יוסי« הבאים משבי הנולה wie auch Raschbam zur Stelle תחת אבותיך יהי בניך). Nach dem bereits zitierten Vers im 5. Buch Mose, Kap. 21, Vers 8, erklärt Jelamden|u zu dem Wochenabschnitte Haasinu: בפר לעמך!ישראל. אלו היים, אשר "פדית אלו המתים, מבאן שהחיים פזרין את המתים, לבך אנו נהגין להוכיר את׳ המתים ביום הכפורים ולפסוק עליהם צדקה• ■ (Schluß folgt.) Im Kampf um Bibel und Glai^ben. IV. Kalthoff gegen Harnack, Bousset gegen Kalthoff.*) (Fortsetzung.) Die Aufgabe der Neuzeit sieht Kalthoff nicht darin, die Person Jesu zu entdecken, da er doch nur ein Mensch ist und an einem Menschen nicht der Fortschritt von Völkern hängen kann. Wenn wir heute annehmen, daß alle bedeutenden Geister eine Folge der Entwicklung sind und nicht losgelöst von dem Leben ihrer Zeit betrachtet werdep können, so muß auch die Person Jesu unter diesemjGesichtspunkt betrachtet werden. Was uns die Glaubensquellen des Christentums zeigen, kann in der Person Jesu nur das Abbild der Zeiten und Bestrebungen Wir müsse□ □och nachtragen, dall Kalthoffs! ״Christus- Problem“ bei Eugen Diederichs, Leipzig, zum Preisb von 3 Mk. rschienen ist. sein, die darin verkörpert sind. Dies Bild wechselte ' mit den Zielen der Zeit, wie später wiederum jede Zeit ihr eigenes Spiegelbild daraus herausgedeutet1 hat. Nicht Jesus, sondern Chiistus heißt; die Losung, nicht die Person, sondern der in ihr liegende Grundzug, der sich trotz der Wandlungen der Zeiten als höchstes Menschh! »itsziel enthüllen und zur Wahrheit werden muß. Was den neuzeitliehen Menschen erfüllt, was als Z el vor ihm liegt, muß darin seine Berechtigung sehen. Beseitigung, des Zeitelends, der menschheitlichen Standesunterschiede, das waren die allgemeinen Völkerziele der Vorzeit, aus denen das Christentum hervorgegangen ist. Das können auch heute nur die Ziele sein und bleiben, verbunden mit den tätigen Bestrebungen der heutigen Menschheit in Kunst,!Wissenschaft, Handel, Wandel und Staatsleben. Wenn ajis all diesen Zügen ein einheitliches B ild des Strebens und Wirkens zur Wahrheit wird, dann wird die von der Menschheit ersehnte Zeit henmgekommensein. Das ist im wesentlichen def Gedankengang Kalthoffs, mit dem wir unsere Leser glaubten bekannt machen zu müssen. Ueber Harnack und seine ganze Richtung ist hier abgeurteilt. Nicht, weil diese! oder jene seiner Ansichten mehr oder minder wert Ist, sondern weil das gesamte Vorgehen auf falschen Voraussetzungen beruht. Aber nicht nur in ihren wissenschaftlichen Mängeln zeigt sich uns bei Kalthoff die Harnacksehe Darstellung des Christentums, sondern auch in ihrer Hohlheit. Etwas kann wissenschaftlich unwahr sein,-! ohne darum der Größe und der entwickelnden Kraft zu entbehren. Aber Kalthoff zeigt! daß wenn die im ״Wesen des Christentums“ hervortretenden Ansichten als Harnacks Eigentum, losgelöst von jeder Quelle und jedem Belege, beurteilt) werden sollten, das Ganze an wirkenden Gedanken leer ist, wenn man es des geschickten Aufputzes entkleidet. Das ist eine Folge der Denkwillkür unserer Zeit, des Zurückdrängens der Philosophie. Man konnte die Harnackschen Vorlesungen jubelnd :aufnehmen, die darinliegende Herabwürdigung des! Judentums bemerkte man vielfach mit Vergnügen, und in demselben Augenblick vergaß man, daß Harnack dieselbe Lehre, die er 80 weit über das Judentum erhob, durch Umwandlung erst denselben Tatsachen des Lebens nähern mußte, auf deren Grund das Judentum sich erhebt. Gedankenwillkür war es, mit einer so verwandelten und verdünnten Lehre bewußt wie mit einer gewaltigen Tatsache aufzutreten, während der Forscher doch seine Ergebnisse um so bescheidener vorträgt, je mehr er den Namrn eines solchen verdient. Obschon wir die Kalthoffsche Arbeit nicht von allen Seiten unbesehen annehmen durch die Entschiedenheit seines Auftretens, wie wir zugeben müssen, dieser Gedankensillkür ein Ende zu machen gesucht. Das Christentum darf nicht anders beurteilt werden, als irgend scheinung der Geschichte. Allerding was dem Einen recht ist, ist den Nur unter solchen Voraussetzungen Judentum zu seinen! Recht gelangen. Nur wenn eine andere Ergs, sagen wir, Andern billig, kann auch das

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