Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 21. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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die Religionen in ihrer gegenseitigen Stellung, in ihrem Geben und Empfangen ohne Haß und Liebe geschichtlich geprüft werden, wird sich erkennen lassen, was Israel geistig und sittigend geleistet und was ihm zu leisten noch Vorbehalten ist. .(Fortsetzung folgt.) / Litteraturbericht. Recensionen. Paul Fiebig. Talmud und Theologie. Ein Vortrag. (Aus der Sammlung gemeinverständlicher Vorträge und Schriften aus dem Gebiete der Theologie und Religionsgeschichte). VIH. u. 30 Seiten. Mohr, Tübingen und Leipzig. 1903. 75 Pfennige• -Die ohristlicbeTheologie kann dietalmudiscbenForschungen nicht mehr entbehren. Darum will Verfasser in der Kürze einen Leitfaden bieten, der die Umrisse des Gebietes und das Wichtigste aus dem einschlägigen Schrifttum angiebt Schon die Abschnitte zeigen, wie er diesen Plan Im Rahmen eines kurzen Vortrages durchfährt: Einleitung. I. Der Talmud; 1. Midrasch, Halacha, Hagada; 2. Mischna. Tossefta, Barnitha; 3. Talmud; 4. Entwickelung bis zur Gegenwart. II. Talmud und Theologie. 1. Realien und Persönlichkeiten; 2. Wunder, Gleichnisse, Präexistenz. UI Der einzige Weg zur Lösung der Frage: Talmud und Theologie. Verfasser Termißt unter den Hilfsmitteln noch eine Ueber- Setzung Philo’s, wie der jüdisch-hebräischen Literatur. Aber letzteres ist ein sehr weitgehendes Gebiet und kann nur im einzelnen Torgenommen werden. Papyri, Inschriften nnd Vulgär-griechisch bedürfen noch weiterer Erforschung. Da Verfasser die oben angegebenen Gegenstände in herkömmlicher Weise behandelt, so wollen wir nur einzelnes herrorheben. Die Deismann’sche Mahnung, fleißig die Septuaginta »!!.benutzen, müssen wir ebenfalls zu fleißiger Beherzigung uns aneignen. Den Uebersetzungen (z. B. des Targum) müßte eine Herstellung des Textes voransgehen. Wir fügen hinzu, auch den Arbeiten über den Talmud — das wird oft genug Ton uns entschuldigend angeführt. Aber ״der Text ist kein Grund, diese Uebersetzung zu •unterlassen‘. Oder, wie wir hinzufügen, die Arbeiten der talmudischen Quellenscheidung. Sonst blieben sie ad calendas graecas aus, so aber helfen sie selbst zur Verbesserung mit Das neue Testament folgt selbst den Targumen, wie Fiebig meint Ebenso sagen wir, der Talmud, wie er die Septuaginta stark benutzt. Schiatter hat gezeigt, wie das JohanneseTangelium mit der Mechilta zusammenhängt. (Vgl. unser: Die Hagada in der Mechilta in Semitic Studios). So gehören die Halachischen Midraschim zur Geschichteforscnung über jene Zeit Die Forderung genauer Indices über die Talmüde können wir nur unterstützen. Einen Ansatz zur Inhaltsangabe hat Goldschmidt in seiner Talmudüber- Setzung am Anfang der Bände geboten. Verfasser gibt zu, daß einem christlichen Gelehrten die hier notwendige Arbeit ohne jüdische Hilfe nicht möglicht ist. Er hält jüdische Arbeiten in Terständlicher Abfassung für nötig oder ein Zusamenarbeiten Ton Juden und Christen. Trotzdem Terlangt er die Anstellung christlicher Gelehrten an UniTersitäten für diese Wissenschaften, da wir doch unsere Hochschulen haben!! So lange Lichtenstein nnd Kahan leben, soll ‘man sie besonders benutzen! Kahan arbeitet am Institutum Judaicum. Mit Recht sagt Verfasser, daß derartiges Arbeiten der Mission gute Dienste leisten wird. So sehr wir Fiebigs Streben anerkennen, so sehr begreifen wir es. daß er, auf solchen Voraussetzungen fußend und bei solchem Endziel der Arbeit jüdischer Gelehrten nicht gerecht werden kann. Was wir zu jeder Zeit, auf Versammlungen, in Vereinen ausgesprochen, selbst auf die Gefahr hin, durch dies ceterum censeo uns lächerlich zu machen, das wiederholen wir auf die dankenswerten Anregungen Fiebigs hin: Angesichts so Tieler neuen wissenschaftlichen Triebe im Judentum haben wir uns zur wissenschaftlichen Erforschung des Talmuds aufzuraffen, und zwar sein Werden aus ihm selbst zu erkunden, um die darin Terarbeiteten Quellen in ihrer Urgestalt und in ihrer späteren Gestaltung zu erkennen. Diese Arbeit ist schwer, aber nicht unmöglich. Da muß das geringste Ergebnis dankbar angenommen werden, und ermutigend hat man die wenigen Arbeiter heranzuziehen, die unter schweren Opfern sich damit befassen Hier zusammenzuwirken, das ist unsere Ehrenpflicht! Uns daran zu mahnen, dazu ist diese Stimme Ton außen her sehr geeignet! Predigtumrisse. (Schluß.) תולדות• Genesis 2618 Isaak, durch offenen Neid, ״weil er größer ward als die anderen“, Tertrieben, kehrt, mutig für sein Recht kämpfend, zurück; er gräbt die alten Brunnen, auf, die Grundbedingungen seiner Arbeit; nichts Neues wäll er, aber vertragsmäßig Beschworenes 8011 und muß gehalten werden. Er will nicht Gnade, sondern Recht. Der erste Brunnen heißt p$ry, eigentlich Arbeit, Beschäftigung — aber es wird Hader daraus. Den zweiten Brunnen nennt er שטנה■ Anklage, weil nur Verläumdung ihm das Recht auf Arbeit streitig machen kann. Den dritten nennt er רחובות! Raum, denn er will ja nur Raum zum Lfeben und Wirken haben, sonst Nichts. — Seien wir nicht schwach und mutlos, sondern kämpfen wir beharrlich um das alte Terbriefte Recht, damit wir mit allen Menschen frei leben und für die Gemeinschaft tätig mitwirken können! ויצא• I. Genesis 281»- n. Jakob flieht vor seinem Bruder, Nacht umgiebt ihn — doch die hoffnungsreiche Jugend schläft auf hartem Stein und träumt trotzdem von reichem Zukunftsglücke. Vor sich sieht sie die Leiter menschlichen Strebens, sie ist endlos, führt von Sprosse zu Sprosse, — einer überhastet, überklimmt den andern, die einen steigen auf, die andern sinken herab. Da zeigt sich ihm ein warnendes Bild: Was heißt wirklich steigen, was heißt fallen? Gott soll die Spitze der Leiter sein — ihm nahekommen, heißt steigen, von ihm sich entfernen, heißt fallen. Nicht rücksichtsloser Daseinskampf hebt den Menschen, läßt ihn vielmehr entarten. Ueberall muß der Mensch sich im Gotteshause fühlen, wie Jakob es beim Erwachen ausspricht; diese Welt sei ihm selbst in seinem Erdenwirken das Tor des Himmels. Dann wird der einfache Stein zum Altar, Gewand und Brot genügt zum Glück und bietet dem Menschen noch die Mittel, Gott den Zehnten der Wohltätigkeit zu geben. II. Durch einen Traum wird Jakob veranlaßt, Laban zu entfliehen. Der Gottesengel zeigt vorwurfsvoll auf die Herden, um die Jakob gedient, als wollte er ihm sagen: Ist das dein ganzes Streben? Vergissest du den Gottesgedanken, den du zu wahren hast? Darum fliehe ins heilige Land, damit der Geist Labans dich nicht ganz übermanne. Du mußt noch ein höheres Streben haben, als diese Herden. — Vergessen wir über dem Irdischen die Hauptsache nicht! Inhalt der Hummer 21. Wissenschaftliche Aufsätze: Habakuk — Nahum — Joel. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. (Fortsetzung.) — Die Seelenfeier. Von Rabbiner M. Adolph Gerloczi. — Im Kampf um Bibel und Glauben. IV. — Litteraturbericht. Recensionen: Paul Fiebig. Talmud und Theologie. — Predigtumrisse. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.