Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 21. (1904) · p. Seite 86

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 21. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492408-6582200-8758012--3322-4858451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

86 י* ד * Joel 410 עושו ובואו »1 י«2 Habakuk מדמי אדם וחסם ארץ קריה ובל יושבי בה Nahum 15 יתשא הארץ מפניו ותבל ובל יושבי בה 1 \ Diese kleinen Züge, die sonst wenig bedeuten würden, erlangen ihren Wert durch Verbindung mit denrFrüheren, dessen Wichtigkeit gewiß niemand abstreiten wird. ♦ Nachdem wir bezüglich der Schilderungen, der Gegenstände, der Spracheigentümlichkeiten, ja, der Empfindungen die unverkennbare Gleichheit dieser drei Prophetenbücher dargetan, wird es nicht überflüssig sein, auf andere Schriftstehen hinzuweisen, die sich hier wiederspiegeln■ Zunächst fragen wir, ob nicht zu anderen Prophetenbüchern noch Beziehungen sich entdecken lassen, und vergleichen schon dadurch denUmfang solcher Berührungen mit andern mit denen dieser drei untereinander. Vielleicht erkennen wir dann noch, daß sie diese Beziehungen im großen und ganzen teilen, was für die Gleicheit dieser Bücher und sicher für ihre Einheit erst recht beweisend wäre. (Fortsetzung folgt.) Die Seelenfeier. הוכרת נשמות Von Rabbiner M. Adolph Gerloczi in Fiume. (Vorbemerkung der Redaktion). Wir bringen nachstehende Arbeit zunächst -wegen der darin enthaltenen Darlegungen über die Seelenfeier, die ja an »ich uneern Lesern willkommen sein und Neues bringen werden, aber auch wegen der Veranlassung, aus der sie herrorgegangen. Der Verfasser, Rabbiner zu Fiume, hat an den letzten Festtagen, wie er uns schreibt, aus körperlicher Schwäche die Gebete zur Seelenfeier etwas leise vorgetragen. Man hat das als eine Beleidigung der Verstorbenen angesehen, und der Rabbiner mußte, wie er uns mitteilt, dieses einen Umstandes wegen von seinem Amte zurücktreten! Es muß eine Wonne »ein, in jener Gemeinde als Rabbiner Hütten zu banen. Dabei ist Verfasser ein verdienstvoller Wissenschaftlicher Arbeiter, der auf dem Gebiete der Liturgik Bedeutendes geleistet hat וו תורה ווו שברה! Nun erklärt sich auch die Stimmung, welche in diesem Auf■ atze gegen die Seelenfeier hervortritt Wir unterschreiben gern, waa der Verfasser über die einseitige Ueberschätzung dieser Feierlichkeit sagt Soll man aber darum das Kind mit dem Bade ausschütten? Liegen die Dinge einmal so traurig, wie Verfasser für seine Kreise annimmt, so billigen wir das nicht. Der tägliche Gottesdienst ist halachisch wichtiger als die Seelenfeier. Aber wir wollen die in der Hoehschätzung der Haskara liegende Anhänglichkeit des Juden an die Seinen, zumal die Eltern, als die Wurzel ansehen, an die selbst Moses beim Beginn seiner Wirksamkeit anzuknüpfen hatte. Sieht man, bei dieser Feier fremde Gesichter im Gotteshause, so bietet die mit der Haskara zu verbindende Predigt ein gewaltiges Mittel, an die erschütterte Stimmung ankffBpfend, über die Ziele des Judentums die Hörer aufzuklären. Einer oder der andere dürfte vielleicht auch die nächste Predigt hören wollen, und es werden wohl nicht alle an diesem Tage gesprochenen Worte nutzlos sein. Ueber die Gründe, welche die heutige Welt an solchem JTage beeinflussen, wollen wir nicht vernünfteln. Wir wollen sie ehren und nicht hineingreifen in die Geheimnisse des Gefühls. Benutzen wollen wir es aber und dafür wirkeD, daß aus der Pietät die pietas emporwachse. Gewiß wollen wir mit dem Verfasser gegen den Totendienst auftreten; aber wir wollen den Gedanken צדקה תציל יממות wie er ja am Schlüsse selbst hervorbebt, als grundlegend hervorkehren und nicht aufhören, daran zu mahnen, daß der Zusammenhang mitjden Verstorbenen, also mit der Vergangenheit, eine Stütze aer Zukunft werden muß. Bei dieser Gelegenheit läßt sich die ganze Vergangenheit Israels aufrollen, oder man hebt die Haskara der Märtyrer, der großen Thoralehrer, der Wohltäter, der Vorkämpfer für die Freiheit Israels hervor. Das ist alles הוכרה• * * Wieso hat die Seelenfeier eine solch’ hohe Stellung in unserer Liturgie, so starke Wurzeln in unsere Gebetordnung gefaßt, sodaß viele sie sogar als das ״heiligste Gebet“ in unserer Liturgie betrachten? Die Entwicklung der Seelenfeier und ihre Ausdehnung hat zunächst nach מנהג פילין ihren Ausgangspunkt genommen. — Wer hat uns überhaupt das Recht gegeben, für die Toten Gebete zu verrichten? Findet sich hierfür im ganzen Kanon ein Anhaltspunkt? Der Tod sühnt — מיתה מכפרת — ist doch ein rabbinischer Grundsatz, woher kommt es, daß die Lebenden für die Toten beten, da doch der Tod selbst eine Sühne ist? — (Siehe Tr. Joma, Tosefta; Abschnitt 4, Schlagwort — ריהודה אומר מיתה ויה׳ב — Ist es nicht eine Herabsetzung der eigenen Eltern, wenn wir glauben, daß, wenn sie schon längst von uns geschieden sind, wir noch immer Fürbitte tun müssen ״viermal im Jahre“? Gehören unsere Eltern, Geschwister, Verwandte noch immer nicht dem Reiche der Seligkeit an? Ist es nicht eine Selbstüberschätzung, daß wir durch unser Gebet, mit unserer Tugend und Frömmigkeit die Verstorbenen der Seligkeit teilhaftig machen wollen? Sind wir denn wirklich fromm? Ein ganzes Jahr gehen wir nicht in das Gotteshaus, entweihen den Sabbat, alles religionsgesetzlich Verbotene erlauben wir uns, aber zur Seelenfeier — הוכרה — laufen wir in den Tempel, wir Frommen, um das Gefühl der Pietät dort los zu werden, beten und schreien יובור, laufen allsogleich wieder fort, so diese Feier geendet hat — um dann wieder fromm zu bleiben bis zur nächsten Feier. Einige unserer Gelehrten begründen diese Feier durch die Stelle Richter Kap. 11 Vers 39, 40. — Nach Raschi sollen von Vers 39 die letzten drei Verse verbunden werden. ותהי חק בישראל, ישאל מימים ימימה תלכנה בנות ישראל "לתנות* לבת יפתח הגלערי "ארבעת ימנם כשנה" Und es ward Gesetz in Israel, daß von Jahr zu Jahr die Töchter Israels gingen, zu trauern um die Tochter Jeftah’s des Gileaditen vier Tage im Jahr.“ (Zu dem Worte לתנות, siehe die Erklärer). Dieser Vers soll nach Einigen für die 4 Seelengedächtnisfeiem im Jahre die älteste Hauptquelle sein. Eine zweite Stelle hat das II. Makkabäerbuch, Kap. 12, Vers 39—45. Dieselbe lautet: ״Am folgenden Morgen gingen Juda (Makabi) und seine Leute hin, um, wie es gewönnlich zu geschehen pflegte, die Leichname der Gefallenen wegzutragen und in Gemeinschaft mit ihrer Verwandten in den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.