Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 20. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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88 T ',4־ ־**;־«י 1 & Im Kampf um Bibel und Glaiiben. IV. ' Kalthoff gegen Harnack, Bongset gegen; KalthotT. Katthoff: Das Christas-Problem. Grnudlinien za einer Spezial• theologie. Zweite Auflage. 94 Seiten. 3 Mk. Kalthoff: Was wissen wir von Jesus? In unseren bisherigen Betrachtungen hat sich’s zumeist um die Echtheit der biblischen Quellen gehandelt. Die Ladenburgsche Angelegenheit hat wiederum nicht inmitten der Gottesgelehrten abgespielt. Wie aber, wenn die Priester eines und desselben Glaubens mit einander einen Kampf um Leben oder Tod ihrer höchsten Glaubenswahrheiten führen? Wie, wenn gerade die Personen davon berührt werden, welche in ihren Schriften bestrebt gewesen sind, dem Judentum eine minderwertige Stellung innerhalb der Religionen anzuweisen? Männer, die durchaus nicht auf dem Standpunkt des strengen Christentums stehen, dasselbe umdeuten und seiner stärksten Eigentümlichkeiten berauben? Dies Verhalten ist ihnen von jüdischer Seite freimütig iorgehalten worden. So gründlich dies auch geschehen ist (wie von Perles gegen Bousset, von Bäck gegen Harnack), so daß man sich von jener Seite sogar zu Entgegnungen verstehen mußte und die jüdischen Stimmen nicht nach altem Brauch überhören durfte, so ist es doch eine ganz eigene Verkettung der Verhältnisse, die einen Kalthoff gerade gegen Harnack auftreten läßt und gerade Bousset gegen ihn als Verteidiger des Hergebrachten in die Schranken führt. Sind Kämpfe des Glaubens mit däm Wissen zu jeder Zeit ein ernster Anblick für den denkenden Menschen, so kommt noch dazu, daß man von den Bewegungen in einer Religion Forderungen ziehen kann auf das gesamte GlaubenBleben der Menschheit. Kalthoff iritt gegen die Leben-Jesu-Forschungen auf. Man hat sich bemüht, trotz alles Freisinns und der Abstreifung aller rechtgläubigen Anschauungen das Christentum an die Person Jesu zu ketten, wie Kalthoff ausführt, Die Echtheit der neutestamentliehen Schriften ist in der protestantischen Theologie längst aufgegeben; das Gottmenschentum hat in wissenschaftlich - theologischen Kreisen aufgehört, eine Rolle zu spielen. Ja, selbst die Lehre des Evangeliums, soweit sie das Tun und Lassen der Menschen betrifft, hat, wie Kalthoff nachweist, durch Harnack eine Umdeutung erfahren, die es bis zur Unkenntlichkeit verwandelt und ein aufgeklärtes Judentum daraus macht. Und was an Grundsätzen von einem solchen übrig bleibt, ist so zweideutig, so inhaltsleer und so bequem, daß aus der Lehre der Armen eine Lehre der Mächtigen, eine Lehre des sich Anbequemens an dieselben Verhältnisse geworden ist, gegen welche das Urchristentum aufgetreten ist. Kalthoff hält es für einen großen Irrtum, daß man nach Beseitigung des Wunderbaren im neuen Testament das Uebrige als Kern glaubte festhalten zu können. Und wenn man gleich von diesem Verahren längst abgekommen ist, so dreht sich’s doch auch jetzt, wo man die echten Worte Jesu als Kern des Ganzen bewahren will, um nich s anderes. So lange man dies versucht, klammert man sich ans Herkömmliche. Worte Jesu, Ein ichtungen, die von ihm herkommen, lassen sich nach Kalthoff, und wenn in noch so geringem Umfang, nicht mehr entdecken. Die apokryphischen Evi mgelien und Episteln tragen das Zeichen der .Ursprünglichkeit nicht weniger an sich, als die von d» Kirche aufgenommenen Schriften. In diesem kirchlichen Kanon spiegelt sich demnach der Geist der sich bildenden Kirche, die in diesen Schriften von einem etwaigen Urbilde sich schon sehr weit entfernt hat. Es ist durchaus nicht mit Sicherheit mehr die Spur davon zu finden, daß ein Abkehren von den Weltverhältnissen, ein sich Fi gen in das Vorhandene ohne Widerstand, Besitzlosigkeit und Armut den Geist der Gesamtheit erfüllte. Das ebionitische Christentum, also -das an t'~ ” ' .. ’ ’ ’ " . und sich von der Welt abkohrte. Das Heiden- Christentum dagegen suchte die ursprüngliche Lehre mit den Verhältnissen dieser Welt in Einklang zu bringen, und so entstand im Gq;ensatz zu der Lehre der Armut und Entsagung die Kirche, welche das, Reich Gottes nicht im Gegensatz zum Bestehenden' gründen wollte, sondern darang ng, nach römischem Vorbild ein weltumfassendes Reich der Heiligen herzustellen. Und die . neuteetai aentlichen Schriften zeigen bereits die Kirche als Anstalt, mit Gliederungen, mit geordnetem Gottesdienst,. und zwar ip allen ihren Teilen Kalthoff zeigt, daß auch die Vorherrschaft Roms, wie des Papstes, tatsächlich n der Person Petri angedeutet ist; demnach steht iie Entwicklung des Katholizismus nicht im Gegensatz zum neuen Testament, sondern geht gerade in len dort vorgezeiehneten Bahnen fort. Das kirchliche Christentum war früher da, als das neue Testament, daher nimmt Kalthoff an, daß Luther in seinem Zurückgreifen auf dessen Worte und in der Zurückdrängung der Ueberlieferung sich zum Geseh; der geschichtlichen Entwicklung in Gegensatz gestellt hat. ן (Fortsetzungfol(ft.) Dr. Alfred Leicht. Lazarus der E Psychologie. Mit Bildnis. Dürr. 1,60 Mk. egründer der Völker- 105 Seiten. Leipzig, Völkerpsychologie — Völkerwisseai das sind heute in der gebildeten Um(׳! gebrauchte Worte, Scheidemünze Psychologie beherrscht heute unsichtbar schäften, sondern auch das Lebe: selbst. Die kleinsten Völkchen haben Seelen entdeckt, das Bewußtsein vom ihres Schrifttums erlangt und strebjä: ständigkeit, ja, sind leicht geneigt, fremder Eigentümlichkeiten an der wähnen. Und doch mußte der Ansdrack Vö! Volksseele geschaffen und die Sacht Wissenschaft begründet werden. Im Geburtstag des dahingeschiedenen ־ rechten Zeit, um daran iu erinnern, Dea sohaft — Volksseele — angssprache selbst viel- Sprache. Die Völkernicht nur die Wissenn der Völker an sich mit nach und nach ihre Wert ihrer Sprache und in vielfach nach Selbsich unter Verachtung Spitze der Völker zu •U :erpsychologie, das Wort selbst gefunden, die Anschluß an den 80. kers kommt Loicht zur daß Moritz Lazarus der