Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 20. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 m ersten Kapitel, die immer wiederkehren, wie das בלה לחמס יבא des Habakuk, noch wirksamer — der Blick wird kurz abgelenkt, dann wieder zurückgeführt auf die, Schilderung, und der Vorgang hat sieh inzwischen weiter abgespielt. Derartige Kunstmittel müssen nachempfunden werden. 6. Die sinnlichen Anschauungen, die Bilder, in welchen die Sprache der drei Propheten sich bewegt, bietet ebenfalls viele Vergleiche. Bei Joel ist es die Heuschreckenplage, welche den ersten Teil des Buches erfüllt. DU ,ארבה und ילק heißen die auf einander folgenden Heuschreckenarten Joel f;. Zwei davon, ארבה und ילק, finden sich Nahum 3״—״. In der Schilderung <Jer Heuschrecken bei Joel finden wir ein liebevolles Eingehen auf die Einzelheiten in den Bewegungen, in dem Vergleich mit dem Heereszug. Wohl soll dadurch das Ganze entsetzlicher und furchtbarer werden, daß die Einzelzüge so hervortreten. Aber auch in den beiden anderen Prophetenbüchem finden wir den gleichen Zug, das Verhältnis des Menschen zur Tierwelt oder diese selbst mit dem Blick des Beobachters zu betrachten und so heranzuziehen. So heißt es Hab. 1 14 ff. vom Chaldäer: Da machst die Menschen den Fischen gleich, . . . Die sieht er mit der Angel auf, In seinem Garne fingt er eie. Er sammelt sie in seinem Netz, Dran freuet er sich und jubelt! Man glaubt die Fabel zu hören, ־welche Cyrus den kleinasiatischen Griechen erzählt;- wenn hier solches vom chaldäischen Völkerfänger gesagt wird. Und Nahum 2« ff. sagt vom vernichteten Ninive: ־Wo ist die Löwenhöhle, Der jungen Leuen Tummelplatz, Wo Löw und Löwin ging einher, Laut brüllend, Niemand sohreckt sie auf? Für seine Jungen Der Löwe zerriß, Für seine Löwinnen er würgt, Mit dem Raube füllt er die Löcher an, Mit dem Zerriasuen die Höhlen. Solche Schilderungen mahnen an die Tiergleichniese, die wir am Ende der Sprüche finden. 7. Selbst einzelne kleine Wahrnehmungen, die einen starken Wirklichkeitssinn bekunden, haben sie miteinander gemeinsam. ״Wagen hüpfen“ bei Joel 2i und bei Nahum 3», wo sich zugleich bei beiden die Bilder und Schilderungen der Rosse finden, wie die' Reisigen Joel 24 Hab. lg. Dem ״Ton der Flamme, die Stoppeln verzehrt“, entspricht bei Nahum 24. * der Anblick der Krieger, wie der Wagen, die den Hammen und Blitzen gleichen. 8. Wenn Habakuk die Strafen behandelt, welche die Chaldäer, treffen sollen, oder das durch dies Volk herbeigeführte, Elend, sagt er (3»): Nicht Blüten hat der Feigenbaum. Der Weinstock keine Frucht, Der Oelbaum täuscht, ' Die Aecker tragen Speise nicht, Das Schaaf entschwand den Hürden. Es ist kein Rind im Stall. Haben wir da nicht das erste Kapital von Joel vor uns, woWeinstock und Feige (ls), Fruchtbäume (״), Felder vernichtet und verödet werden und das Vien schmachtet nach Nahrung? Und wenn hierauf Habakuk sich ermutigt und sich zu den Worten aufrafft (318): Ich aber freae mich des Herrn, Ich juble dem Gott meines Heiles zu, so sagt Joel genau an der gleichen Stelle, nachdem er vom Vieh und dessen Not gesprochen: Zu dir, Ewiger, rufe ich! was auch, so kurz der Ausruf ist uad weil er so kurz ist, eine Selbstaufraffung zn erhöhter Stimmung bedeutet. Und Nahum teilt in der Schilderung der Gottesschritte diese Züge bis auf den bei Joel vorkommenden Ausdruck אסלל, auf die Blüte des Libanon angewandt (Nah. 14, Joel In» 12.) 9. Hören wir Nahum 13 ff.: Im Wind und Sturm Ist der Weg des Herrn, Und Wolken der Staub seiner Füße. Er drohet dem Meer, Da trocknet es aus, Und alle Ströme versiegen, Es schmachten Basan und Karmel, Und Libanons Blüte verwelkt. Vor ihm' dröhnen die Berge, Erzittern die Hügel, Die Erde erschrickt vor ihm, Die Welt und ihre Bewohner. Wer kann vor seinem Grimm bestehn, Wer weilen vor seinem Zorne! Sein Zorn fährt wie Feuer herab, Und Felsen bersten vor ihm. . . . Die Flut ist da, Schon zieht sie berat). Und ihre Spur verschwand, Und Nacht verfolgt seine Feinde! Suchen wir die verwandten Züge aus Hab. 3 heraus: Auch dazieht der Herr daher, un dseit Herder hat man in diesem und den verwandten Gesängen, dem Segen Mosis, dem Deboralied und dem 68 die Wege Gottes und seine Wanderungen gesehen■ Auf seinem Wege Erzittern die uralten Berge, Versinken die Hügel der Vorzeit... Zürnet Gott den Strömen, Gilt Strömen dein Zorn? . . . Dich sahn die Berge, sie erbebten, Die Flut der Wasser zieht heran,! Im Zorn trittst du die Erde, Im Grimm zertrittst du Völker. . . . Wenn bei Nahum das Austrocknen des Meeres an den Durchzug Israels durch das Schilfmeer erinnert, so hier bei Habakuk folgende Züge: 3« Gilt dem Meere dein Grimm, Daß du mit deinen Rossen Auf deinem Siegeswagen es durchziehst? Und nachher 315: Du lenktest durchs Meer dein§ Rosse, Durch großer Gewässer Schlamm. (Fortsetzung folgt.)