Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 20. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
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<*י-«*י3מ — 84 - ־׳; j-öVV יזר ־ Pfiffnifair der Yölkerpsychologie gewesen. Die• Verdienst, soweit ee nicht der Vetreeeenheit anheimgefallen, iet ihm •ach noch verkümmert worden. Auf Lazarus and Steinth *18 Zeitaohrift Ar Völkerpsychologie and Sprachwissenschaft folgte die Zeitschrift de• Vereins Ar Volkskunde. Unter dem Emdruck der Todesnachricht entwarf in dieser Zeitschrift im ▼origen Jahr Professor Richard M Meyer ein Bild vom Wirken des Dahingegaagenen. Aber nach dieser Darstellung war Laaaraa nur der Verwerter Steinthalscher Ergebnisse, der schriftstellerisch geschyskte Darsteller des vom tiefen Forscher Gefundenen. Leiebt bietet hier den Nachweis, dafi ז —— tatsächlich der Endecker dieser Wissenschaft gewesen. In seiner posenschen Heimatstadt hat Laaarus die Gegensktss der verschiedenen Stämme,' wie den Einfluß der brandentrurgischen Landeegrenss in einem Dorf ▼or Augen gehabt, nn>t da kam ihn die Neugierde an, woher diese Unterschiede? ta seiner Studienzeit fesseln ihn Sprachstudien und Geschichte «Mahr als die damalige Philosophie. Er Strebt danach, Herbarte Ansichten kennen so lernen, was er durch Griepenkeri erlangt. Wie Hagel im preußischen Staat, allerdings in den dunklen Zeiten nach 1814, den Staat der Idee gesehen, so tritt Lazarus 1851, aber in freiheitlichem Sinn, mit der Schrift »Die sittliche Berechtigung Preußens1‘ auf, worin er aus dem Geist and der Entwicklung Preußens diesen Staat als den Träger dee deutschen Natjonalgetetes offenbart. Und das, nachdem Preußen damals diese wurde abgelehnt batte! 1860 und 1870 bewahrheitete sich, was Lazarus sieher schauend vorausgesagt. Im Jahre 1861 hat LazarualnPrate’Museum den Begriffder Völkerwissensobaft klargelegt and damit diese Wissenschaft begründet. Wie bei Herdei, folgt aber auch bei ihm nicht die Absonderung der Völker von einander aus dem Bewußtsein der Verschiedenheiten der Volksseelen, sondern es •ollen dieselben •ich ansieben und‘in der Geltendmachung ihrer Eigentümlichkeiten eine Menschheit bilden. Die Humanität wird durch das Vorhandensein der einseinen Sondergemeinschaften in ihr nicht gestört — amgekehrt I Sie wird durch Verachtung dieser Sondertriebe zum Gegenteil der Menschlichkeit und raubt dem Einzahlen die Gelegenheit, nach seiner Eigentümlichkeit sn der Menschheit nntsabaaen. Die Folge davon ist die stttßohe Entwicklung der Menschheit nach des unendlich verschiedenen Sonderverbtetniaeen, durch welche der Begriff der Sittlichkeit' und des Hechts erst geschaffen wird. Bereits' in seinen Gymnasialarbeiten stehen die Ziele dieser Wissenschaft klar vor Laaarus. Somit ist nicht von anderer Seite, sondern aus Hiyn selbst der Begriff der VOlkerwissenschaft gekommen, laicht bringt dss ganse Streben und Wirken des Denkers mit diesem Zag in Verbindung. Wir müssen bei der weiteren Entwicklung auf die faßlich und warm geschriebene, höchst empfehlenswerte Schrift verweisen. Man wird aus derselben ersehen, daß Lazarus Streben immer dem Gänsen galt, daß er •har in genauer Befolgung seiner Grundsätze sich auch den Seinen nicht entzogen hat. Er war, seine Richtung voraussesetet, begeisterter Jade; auch hier liebte er aber me Wahrheit und mahnte in den antisemitischen Wirren von dem Ueberachwang übertriebener Empfindlichkeit ab. Eigentümlich, daß die Völkerwisaenschaft, die sich in ihren Ergebnissen gerade dem Judentum als nachteilig erwiesen hat, einem Juden ihre Begründung verdankt. Das müßte die Usberireibung des Nationalen nicht gerade gegen ans gelenkt haben. Eigentümlich, daß die Berechtigung Preußens zur Leitung Deutschlands von Lazarus betont und ihm damit die Anregung *ur Begründung dieser Wissenschaft geboten wurde. AUerangs za einer Zeit, wo das Hervorkehren dieser Ansicht noch keine Orden und Würden einbrachte. DssmüßtedieForscher und die solche werden wolle®, also die Chargierten mit ihrem Gegensatz gegen alles Jüdische bedenklich machen. So war stets unser Los. Wir haben der Welt einen Gott und ein Gotteebuch gegeben — wie hat sie ee uns gedankt? Es maß auch bedacht werden, daß, wie Lazarus durch seine Religion von'Kindhefy.an auf . die.Bibel gewiesen wurde, Herder, dir erste Verkünder sowohl der Völkerseelen, wie der Humanität ohne die Bibel nicht gedacht werden kann. Kein Wander. In keinem andern Buch drängen sieh in 80 engem Rahmen die Welt, das Entstehen der Menschen, der Familien und Völker zusammen; in keinem andern Bach tritt so unr mittelbar, verbunden mit dem Uebersinnlichen, mit den Stimmen der Dichter, Seher und Volkslehrer das Leben and die Ent- Wicklung eines ganzen Volks mit seinen Herrschern, in seinem Glans und in Fall uns entgegen; und in keinem andern Bach, ist las alle• so unlöslich verbanden mit dam Willen des höchsten Wesens und seinen Forderungen sn den Willen und die Taten des Menschen, so dsß von des Menschen sittlichem Wirken Wohl und Weh abgeleitet wird; kein anderes Buch wurde — wir hätten gern gesagt: wird — mit so gläubigen Augen angesehen; wie die Bibel. Bei Lazarus kam noch dazu, daß das gesamte religiöse Leben des Judentums, in Baus und Synagoge mit Geschichte verbanden und aas der Vergangenheit, im Talmud geradezu aus den Worten vieler geschichtlich einander folgender Gelehrten hergeleitet werden muß. Beim Hinaustreten in’s Leben staunt dann der junge Forscher mit seinem geschärften Blick darüber, die gleichen Gebilde überall za finden, und sein ganzes Leben wird dann zur wissenschaftlichen Anwendung des früh in sich Aufgenommenen. Nicht also trotzdem Lazarus Jude war, sondern weil er Jude war, ist er zum Begründer der Völkerwissenschaft geworden. Wir wollen Leicht für seine Schrift dadurch danken, daß wir für deren Verbreitung uns bemühen und noch mehr für Verbreitung der daraus sich ergebenden Auffassungen. Predigtumrisse. וידא• Abraham steht vor Gott, als die drei Wanderer nahen; da wendet er sich von Gott hinweg den Gästen zu, und Gott, ohne ihm za zürnen, wartet, bis er die Fremden empfangen hat. (Rasch! Anfang וירא nach den Worten des Midrasch.) Ist das keine Verachtung Gottes? Mußte nicht der Verkehr mit Gott ihn von allem andern abhalten? Nein! Das wäre Heuchelei, aus Ehrfurcht vor Gott sich des Wohltuns enthalten. Gott ist die Liebe and Wobltqn sein Dienst. Keine Ausflucht halte vom Wobltun fern! Mußte er nicht aus Erfurcht vor Gott die Fremden nach AbkDnft und Glauben fragen? Nein! Gott wartet und tritt zurück und will Beine Verehrung nicht als Vorwand gelten lassen, in seinem Namen lieblos zn sein, Schranken zwischen Mensch ufid Mensch za ziehen. Der Altar neben Abrahams Zelt ist kein Zeichen der Enghersigkrit. Seit •einem Eintritt in die Geschichte muß. Israels Glaube sich allerdings festigen und erhalten, aber nicht durch feindselige Abschließung von der Menschheit. »Durch dich sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.״ * חיי שרה (Neomondsweihe). ב׳ר ס״ב ואלה יםי שני חיי אבתחם אשר חי כתיב יודע ח׳ ימו תמימים ונחלחם לעולם תחוח כי׳ Abraham stirbt Thora, Gotteageist zeichnet den Wert seines Lebens, indem von den Tagen der Jahre des Lebens, in welcher Abraham lebte, gesprochen wird. Wir schauen beim Ende des Menschen auf sein ganzes Leben zurück. Wodurch wird es ganz und zerbröckelt nicht? Durch die Benutzung der kleinsten Lebensteile, der Augenblicke, die Bich za Tagen, Wochen, Monden und Jahren runden. (Nachweis־ am Leben Abrahams, daß er nie gerastet, sondern alles,' Irdisches und GÖttliebes, zu einem Zwecke benutzt hat) Er lebte das Leben (אשר חי)• indem es darin keinen Stillstand gab. ,Gott liebt die Tage der Frommen“, weil sie im Leben sparsam das kleine, die Tage und Augenblicke zu Rate halten, ihre Ziele bewahren und nicht unatät von einem *um anderen springen. Darum ist am Ende des Lebens das Ganze da als ein »Erbe, das ewig dauert.“ Nur Beharren führt zum Ziel! Führt auch zur ewigen Dauer menschlichen Wirkens. («kalt «w ■aarntat• SO. Wksssashaftttehe Astbitz•: Habakuk — Nahum — Joel. Von Rabbiner Dr. L A. Rosenthal. (Fortsetzung.) — Im Kampf um Bibel und Glauben. IV.“ — Utteratarberiolrt. Recensiouen: Dr. Alfred Leicht. Lazarus der Begrün der der Völkerpsychologie. — Predigt* arte*«. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck vou Arthur Scholem, Berlin