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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 17. (1904) · p. Seite 67

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 17. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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- 67 — Kopfbedeckung, notwendig werden. Tatsächlich kennt das Qesetz der alten Zeit nur die Kopfbedecknng der Priester1), die im Heili! (turne nicht mit entblößtem Haupte weilen sollten2). -- Das Haar ward als ein von Gott stammender Schmuck auf dem Haupte des Menschen angesehen3), das keiner Bedeckung bedarf. Die Arten der Kop: bedeckung, welche in der Schrift genannt werden, gehören entweder zur militärischen Ausrüstung, oder ztim Schmuck bestimmter Stände und Zeiten4). Auch die talmudische Zeit kennt!noch nicht als allgemein giltige Sitte, das Haupt bedeckt zu halten — nur die Leidtragenden bedeckten ihr!Haupt6) — vielmehr ergibt es sich aus einzelnen Stellen, daß Männer auch unbedeckten Hauptes. Kinder aber stets 80 gingen6); es fehlt auch nicht an Anhaltspunkten, daß selbst Gebete unbedeckten Hauptes gesprochen wurden 1). Die Kopfbedeckung gilt in jener Zeit bloß als Schutzmittel gegen Kälte ~und Kheumatismus8); wo sie getragen wurde, legte man sie ab, •sobald bedeutenden Persönlichkeiten Ehre bekündet werden sollte9). Erst aus Opposition gegen das jungte Christentum, in dessen gottesdienstlichen Versammlungen bald die Paulinische Verordnung maßgebend und charakteristisch wurde, daß der Mann [sein Haupt nicht bedecke10), sowie aus dem Streben des Pharisäismus, die priesterliohe Art in;das Volksleben hineinzutragen, erwuchs die energische Strömung gegen das unbedeckte Haupt. jBald wurde es als Frechheit angesehen, mit entblößtem Haupte umherzugehen11); als häretische Art, wie sie auch von Nadab und Abiha geübt wurde, die ihr Haupt entblößten, als sie fremdes Feuer auf den Altar1 legten und ihnen die göttliche Majestät[erschien 1!* * **)). Bald wurde es als besonderes Verdientst gerühmt, auch nicht 4 Ellen weit mit unbedecktem Haupte ״״ מגבעה (יd מצנפת- *) Lev. 10,6, vgl. Sept. z. St; Jom• 26a. *) Nom. 6,7. *) Vgl- כבע. Ez- *7,10; 2. Chr. 26,14; יצניף Je■• 62,3 daher von כובע ישועה> J®®• 69,17 und 0 .-* •* ,צו|יף מלוכה• *Me Rede ist ») M. k. 24», vgl. J. M. k. 82d. ״)Vgl- Ned. 80b: unter Schwarzköpfigen sind Männer zu ▼erstehen, die bald bedeckten, bald unbedeckten Hauptes gehen. Das Gebot, beim Fasten das Haupt mit [Asche zu bestreuen (Tan 2,1), hat nur dann einen Sinn, welnn das Haupt sonst unbedeckt war. ף Ber. 60b, vgl. 14a; wo mitgeteilt wird, R. Assi habe‘ sein Haupt bedeckt, eheer das Tischgebet sprach, woraus hervorgeht, daß auch er sonst ohne Kopfbedeoktmg sag, sowie daß es auch für das Gebet nicht allgemein üblich war, den Kopf zu bedecken. Hingegen geht es nioht ad, aus Pes. d. R. K. 77 b zu sch liegen, dag es ala gleichgültig angesehen, würde, das Schema bedeckten oder unbedeckten Hauptes zu lesen. .! ף R. Jocbanan trug im Sommer keinen Turban, J. Ber. 4c;' Lev. r. 19, 4, דאומטיקום ist 'ר »«* lesen. 8) J. Mk. 160; Lev. r. 27,6; Tancb. Emor. jl8, Pes. שור: eie entblößten ihr Haupt beim Vernehmen de• königlichen Ediktes.; ' 10) 1. Kor. 11,4, 6, 7, vgl. Meyer, z. St; vgL jjalk. Gen. 28, -מפני מה האיש יוצא וראשו מגולה י,) Kid. 88a; vgl. Bar. 6,9,80. **) Lev. r. 20,7, sicherlich •ntichr. Tendenz. ->• gegangen zu sein1). Man bedeikte jetzt das Haupt namentlich zum Gebete9) und führte einen Segensprueh ein; der des Morgens beim Aufsetzen der Kopfbedeckung gesprochen weiden soll8). Daneben erhielt sich trotzdem noch lange in einzelnen Länderstrichen der Brauch, auch beim Gebet unbedeckten Hauptes zu bleiben4). 9. Unter völlig fremdem Ei nflusse aber entstand die Sitte, daß Frauen ihr Kopfhaar verhüllten oder gar abschnitten. Di3 Bibel kennt den Brauch nieht, auch dem Talmud ist das Haar-־ abschneiden fremd6). Das biblische Gesetz verordnete nur, daß einer Kriegsgefangenen, die «in israelitischer Krieger als Gattin heimführen will, das Haar abgeschnitten (Deutr 21,12), ferner daß das Haar einer des Ehebruchs Verdächtigen aufgelöst werde (Num. 5,18, vgl. Sota 8, 1). Hingegen findet sich die Sit e des Haarverhüllens und Abschneidens bei den Giiechen und Römern: alte Frauen trugen Hauben, die den Haarschmuck bedeckten. Einzelne Frauen lief en ihr Haar gänzlich abschneiden, 80 die Mutter des Theseus6). Namentlieh gingen Witwen mit geschcrenem Haupte, dem Zeichen 8tändigerTrauer,s0Klyte1 anestraundHekuba7). Vestalinnen hängten vor Eintritt in das priesterliohe Amt ihr Haar im heiligen Haine auf8) und Jünglinge und Jungfrauen schnitten e 1 vor der Vermählung ab, um es als Weiheopfer der Got theit darzubringen י) . Unter dem Einfluß dieser ן griechisch-römischen Sitte, welche aus der heidnisch en Anschauung von der Abhängigkeit des Weibes 1׳an döm Manne floß, entstand auch die Paulinische Verordnung (1. Cor. 11,6), dsis Weib soll in der gottesdienstliehen Versamplung das Haupt verhüllen Haar abgeschnitten werde — der Mann ist aus der schaffenden Gottesband hervor! gegangen, das Weib aber ist - vom Manne abhängig Zeichen, der Abhängigkeit, den ■) Sabb 118 b; ib. 25 b; vgl. hierztu More 111,62. >) Ber. 61a, vgl. Sofer. 14,16; Ma m. h. Tef. 6,6. *) Ber. 60b 1וטר ישראל בתפארה; R- Amram Gaon und Natrooai tadeln den Ausdruck שר^ weil di• alte Kopfbedecknng nieht mehr im Gebrauahe war. *) Vgl. Sofer. 14, 16, wo darüber gestritten wird, ob man mit entblößtem Haupte Vorbeterdienst > beim Boheme versehen darf; vgl. ha-Manhig, ed. Berlih, 1816, S. 16 חמד»היום מדתו צרפת בשעת בהמ׳ו חטב ־ך מתעטף בכסותו או נותן כיבע בראשו; vgl. Darke Mosche zu T. Or. Chaj. 28S, 3: שאמר לקטן לקראת בראש מגולה וכ׳ש גרול דלא כמנוע צרפת הקורין בראש מגולה■ In dem Kommentar und Ritualwerke 1 am Machsor, קרש rTWI fand ich bei der Behandlung der Eaftara die Bemerkung: ואסור לקרות בגילוי ראש• Interessant; St es, daß die polnischen und deutschen Jnden für גלד .ראש gewöhnlich קלות ראש setzen, um für die allmählich eingebü rgsrte Bitte, nur mit bedecktem Haupte zu. gehen, einen ]leweis in dem großen Bündenbekenntnis, על חטא, au fine en. Ueber das Ganze s. Loew, Nachgelassene Schriften, II,!11 ff.;' Geiger, Zeitschrift m, 142 f, 189 ff. . *) Semaoh. 8 handelt von der Bestattung einer im Brautstände Verstorbenen. *) Paus. X, pag. 861,1,11. ף Paus. 1,48,4. darum 8011 68 das Schleier, tragen. •,

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